Startseite » Labor für Biomechanik

Labor für Biomechanik & Experimentelle Orthopädie der Orthopädischen Klinik und Poliklinik

Das im Jahre 1971 als "Biomechanisches Labor" an der Staatlich Orthopädischen Klinik München vom damaligen Oberarzt der Klinik Herrn Prof. M. Jäger initiierte und von Herrn Prof. Dr. A.N. Witt gegründete Labor hatte zunächst als Aufgabenstellung die tribologisch-biomechanische Überprüfung von künstlichen Hüftgelenken, von denen es bereits damals eine Vielzahl an Modellen gab. Bis dahin fand die tribologisch-biomechanische Prüfung aufgrund des Mangels an geeigneten Prüfeinrichungen letztlich im Rahmen der klinischen Erprobung, also am Patienten statt. Der erste Leiter des Biomechanischen Labors war Herr Prof. Ungethüm, der im Jahre 1977 zur Firma Aesculap wechselte und lange Jahre als Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG & Co. KG und Aufsichtsratsvorsitzender der Firma B. Braun (ab 1996) tätig war. Nach dem Ausscheiden von Prof. Ungethüm übernahm Herr Prof. W. Plitz die Leitung des Labors. Bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 2009 konnte sich Herr Prof. Plitz einen exzellenten internationalen Ruf, speziell auf dem Gebiet der Tribologie, erwerben.

Anfänglich mit Hilfe eines Forschungsauftrages der VW-Stiftung und im Anschluss daran mit verschiedenen Forschungsvorhaben der DFG und des damaligen Bundesministeriums für Forschung und Technologie wurden im Laufe der vergangenen 25 Jahre eine große Zahl spezieller Prüfmaschinen, insbesondere Hüft- und Kniesimulatoren entwickelt, erprobt und schließlich angewandt. Diese Simulatoren erlauben es, ungeeignete Materialien, Designs und Konzepte schon im Vorfeld der klinischen Erprobung als nicht geeignet zu erkennen und sie der klinischen Erprobung vorzuenthalten.

Neben der Untersuchung neuer Modelle und spezifischer Werkstoffvarianten wurden im Laufe der Jahre auch zahlreiche Revisionsobjekte gesammelt, also Endoprothesen, die aus vielerlei Gründen wieder aus dem Patienten entfernt werden mussten. Die an diesen Prothesen zu findenden Verschleißmechanismen konnten analysiert werden und haben Eingang in Neuentwicklungen gefunden.

Zwischenzeitlich beschränken sich die Aufgabenstellungen nicht mehr nur auf Knie- und Hüftendoprothesen. Vielmehr werden heute alle Gelenke, die eines künstlichen Ersatzes bedürfen, überprüft. Bislang wurden Aufträge von insgesamt 81 verschiedenen Herstellern bearbeitet, welche in ca. 350 Prüfberichten niedergelegt sind. Dabei ist die Unabhängigkeit des Labors als universitäre Institution für uns Verpflichtung und Motivation.

Bereits 1978 wurde der Name „Biomechanisches Labor“ in „Labor für Biomechanik und Experimentelle Orthopädie“ umbenannt. Mit dieser Namensänderung wurde zum Ausdruck gebracht, dass die im Labor bearbeiteten Fragestellungen sich nicht weiter nur auf materialtechnische Gesichtspunkte beschränken sollten. 1995 erfolgte der Umzug des Labors für Biomechanik und Experimentelle Orthopädie von der ehemaligen „Staatlichen Orthopädischen Klinik“ in Harlaching nach Großhadern auf den Universitätscampus.

Mit der Berufung von Prof. V. Jansson auf den Lehrstuhl für Orthopädie der Ludwig-Maximilians-Universität 2003 erfolgte dann vollends die Öffnung der Laboraktivitäten für biologische Fragestellungen, die inzwischen einen wesentlichen Teil der im Labor bearbeiteten Projekte ausmachen. Dabei führt die Kombination des von Herr Dr. biol. hum. Oliver Betz geleiteten Bereichs „Regenerative Medizin“ mit dem von Herrn PhD Yan Chevalier geleiteten Bereich „Biomechanik“ zu wertvollen Synergieeffekten. Schon von Beginn an erfolgte eine konsequente Verzahnung der Klinik mit dem Labor. Dabei wird der klinisch-biomechanische Teil von Prof. V. Jansson und der klinisch-biologische Teil von Herrn Prof. P. E. Müller vertreten. Folgerichtig wurde im Jahr 2003 Herr Prof. P. E. Müller auf die Professur für den Bereich „Tissue Engineering“ berufen.

Das Labor für Biomechanik und Experimentelle Orthopädie bietet eine Plattform, die wissenschaftliche Arbeiten sowohl im Bereich der Endoprothetik und Biomechanik als auch zell- und molekularbiologische Untersuchungen ermöglicht. Dabei hat das Labor für Biomechanik und Experimentelle Orthopädie über 38 Jahre Erfahrung und verfügt über ein breites Know-how. Das betrifft sowohl die Entwicklung und Untersuchung von Endoprothesen als auch die Etablierung neuer Konzepte im Bereich der regenerativen zellbiologischen Medizin. Im Vordergrund steht dabei die anwendungsorientierte klinisch-experimentelle Forschung, um die Patientenversorgung effektiver und erfolgreicher zu realisieren. Im Labor sind zurzeit fünf in Vollzeit beschäftigte wissenschaftliche Mitarbeiter und fünf technische Assistenten beschäftigt. Darüber hinaus sind eine Vielzahl an Ärzten der Orthopädischen Klinik und Poliklinik an Forschungsarbeiten des Labors beteiligt. Zurzeit sind mehr als 30 medizinische Doktoranden im Labor tätig. In einer über viele Jahre gepflegten Zusammenarbeit mit der Hochschule München entstanden in den letzten 10 Jahren über 40 ingenieurs-wissenschaftliche Diplom-, Master- und Praktikantenarbeiten. Das Labor wird darüber hinaus auch von anderen Kliniken und Forschungseinrichtungen für Untersuchungen genutzt.

Im Laufe der Entwicklung des Labors für Biomechanik und Experimentelle Orthopädie wurden zahlreiche Forschungsprojekte der DFG, des BMBF, der AO Foundation, der Bayerischen Forschungsstiftung und anderer Zuwendungsgeber bearbeitet. Untersuchungs- und Forschungsmöglichkeiten wurden mittlerweile auf ein breites Spektrum an Implantaten, Verschleißversuchen, Festigkeitsuntersuchungen, numerischen Methoden und zellbiologischen Studien im Bereich der Arthroseentstehung und der regenerativen Medizin erweitert.

 

  Verantwortlich für den Inhalt: Christian Schröder
DE EN AR RU