Behandlungsstrategien
Antibiotika
Wie schon erwähnt, spielt der Einsatz moderner Antibiotika eine wesentliche Rolle bei der Behandlung septischer Krankheitsbilder in der Orthopädie.
Allerdings haben auch die modernsten Antibiotika nur dann eine Erfolgschance, wenn sich im infizierten Gewebe gute Wirkspiegel aufbauen können, was mit gewissen Einschränkungen nur dort der Fall ist, wo ausreichend Durchblutung und Stoffwechselaktivität vorhanden sind.
Operative Therapie
Hiermit wird auch klar, weshalb Antibiotika allein z.B. bei infizierten Endoprothesen oder bei abgestorbenen und infizierten Knochen keine wirkungsvolle Behandlung sein können und operative Maßnahmen notwendig sind.
Nach wie vor gilt der historische Chirurgengrundsatz: „Ubi pus, ibi evacua“ (lat.: Wo Eiter vorhanden ist, muss dieser entleert werden).
Eine Ausnahme sind manchmal Spondylodiscitiden: Wenn durch eine Punktion der Erreger bestimmt werden kann und wenn noch keine wesentliche Destruktion der Wirbelkörper und keine Abszessbildung vorliegt, kann hier durchaus erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.
An operativen Maßnahmen stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen möchten.
Débridement und Lavage
Hierbei wird das septische Gewebe oder die infizierte Wunde eröffnet, genau untersucht, abgestorbenes Gewebe entfernt und die Wunde mit großen Mengen steriler Lösung gespült bis keine Keime mehr nachweisbar sind.
Bei Gelenkinfekten kann dies auch durch arthroskopisches Spülen erfolgen.
Einlage von Medikamententrägern
Oft in Kombination oder im Anschluss an eine Lavage: Es werden antibiotikahaltige Trägermaterialien in die Infektherde eingelegt, die über einen gewissen Zeitraum besonders hohe Antibiotikaspiegel vor Ort erzeugen.
Entfernung von Knochensequestern
Bei lang anhaltenden Infekten der Knochen oder bei Knocheninfekten nach schweren Knochenbrüchen kann es zum Abstreben von Knochenfragmenten kommen, die eine Infektion unterhalten und deshalb entfernt werden müssen.
Septischer Endoprothesenwechsel
Wenn Endoprothesen infiziert sind, müssen diese in aller Regel entfernt werden. In aller Regel schließt sich an die Entfernung der Endoprothese jedoch zunächst eine Periode der antibiotischen Behandlung an und erst nach sicherem Abklingen der Infektionszeichen erfolgt die Neuimplantation.
Plastisch-chirurgische Deckung
Vor allem nach großen Infekten und vielen Operationen kann es manchmal schwierig werden, die Wunden mit ausreichend Haut und Weichteilgewebe spannungsfrei und sicher zu verschließen.
Vor allem über Gelenken und bei liegenden Endoprothesen ist dies jedoch für einen Behandlungserfolg unabdingbar.
In diesen Fällen können spezielle weichteilverschiebende Deckungsverfahren oder Hauttransplantationen durchgeführt werden.