Resektion

Ziel der operativen Therapie ist, von Ausnahmen abgesehen, die vollständige Entfernung des Tumors. Erhebliche Bedeutung kommt dabei der präoperativen Planung des Eingriffs anhand der Ausdehnung des Tumors zu. Bereits 1977 durch Enneking entwickelt fand sein System weite Verbreitung und kann als Standard bezeichnet werden. Es implementiert nicht nur die wesentlichen prognostischen Faktoren sondern bildet zudem eine gute Grundlage für adjuvante Therapieentscheidungen oder Ergebnis-Kontroll-Studien.

In Abhängigkeit zum Stadium hat Enneking Richtlinien für die anzustrebenden Resektionsgrenzen aufgestellt. Die weite Resektion setzt dabei die Entfernung im Gesunden voraus, so daß der Tumor allseits von einer Manschette gesunden Gewebes umgeben ist. Es beinhaltet die Umschneidung der PE-Narbe mit Drainageöffnung. In der Tiefe muß der Tumor mit mindestens 2 cm Abstand zum Gesunden reseziert werden. Auch hierbei ist das Verbleiben von Satellitenläsionen, die durch diskontinuierliche Ausbreitung des Tumors entstehen können, nicht ausgeschlossen.

Durch eine radikale Resektion erfolgt eine komplette Entfernung aller tumorbefallenen Muskelgruppen bzw. Kompartimente. Hierbei wird ebenfalls die PE-Narbe mit allen Drainagekanälen sowie Narben von etwaigen Voroperationen und ggf. ulcerierende Strahlenschäden weit mit umschnitten. Je nach Ausdehnung des Befundes muß zusätzlich die vollständige Resektion eines Gelenkes, eines Knochens von Nerven und Gefäßen durchgeführt werden.

Es ist bekannt, daß Knochen- und Weichteilsarkome sich innerhalb eines Kompartiments longitudinal (z.B. entlang von Fasziengrenzen) oft rasch und weit ausbreiten, während die transversale Ausbreitung speziell über Kompartimentgrenzen hinweg im Allgemeinen nur langsam erfolgt. Die Sicherheit einer vollständigen Tumorentfernung ist daher in hohem Maße abhängig von der Ausdehnung und der Qualität des zwischen Tumor und Resektionsrand liegenden gesunden Gewebes. 1 - 2 mm Sicherheitsabstand transversal mit Einschluß einer Faszie sind als günstiger zu werten als 5 mm longitudinal im Markraum des Knochens.

Einigkeit besteht darüber, daß bei Tumoreinbruch in den Gelenkinnenraum, das gesamte Gelenk geschlossen reseziert werden muß.

Anerkannt ist ferner, daß bei fehlendem Ansprechen auf eine neoadjuvante Chemotherapie oder bei primär nicht in einer Studie behandelten Tumoren besonders hohe Anforderungen an die operative Tumorentfernung gestellt werden müssen.

Verbindliche Aussagen über den minimal einzuhaltenden Sicherheitsabstand bei weiten Resektionen existieren nicht. Vielfach wird eine zirkuläre Manschette gesunden Gewebes von mindestens 2 cm gefordert.

Klassische Kompartimentresektionen werden nur noch selten durchgeführt. Für einen Tumor im distalen Femur würde eine Kompartimentresektion die komplette Entfernung des Femurs bis zum Hüftgelenk bedeuten. Für einen Tumor im distalen M. quadriceps femoris die Entfernung des Muskels mit Ansatz und Ursprung von der Patella bis zum Becken. Insofern sind bei diesen Tumorlokalisationen auch hohe Oberschenkelamputationen keine Kompartimentresektionen. Daneben liegen viele Tumoren bereits primär extrakompartimental (z.B. in der Fossa poplitea) so daß eine Kompartimentresektion schon definitionsgemäß nicht möglich ist.