Ernährungsberatung

Mangelernährung bei Pankreastumoren und Pankreatitis

Tumorpatienten haben im allgemeinen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Mangelernährung, zum einen verursacht durch tumorbedingte Veränderungen des Stoffwechsels und ggf. auch der Anatomie des Magen-Darmtraktes, zum anderen durch therapiebedingte medikamentöse Nebenwirkungen, chirurgische Operationen und/oder psychische Faktoren. Assoziiert mit dem Grad der Mangelernährung ist das Risiko von Komplikationen einer chirurgischen Therapie. Insbesondere Tumore des Pankreas sind hochgradig mit dem Risiko einer Mangelernährung korreliert, die Prävalenz liegt hier bei > 60%, aber auch bei der chronischen Pankreatitis ist eine Mangelernährung häufig. In den Leitlinien zur enteralen Ernährung in der Onkologie (DGEM) wird die Prävalenz von ausgeprägtem Gewichtsverlust bei Pankreaskarzinomen mit 85% bei Diagnosestellung angegeben.

Patienten, die einen signifikanten Gewichtsverlust erlitten haben, zeigen eine ungünstigere Prognose. Das Ansprechen auf eine Chemotherapie, die Leistungsfähigkeit sowie die subjektive Lebensqualität sind vermindert. Durch die frühzeitige Erfassung des Ernährungszustandes und die Einleitung einer geeigneten Ernährungstherapie kann die Gesamtprognose der Patienten jedoch verbessert werden. Auf den chirurgischen Stationen des Klinikums Großhadern wurde daher die Durchführung des Nutritional Risk Screenings (NRS 2002, nach Kondrup et al.) durch die onkologische Ernährungsberatung etabliert, um Risikopatienten frühzeitig zu erkennen.

Ziel der Ernährungstherapie ist die Anpassung der Substratzufuhr an die veränderten physiologischen Verhältnisse, eine Stabilisierung bzw. Steigerung des Körpergewichts und damit die Optimierung des Allgemeinzustandes des Patienten insbesondere vor und nach einer Operation. Darüber hinaus kommt der „Immunonutrition“ (Modulation des Immunsystems) eine wesentliche Bedeutung zu. Die ESPEN Leitlinie zur enteralen Ernährung  in der Chirurgie empfiehlt unabhängig vom Ernährungsstatus den perioperativen Einsatz von immunmodulierenden Nahrungen für Patienten mit schweren Tumoroperationen im Gastrointestinalbereich.

Bei Patienten mit Passagestörungen im oberen Magen-Darm Trakt (wie z.B. bei Pankreaskopftumoren und chronischer Pankreatitis) kann eine FKJ-Sonde (Feinnadel-Katheter-Jejunostomie) angelegt werden, um eine enterale Ernährung zu gewährleisten. Eine verzögerte postoperative Nahrungsaufnahme ist verbunden mit  einem deutlichen Komplikationsrisiko. Eine enterale Ernährung binnen 24h nach der Operation über entsprechende Ernährungskatheter führt zu einer signifikanten Reduktion septischer Komplikationen.

Der Kostaufbau nach der Operation erfolgt gemäß einem Stufenschema. Abhängig von der Art der Operation (Erhaltung des Magens und Magenpförtners bzw. Magenteilentfernung), dem Ernährungszustand des Patienten und einer gelegentlich auftretenden vorübergehenden Magenentleerungsstörung nach der Operation, kann hier frühzeitig mit hochkalorischer, eiweißreicher - und bei Bedarf mit immunmodulierenden Substraten angereicherter – Trinknahrung begonnen werden. Nach Pankreasoperation ist postoperativ ggf. eine Anpassung der Ernährung an die veränderte Fähigkeit der Fettverdauung und/oder an den veränderten Zuckerstoffwechsel erforderlich. Bei manifestiertem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) wird der Patient interdisziplinär betreut, hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit der diabetologischen Ambulanz der Medizinischen Klinik II im Klinikum Großhadern.

  Verantwortlich für den Inhalt: PD Dr. J. D'Haese