Kreuzbandschäden

Vordere Kreuzbandruptur

Die sog. Kreuzbänder - hiervon gibt es ein vorderes und ein hinteres – stabilisieren das Kniegelenk und verhindern das Weggleiten des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkelknochen. Das vordere Kreuzband ist die am häufigsten verletzte bandhafte Struktur des Kniegelenkes. Ca. 35.000 VKB-Rupturen werden in Deutschland pro Jahr diagnostiziert und behandelt. Einer der häufigsten Verletzungsmechanismen ist die Aussendrehung des Unterschenkels bei gebeugtem und nach innen gekipptem Kniegelenk. Beispielhaft ist hier der Skifahrer, welcher an einer Torstange mit dem Ski einfädelt wobei es den Unterschenkel nach außen wegdreht.

 

Symptome:

Oft wird von einem peitschenschlag-artigem Schnalzen oder einem „Plopp“-Geräusch berichtet. In den meisten Fällen folgt ein schmerzhafter, blutiger Gelenkerguss mit Bewegungseinschränkung. Nach Rückgang der akuten Schmerzen kann ein Instabilitätsgefühl verbleiben, wobei  die Patienten dieses als weggleiten des Unterschenkels beim Gehen beschreiben. Liegen Begleitverletzungen vor kann das Beschwerdebild variieren.

 

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Abbildung 1: MRT-Aufnahme Knie
Diagnostik:
Die klinische Untersuchung (also die Untersuchung durch den Arzt) steht im Vordergrund und reicht meistens aus um die Diagnose zu sichern. Zum Ausschluss von Begleitverletzungen werden allerdings häufig auch noch Röntgen- und MRT-Untersuchungen (Kernspintomographie) (siehe Abbildung 1) veranlasst.

 

Therapie:

Bei stark ausgeprägtem Gelenkerguss kann dieser zur Schmerzlinderung abpunktiert werden. Die weitere Therapieplanung richtet sich stark nach den Ansprüchen und dem Aktivitätslevel des Patienten. Liegt ein niedriges sportliches Aktivitätslevel vor, so wird zunächst konservativ therapiert und primär die Oberschenkelmuskulatur trainiert. Häufig kann hierdurch eine ausreichende Kniegelenksstabilisierung erzielt und eine Operation wird nicht notwendig. Ist dies nicht der Fall, und ein Instabilitätsgefühl bleibt bestehen oder es liegt primär ein hoher sportlicher Anspruch vor, sollte ein Ersatz des vorderen Kreuzbandes erfolgen. Man spricht dann von einer sog. Kreuzbandplastik.

Mittels Arthroskopie (Gelenkspiegelung) wird das gesamte Gelenk eingesehen und die verletzten Strukturen (Meniskus, Knorpel) repariert. Der Stumpf des gerissenen vorderen Kreuzbandes (Abbildung 2)wird weitgehend entfernt, damit er nicht einklemmt. Der körpereigene (autologe) Sehnenersatz hat sich hierfür über Jahre hinweg bewährt. Hierzu wird in der Regel eine (Semitendinosussehne) der sog. Hamstring-Sehnen, Sehnen der Beugemuskeln an der Oberschenkelrückseite, über den gleichen Hautschnitt am inneren Schienbeinkopf entnommen. Dies hinterlässt keine Funktionseinschränkung. Die Sehnen werden dann standardmäßig minimal-invasiv (Kniegelenksarthroskopie/Schlüsselloch-Technik) in das Kniegelenk eingeführt und hier in der ursprünglichen Position des gerissenen vorderen Kreuzbandes auf unterschiedliche Weise befestigt (Abbildung 3).

Abbildung 2

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Abbildung 2

Abbildung 3

 

Nachbehandlung:

Unmittelbar nach der vorderen Kreuzbandplastik kann mit der Krankengymnastik begonnen werden. Eine Ruhigstellung des betroffenen Kniegelenkes (z.B. in einer Kniegelenksorthese) ist in der Regel nicht notwendig, nur wenn eine Begleitverletzung mitbehandelt wurde wie z.B. eine Meniskusnaht oder eine Knorpeltherapie erfolgt ist, wird eine Gelenkschiene angelegt. Eine Entlastung an Gehstützen ist nur bis zur Wundheilung notwendig (12-14 Tage). Schmerzmittel werden nur für die ersten Tage benötigt. Mit Kraftausdauerübungen kann bereits nach 3 Wochen begonnen werden. Gelenkschonende Sportarten wie Radfahren und Schwimmen können nach 6 Wochen begonnen werden, Kontaktsportarten und Schnellkraftsportarten wie z.B. Fußball oder Tennis erst nach 6 Monaten.

 

Ablauf:

Nach Vorstellung in der Kniesprechstunde und Feststellung der

Operations-Notwendigkeit erfolgt die Aufklärung und Terminvergabe sowie die

Vorstellung in der Narkosesprechstunde. Eine Vollnarkose ist nicht zwingend notwendig. Hier kann auch auf Wunsch die Möglichkeit eines zusätzlichen Schmerzkatheters besprochen werden. In der Regel erfolgt die Operation kurzstationär. Das bedeutet, der Patient kommt am Morgen der

Operation in die Klinik und geht nach 3-4 Tagen wieder nach Hause.