Neues Verfahren zur Behandlung von großen Schäden der Rotatorenmanschette mit dem InSpaceTM Ballon

Große Risse der Sehnenplatte am Schultergelenk, der sogenannten „Rotatorenmanschette“, können oft nicht mehr im Rahmen einer Operation verschlossen werden. Im langfristigen Verlauf kann der Oberarm nach oben unter das Schulterdach treten und sich hier abstützen. Dadurch kommt es einerseits zu einer veränderten unphysiologischen Belastung des Schultergelenkes und einer mechanischen Reizung am Schulterdach mit starken Schmerzen und einer Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit. In vielen Fällen entwickelt sich bei den Patienten im Verlauf ein Gelenkverschleiß, eine Arthrose des Schultergelenkes. Diese muss in den meisten Fällen mit einer Schultergelenksendoprothese behandelt werden. Jedoch gibt es Patienten bei denen aus anderen medizinischen Gründen keine Endoprothese implantiert werden kann. Durch das Einbringen des InSpaceTM Ballons im Rahmen einer arthroskopischen Operation zwischen den knöchernen Strukturen des Oberarmkopfes und des Schulterdachs wird der Oberarmkopf wieder nach unten in das Schultergelenk gedrückt und hier stabilisiert. Durch die Rückführung des Humeruskopfes in seine normale Position wird die Funktion der anderen nicht geschädigten Muskeln an der Schulter verbessert und so der Bewegungsablauf teilweise wieder normalisiert. Dadurch kann der Patient wieder aktiv Krankengymnastik betreiben und damit die noch intakte Muskulatur zur Kompensation auftrainieren. Hierdurch kann der Patient die Schulter deutlich schmerzgelindert oder sogar schmerzfrei bewegen, was langfristig zu einer weiteren Verbesserung der Gelenkfunktion und dauerhaften Besserung der Schmerzen führt.

In bisherigen Studien konnte ein anhaltend positiver Effekt über mehr als ein Jahr nach der OP gefunden werden, also auch nach Auflösung des Spacers. Das System wird momentan nur in speziellen Situationen angewendet, da noch keine Langzeiterfahrungen bestehen. Hierzu zählen Patienten, die aus medizinischen Gründen keine endoprothetische Versorgung der Schulter bekommen können oder diese ablehnen. Der operative Eingriff ist wenig belastend, da der Ballon über einen kleinen Schnitt an der Schulter arthroskopisch unter das Schulterdach eingeführt und hier mit körperisotoner Kochsalzlösung gefüllt wird (Grafik 1). Er wirkt dann wie ein Wasserkissen, das den Abstand zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach wiederherstellt (Grafik 2). Das Material des Ballons ist seit vielen Jahren in medizinischem Gebrauch. Es wird vom Körper über einen Zeitraum von 6-12 Monaten vollständig und rückstandsfrei abgebaut. Es wird zum Beispiel auch als Nahtmaterial bei Operationen in allen Körperregionen benutzt. Zu den potentiellen Risiken des Systems gehören ein Verrutschen des Ballons oder eine Gewebereaktion auf das Material (z.B. lokale Irritation, Infektion, Entzündung). Alle genannten Nebenwirkungen sind selten und können durch Medikamente behandelt werden (alternativ kann das Implantat zur Volumenreduktion durchstochen oder in einem arthroskopischen Verfahren entfernt werden).

Die Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation am Klinikum Großhadern ist eine der ersten Kliniken in Deutschland, die dieses neue Verfahren zur Behandlung von großen Schäden der Rotatorenmanschette einsetzt. Informationen hierzu können sie gerne jederzeit in unserer Schultersprechstunde montags und mittwochs nach telefonischer Terminvereinbarung unter 089-4400-73790 erhalten.

 

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Grafik 1: Einsetzen und Befüllen des Ballons                  

 

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Grafik 2: Lage des Ballons bei Bewegung der Schulter

 

 

InSpace® wird produziert von OrthoSpace Ltd.®, Israel, und vertrieben in Deutschland exklusiv durch die Exactech Deutschland GmbH.