Medizinische Klinik und Poliklinik II

Medizinische Klinik und Poliklinik II

Internetauftritt: http://med2.klinikum.uni-muenchen.de/

 

Frau Prof. Julia Mayerle

Klinikdirektorin

Prof. Dr. med. Julia Mayerle 

Prof. Schirra

Leitender Oberarzt

Prof. Dr. J. Schirra

Dr. Beyer

Ansprechpartner für das Pankreaszentrum

Dr. Beyer

  

Entzündliche Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Entzündliche Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (akute und chronische Pankreatitis, Autoimmunpankreatitis) stehen im Zentrum des klinischen und wissenschaftlichen Interesses mehrerer Arbeitsgruppen der Medizinischen Klinik II. Zur Betreuung unserer Patienten mit Pankreaserkrankungen bietet die Klinik eine interdisziplinäre Spezialsprechstunde an. (Termine werden durch das Sekretariat vergeben). Zusätzlich werden grundlagenorientierte Projekte zur Erforschung der Ursachen von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen in der Medizinischen Klinik II durchgeführt. Als klinische Forscher nehmen wir an verschiedenen Studien teil. Aktuell werden Patienten u.a. in die EUROPAC-2-Studie (Doppelt verblindete, randomisierte und kontrollierte Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit von Antioxidantien und Magnesium bei der Behandlung von hereditärer und idiopathischer chronischer Pankreatitis) sowie in die MagPEP-Studie (prospektive, randomisierte, kontrollierte, doppelt verblindete Studie zur Untersuchung der Effektivität von Magnesium in der Verhinderung der post-ERCP-Pankreatitis) eingeschlossen. Weiterhin haben wir eine Beobachtungsstudie initiert um mehr über den natürlichen Verlauf der chronischen Pankreatitis zu lernen (COPPS). Kleine zystische Pankreasläsionen stellen ein klinisches Problem dar, da sie in seltenen Fällen zu bösartigen Tumoren werden können.  Patienten mit einer kleinen Zyste in der Bauchspeicheldrüse behandeln wir im Rahmen der PACYFIC Studie.

 

Versorgung bei akuter Pankreatitis

 

Das Auftreten einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist ein medizinischer Notfall und sollte umgehend durch ein erfahrenes, interdisziplinäres Team behandelt werden. Zu Beginn steht die Therapie mit ausreichender Flüssigkeitsgabe, Schmerzbehandlung, Beseitigung auslösender Faktoren, wie zum Beispiel Gallengangsteinen im Vordergrund.

 

Die Hauptschwierigkeit in der Behandlung der akuten Pankreatitis besteht darin, den Schweregrad der Erkrankung zu Beginn richtig einzuschätzen. Bei etwa 85% der Patienten verläuft die Erkrankung milde und die Patienten verlassen das Krankenhaus nach wenigen Tagen. In ca. 15% der Fälle tritt eine schwere Verlaufsform mit Untergang großer Anteile des Bauchspeicheldrüsengewebes und Notwendigkeit einer Behandlung auf der Intensivstation auf. Die frühzeitige Vorstellung an einem erfahrenen interdisziplinären Zentrum stellt die adäquate Versorgung unter Berücksichtigung der vorliegenden Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sicher. Informationen für Zuweiser finden Sie hier.

 

Versorgung bei wiederkehrender akuter Pankreatitis und chronischer Pankreatitis

 

Für Patienten mit einer chronischen Pankreatitis oder immer wiederkehrenden Schüben einer akuten Pankreatitis sollte immer die auslösende Ursache geklärt werden. Mit Hilfe modernster endoskopischer Ultraschallgeräte können kleinste Gallengangssteine sowie Organveränderungen bis hin zu kleinen Tumoren als Auslöser identifiziert werden. Außerdem können mit der gleichen Methode Auffällige Bereiche der Bauchspeicheldrüse gezielt mit feinen Nadeln punktiert und das Gewebe mikroskopisch untersucht werden. Weitere Risikofaktoren umfassen Stoffwechselerkrankungen, genetische Veränderungen, familiäre Belastung, chronischer Alkoholkonsum und Rauchen. Wir beraten Sie bei der Identifikation solcher Risikofaktoren und unterstützen Sie bei der Wahl der richtigen Therapieform. (Sprechstunde)

 

Die chronische Pankreatitis führt bei Betroffenen zu gehäuften Krankenhausaufenthalten, häufigen Arbeitsplatzwechseln und Verlust an Lebensqualität. Probleme bereiten chronische Schmerzen und die eingeschränkte Funktion der Bauchspeicheldrüse bis hin zu Diabetes und exokriner Insuffiziens mit Unvermögen Nahrungsmittel ausreichend zu verdauen. Außerdem sind bestimmte Formen der chronischen Pankreatitis mit einem erhöhten Tumorrisiko verbunden. Das Pankreaszentrum bietet einen Anlaufpunkt für Patienten mit chronischer Pankreatitis um eine kontinuierliche Betreuung durch erfahrene Mediziner zu gewährleisten.

