Impingement-Syndrom (Schulter)

(Syn.: Schulterengpasssyndrom; subacromiales Engpasssyndrom)

 …wenn es eng wird unter dem Schulterdach

Röntgenbild der linken Schulter mit einem Knochensporn des Schulterdachknochens.

Schmerzen im Bereich der Schulter können eine Vielzahl von Ursachen haben. Eines der häufigsten Krankheitsbilder an der Schulter ist das Impingement Syndrom (aus dem engl. „Zusammenstoßen“). Hierbei kommt es zu einem Einklemmen der Supraspinatussehne und des Schleimbeutel zwischen dem Schulterdachknochen (Acromion) und dem Oberarmkopf im sog. Subacromialraum. Die Schmerzen beginnen meistens schleichend und werden anfänglich kaum wahrgenommen. Nicht selten kann eine „falsche“ ruckartige Bewegung, akute Überbelastung wie z.B. ungewohnte Überkopfarbeiten oder ein Sturz auf dem Arm die Schmerzen so verstärken, dass es zu einer erheblichen Bewegungseinschränkung kommt. Spätestens dann ist es höchste Zeit zu einem Arzt zu gehen.

Ursachen- Woher kommt das Impingementsyndrom?

Das Impingement Syndrom ist häufig verschleißbedingt, tritt also im zunehmenden Alter auf. Aber auch jüngere Menschen können darunter leiden. Oft ist dann eine einseitige Belastung der Muskulatur, z.B. dauerhaftes Überkopfarbeiten oder Überkopfsportarten, der Grund. Zu den verschleißbedingten Veränderungen gehören Knochensporne am Schulterdach, Verdickungen am Schultereckgelenk durch eine Arthrose oder aber eine chronische Reizung des Schleimbeutels der sich dann entzündlich verdickt.

In allen Fällen kommt es zu einer Enge zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf, so dass sich bei der Armhebung nach vorn und zur Seite die Sehne und der Schleimbeutel einklemmen und Schmerzen auslösen.

Symptome:

Am häufigsten klagen die Patienten über Schmerzen bei Belastung v.a. beim Heben der Arme nach vorne (z.B. Geschirr aus dem Schrank nehmen), Abspreizen der Arme zur Seite oder bei Drehbewegungen. Es können auch Schmerzen in Ruhe und in der Nacht beim Schlafen auf der betroffenen Schulter auftreten. Der typische Schmerz wird über dem Oberarmkopf wahrgenommen, kann aber auch zum Nacken und bis zum Ellenbogen ausstrahlen.

 

Diagnostik:

Kernspintomographiebild einer rechten Schulter mit Schleimbeutelentzündung unter dem Schulterdach

Die Diagnose des Impingement Syndroms wird anhand einer gründlichen körperlichen Untersuchung, genauen Beurteilung der Krankheitsgeschichte und körperlichen Betätigungen (Überkopfarbeiten, Sportarten wie z.B. Tennis oder Handball) gestellt. Bildgebende Verfahren wie das Röntgenbild sind meistens ausreichend, um knöcherne Veränderungen zu sehen und die Diagnose zu sichern. Besteht der Verdacht, dass zusätzlich ein Riss an den Sehnen vorliegt, können zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung und/oder eine Magnet-Resonanz-Tomographie/MRT (Kernspintomographie) zum Einsatz kommen.

 

Behandlung:

Konservativ (nicht operativ)

Die Therapie beginnt konservativ mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten (nicht-steroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac) und Krankengymnastik mit ggf. begleitender Strom- oder Ultraschalltherapie. Der wichtigste Baustein dieser Therapie ist die regelmäßige Krankengymnastik, die die Patienten täglich durchführen. Ziel der Krankengymnastik ist es, die Muskeln der Schulter zu kräftigen, die den Oberarmkopf nach unten ziehen und so wieder Platz unter dem Schulterdach schaffen. Zudem soll die eingeschränkte Beweglichkeit wiederhergestellt werden und falsche Bewegungsmuster, die sich häufig durch die langen Schmerzen entwickelt haben, wieder abtrainiert werden. Dazu wird Krankengymnastik (Physiotherapie) angeordnet, wo die Patienten diese Übungen erlernen. Es ist sehr wichtig, dass die in der Krankengymnastik erlernten Übungen mehrmals täglich eigenständig zu Hause oder in der Arbeitspause wiederholt werden.

