Kürettagen
Aktive benigne Läsionen (Stadium 2) oder in noch viel höheren Maße aggressive benigne Tumore (Stadium 3) haben ein signifikantes Rezidivriskio nach intraläsionaler Resektion, weniger häufig nach marginaler so gut wie nie nach weiter Resektion. Intraläsionale Eingriffe, wie sie standardmäßig in dieser Tumorgruppe durchgeführt werden setzen eine exakte Präparationstechnik voraus. Die „einfache“ Kürettage ist als inadequat zu betrachten. Kürettagen sollten stets durch lokal mechanisch aggressive Verfahren, wie die Turbofräsung, ergänzt werden. Da extraläsionale Resektionen insbesondere bei den häufig gelenknahen Befunden (Riesenzelltumor, aneurysmale Knochenzyste, Osteoblastom, Chondroblastom, Chondromyxoidfibrom) zu inadequaten Funktionsverlusten führen können, muß zusätzlich die adjuvante Therapie zur Ausdehnung des Sicherheitsabstandes erfolgen.Chemotherapie und Bestrahlung zeigen bei den nur wenig mitotisch aktiven Läsionen in der Regel keinen meßbaren nachhaltigen Effekt und können aufgrund ihrer nicht unerheblichen Nebenwirkungen letztlich nur in verzweifelten inoperablen Fällen indiziert sein.
Gängige chemische und physikalische Methoden der adjuvanten Lokaltherapie wie
- Phenolisation
- Methylmethacrylat (Knochenzement)
- Kryochirurgische Verfahren
- Kauterisierung (Wärmebehandlung)
ersetzen nicht die subtile Präparation, finden in der Literatur jedoch eine weite Verbreitung und werden individuell verschieden beurteilt. Zusammenfassend kann mit den zitierten Substanzen bei sorgfältiger operativer Technik eine Reduktion der Lokalrezidivrate auf ca. 10 % erzielt werden.
Ein besonderes Augenmerk sollte bei den scheinbar „harmlosen“ Läsionen, auch der Weichteile, der differenzierten Diagnostik gelten, die Biopsie und extensive Bildgebung ist auch hier obligat. Die Unterschätzung der Aggressivität der Läsionen kann zum Lokalrezidiv mit erheblicher Kompromitierung des benachbarten Gelenkes, bis hin zum Gelenkverlust führen.
Insbesondere Riesenzelltumoren neigen zur pulmonalen Metastasierung (~10%). Die pulmonale Abklärung mittels Computertomographie bei Erstdiagnose erscheint deshalb obligat.
Die Nachsorge ist der individuellen Besonderheit einzelner Läsionen anzupassen. Insbesondere Riesenzelltumoren zeigen auch noch nach mehr als 5 Jahren klinisch oft lange inapparente Lokalrezidive oder pulmonale Metastasen. Eine entsprechende Anpassung der Kontrollzeiträume (mind. 10 Jahre) ist zwingend notwendig.