Ziel ist es die exokrine Insuffiziens und Diabetes zu erkennen und zu behandeln, Schmerzen adäquat multimodal zu therapieren und lokale sowie systemische Folgeschäden frühzeitig war zu nehmen und diesen entgegen zu wirken, um letztlich unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Die Medizinische Klinik II verfügt hierfür über ein breites Spektrum an Methoden:

  • reine klinische oder bildgebende Überwachung

  • spezielle Labordiagnostik, genetische Testung bei V.a. angeborene Risikofaktoren

  • medikamentöse Therapie

  • endoskopische Diagnostik und Therapie mittels EUS, ERCP, Pankreatikoskopie (Pankreasgangstents, Gallengangstents, Steinzertrümmerung, Aufdehnen von Engstellen, Zystendrainage in den Magen, Splanchnikusblockade)

Extrakorporale Stoßwellenlithotrypsie bei Pankreasgangsteinen


Bei Komplikationen der Pankreatitis, wie zum Beispiel Flüssigkeitsverhalte (Nekrosen oder Pseudozysten), Gangstenosen und Verkalkung kann die endoskopische Therapie mit endosonografisch gezielter Drainage, endoskopischer Steinentfernung oder Gangstenting mittels ERCP durchgeführt werden. Dies kann helfen, weiterführende Komplikationen wie Schmerzen, Blutungen, Galleaufstau oder Infektionen zu verhindern.

Als Teil des Pankreaszentrums beraten wir Patienten mit Komplikationen interdisziplinär mit den Kollegen der Chirurgie und interventionellen Radiologie um die individuell beste Therapieform zu finden.

 

Autoimmunpankreatitis

 

Ein seltener Auslöser der Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine Überreaktion der körpereigenen Abwehr im Sinne einer Autoimmunpankreatitis. Die Diagnosestellung dieser neuen Entität erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und kann nur in der Zusammenschau mehrerer diagnostischer Modalitäten erfolgen. Ein einfacher Labortest, der das Vorliegen einer Autoimmunpankreatitis ausschließt oder beweist (z.B. IgG4) existiert leider nicht.

 

Diagnostik bei zystischen Pankreasraumforderungen

 

Auf Grund des gehäuften Einsatzes von hochauflösenden bildgebenden Verfahren werden gehäuft Bauchspeicheldrüsenzysten als Zufallsbefunde festgestellt. Das Vorliegen einer solchen Zyste führt bei Ärzten und Patienten häufig gleichermaßen zu Verunsicherung. Da die Differentialdiagnose solcher Bauchspeicheldrüsenzysten von völlig harmlosen angeborenen Zysten, über Residuen einer früheren Pankreatitis bis hin zu zystischen Karzinomen reicht, ist eine detaillierte diagnostische Aufarbeitung am Pankreaszentrum empfehlenswert.

Zur Diagnostik am Pankreaszentrum des Klinikums der LMU gehört die Befundung konventioneller Bildgebungen wie CT oder MRT durch spezialisierte diagnostische Radiologen, kontrastmittelgestützte Sonografie und die Durchführung eines endoskopischen Ultraschalls (Endosonographie). Letztere biete neben der hochauflösenden Darstellung die Möglichkeit der Feinnadelpunktion zur Gewinnung von Zellen und Zysteninhalt, welche im Speziallabor aufgearbeitet werden. Unklare oder auffällige Zysten werden im Tumorboard besprochen. Ziel ist es durch einen interdisziplinären Ansatz die Empfehlung zur Überwachung oder operativen Therapie auf dem Boden einer möglichst genaue Einordnung der Zyste zu gewährleisten zu können.

 

Diagnostik und Therapie bei Pankreaskarzinom

 

Pankreaskarzinome haben nach wie vor nur eine eingeschränkte Prognose. Umso wichtiger ist es, eine frühzeitige Diagnose zu erreichen und die Patienten optimalen modernen Therapiestrategien zuzuführen und diese in Studien zu testen. Die Diagnosestellung kann oft über eine endoskopische Ultraschalluntersuchung mit Feinnadelpunktion erfolgen.

 

Bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen sind insbesondere Verschlüsse der Gallenwege durch die Tumorausbreitung ein Problem, da so keine Chemotherapie möglich ist. Mittels Einlage von langlebigen Metallstents kann dies endoskopisch behoben werden und der Patient ist weiter therapiefähig. Weitere endoskopische Verfahren beinhalten Stenting des Zwölffingerdarms bei drohendem Verschluss oder Behandlung von Blutungen aus dem Tumor.

 

Risikogruppen wie z.B. Patienten mit einer hereditären Pankreatitis oder Angehörige von Patienten mit familiärem Pankreaskarzinom können in unserem Zentrum überwacht werden.

 

Ein neuer Ansatz bei Tumorverdacht der Bauchspeicheldrüse ist die Untersuchung von Stoffwechselprodukten im Blut (sog. Plasmametabolom). Im Rahmen der deutschlandweit durchgeführten Meta-Pac-Studie vergleichen wir die Ergebnisse eines Plasma-Metabolom Multimarker Panels (MxP® PancreasScore) mit den Ergebnissen der herkömmlichen Diagnostik. Die Studie läuft unter Führung der Medizinischen Klinik III am Campus Großhadern.

  Verantwortlich für den Inhalt: PD Dr. J. D'Haese