Therapie

Die Prognose der malignen Knochentumoren hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen entscheidenden Wandel erfahren. Während 1970 die 5-Jahres-Überlebensrate noch unter 20% lag, überleben heute fast 80% der meist jugendlichen Patienten. Eine sorgfältige Therapieplanung setzt gerade hier sowohl die exakte Diagnose als auch die präzise anatomische Lokalisierung des Primärtumors und die Entscheidung über den Metastasierungsstatus voraus. Bei der Diskussion über chirurgische Prinzipien muß die Entwicklung von der einstmals einzig möglichen Amputation hin zu Extremitäten erhaltenden Techniken aufgezeigt werden. Derzeit gelingt dies in ca. 80 % aller malignen primären Knochentumore ohne Einschränkung des onkologischen Ergebnisses. Diese Erfolge sind der engen interdisziplinären Zusammenarbeit von Orthopäden, Chirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Radiologen und Pathologen zu verdanken. Neuere Therapieansätze mit prä- oder postoperativer Chemotherapie bzw. Bestrahlung, sowie die Erweiterung der diagnostischen und operativen Möglichkeiten führen zu einem nach Tumorausdehnung, Chemo- oder Strahlensensibilität und Grading differenzierten operativen Vorgehen, wobei sich in erster Linie zwei wesentliche Faktoren, die das operative Handeln wesentlich beeinflussen, verändert haben.

Zum einem sind es die verbesserten, durch standardisierte Studien protokollierten und kontrollierten, onkologischen Therapiekonzepte, die bereits vor der Resektion der Tumore als erster Behandlungsschritt einsetzen und dann postoperativ je nach Regressionsgrad in differenzierter Form über mehrere Monate fortgesetzt werden. Hieraus resultieren die beachtlichen Verbesserungen der Prognose. Ein zweiter wesentlicher Gesichtspunkt ist die Einführung der Kernspintomografie, die die Tumorausbreitung sowohl im Markraum als auch im umgebenden Weichgewebe wesentlich besser abgrenzen läßt. Operativ muß die signifikante Verbesserung in der Prognose zur verstärkten Berücksichtigung von Langzeitaspekten der meist jugendlichen Patienten führen. Damit gewinnen Behandlungskonzepte an Bedeutung, die früher aufgrund des hohen Aufwandes angesichts der nur kurzen verbleibenden Lebensspanne für nicht zweckmäßig erachtet wurden. Aus der Etablierung der Kernspintomografie resultiert die Chance, die Tumorgrenzen und damit das Resektionsausmaß wesentlich differenzierter zu definieren, als dies früher möglich und vertretbar war. Die kritische Abwägung und Therapie muß jedoch in Zentren erfolgen, die sich mit dieser Problematik intensiv auseinandersetzen, um die erzielten positiven Ergebnisse nicht zu gefährden.