Spezielle Behandlungseinheit
Weshalb eine spezielle Behandlungseinheit?
Septische oder infektiöse Krankheitsbilder sind in der Orthopädie aus verschiedenen Gründen besonders anspruchsvoll in ihrer Behandlung und bedürfen deshalb auch einer speziellen Therapie in einer dafür eingerichteten Einheit und durch ein dafür qualifiziertes Team von Ärzten und Pflegekräften:
Bestimmte Körpergewebe (vor allem Knochen und Knorpel und damit auch die Gelenkbinnenräume) haben eine verhältnismäßig geringe Durchblutung und einen sehr langsamen Stoffwechsel, so dass die körpereigene Abwehr (weiße Blutkörperchen, etc.) relativ beschränkte Einsatzmöglichkeiten hat.
Setzen sich Infektionserreger (meist Bakterien, selten auch Pilze) in diesen Geweben fest, so hat der Körper oft Schwierigkeiten dieser Herr zu werden.
Besonders kompliziert ist die Situation bei implantierten Fremdkörpern, also z.B. Endoprothesen, die ja keinerlei Durchblutung erhalten.
Wenn sich an den Oberflächen solcher Implantate Keime festsetzen, so hat das körpereigene Immunsystem meist keine Chance, diese effektiv zu bekämpfen.
Das Eindringen von Erregern in Knochen, Gelenke oder Endoprothesen erfolgt entweder als Verschleppung mit dem Blutstrom von Infektionsquellen an anderen Körperstellen (z.B. eitrige Angina) oder im Rahmen eines Unfalls (z.B. offener Knochenbruch) oder einer Operation (z.B. Protheseneinbau) von außen.
Bei Streuung von Krankheitserregern mit dem Blutstrom, setzen sich diese nicht selten im Bandscheibengewebe und / oder im Markknochen von Wirbelkörpern fest und verursachen dort eine sogenannte bakterielle Spondylodiscitis.
Bei Gelenkinfekten ist die Eintrittspforte häufig auch eine simple Punktion unter nicht ausreichender Sterilität.
Besonders infektionsgefährdet sind Patienten, bei denen eine gestörte Durchblutung oder ein gestörtes Immunsystem bestehen, so z.B. Diabetiker, Tumorpatienten, Rheumapatienten, die Cortisontherapie benötigen und gefäßkranke Patienten.
Obwohl mit den heute üblichen Standards bei orthopädischen Operationen die Infektionsraten auf minimale Werte gesenkt werden konnte, so kommen operationsbedingte Infektionen leider dennoch vor.
Nicht nur während der eigentlichen Operation sondern auch in den ersten Tagen nach der Operation – bis zum wasserdichten Verheilen der Wunde – besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko falls die Wunde mit entsprechend aggressiven Keimen in Berührung kommt.
Aus diesem Grund ist es ein traditioneller Grundsatz in der orthopädischen Chirurgie, septische und nicht septische Patienten in komplett getrennten Einheiten zu behandeln.