Injektionen – (Spritzen):

Bei anhaltenden oder sehr starken Beschwerden trotz der genannten Therapiemaßnahmen es manchmal hilfreich sein, in den entzündeten Schleimbeutel im Subacromialraum ein Schmerzmittel (lokales Betäubungsmittel) mit etwas Kortison zu spritzen, um eine schnelle Verminderung der Schmerzen zu erreichen. Die Wirkung von Kortison ist entzündungshemmend und kann über mehrere Wochen zu Beschwerdefreiheit, bzw. Beschwerdelinderung führen. Kortison wirkt aber nur vorübergehend und kann nicht beliebig oft gespritzt werden. Daher muss auch nach einer Spritze eine intensive Krankengymnastik erfolgen.

Operation:

Arthroskopischer Blick in den Subacromialraum (zwischen Oberarmkopf und Schulterdach) mit dem entzündeten Schleimbeutel.

In sehr hartnäckigen und therapieresistenten Fällen oder wenn noch andere Probleme vorliegen (Schultereckgelenksarthrose, Riss einer Sehne der Schultermuskulatur = Rotatorenmanschette, starke knöcherne Spornbildung) muss eine Operation erfolgen, um die Schmerzen dauerhaft zu beheben.

Wir führen diese Operationen ausschließlich arthroskopisch, das heißt kameragestützt durch ein „Schlüsselloch“ aus. Durch kleine Hautschnitte an der Schulter wird ein Arthroskop (Kamera) in das Schultergelenk eingeführt und mit speziellen Instrumenten die geschädigten Strukturen zügig und komplikationsarm versorgt. Liegt nur ein Impingement vor, werden bei der „Acromioplastik“ der entzündete Schleimbeutel im Subacromialraum entfernt und störende Knochenüberhänge am Schulterdach geglättet, damit wieder ausreichend Platz besteht. Um die postoperativen Schmerzen zu lindern wird am Ende des Eingriffes etwas Schmerzmittel in die Schulter gespritzt. Da die Operation sehr gut vertragen wird, bleiben die meisten Patienten nur eine Nacht in der Klinik. Die Anlage eines Schmerzkatheters ist bei der arthroskopischen Impingement-Operation in der Regel nicht erforderlich.

Nachbehandlung:

Nach der Operation müssen die Patienten die Schulter für einige Tage schonen bis sich der operationsbedingte Schmerz gelegt hat. Es kann aber sofort mit leichten krankengymnastischen Übungen begonnen werden. Eine Ruhigstellung in einer Schlinge (=Gilchristverband) ist nicht nötig. Die Rückkehr zu den normalen Alltagsaktivitäten ist meistens nach 1 Woche, in den Beruf nach 2-3 Wochen abhängig vom Berufsbild möglich. Sportliche Aktivitäten sollten erst aufgenommen werden, nachdem der normale Bewegungsumfang wieder schmerzfrei durchführbar ist.

Ablauf:

In unserer Schultersprechstunde untersuchen wir Sie und schauen uns alle bisher durchgeführten Untersuchungen (Röntgen, Kernspintomographie u.a.) an. Sollten wir noch weitere Untersuchungen für nötig halten, veranlassen wir diese. Wir leiten die entsprechende Therapie sofort ein und verordnen Ihnen entsprechende Medikamente und Krankengymnastik. Auch die Spritzenbehandlungen führen wir unmittelbar im Rahmen Ihrer Vorstellung in unserer Sprechstunde durch.

Sollte eine Operation notwendig werden, stellen wir Sie nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch über die Operation unserem Narkosearzt vor, da für alle Schulteroperationen eine Vollnarkose notwendig ist. Hier kann auch auf Wunsch die Möglichkeit eines zusätzlichen Schmerzkatheters (s. Abbildung) besprochen werden.

In der Regel erfolgt die Arthroskopie kurzstationär, das heißt der Patient kommt am Morgen der Operation in die Klinik und geht nach 1-3 Tagen wieder nach Hause. Auf speziellen Wunsch kann die Arthroskopie auch ambulant durchgeführt werden.

Erfolgschancen:

Schmerzfreiheit ist in der Regel spätestens nach 3-4 Wochen erreicht. Auch die volle Beweglichkeit im Schultergelenk wird nach dieser Zeit wieder erreicht. Über 90% der Patienten berichten über eine anhaltende Besserung der Schmerzen nach der Operation.