Kurzschaft-Prothese
Die metaphysären Femurkopfprothesen standen am Beginn der Hüftendoprothetik. Die ersten Modelle von Wiles 1938 oder Judet 1947 zeigten eine hohe Rate an Frühlockerungen (durch starken Abrieb der verwendeten Acryl-Köpfe). Erst mit der Einführung der Druckscheibenprothese durch Huggler und Jacob 1978 kam es zu einer Verbesserung der Lockerungsraten. Häufige Probleme dieses Implantats waren chronische Schmerzzustände am Trochanter major an der fixierenden Lasche und ein varisches Abkippen des Implantats im Schenkelhals. Die Standzeiten herkömmlicher Hüftprothesen konnte mit diesem sehr verbreiteten Modell auch nicht erreicht werden. Weitere Entwicklungen wie die „Cigar“-Prothese von ESKA und die Zugankerprothese konnte ebenfalls nicht überzeugen.Als Grund dieser Ergebnisse wird aus biomechanischer Sicht vor allem die kurze Verankerungsstrecke am Schenkelhals angesehen. Um die Standzeiten zu verbessern, wird bei den sogenannten „Kurzschaftprothesen“ die Kraftübertragung in den Bereich des proximalen Femurschaft erweitert. Bei der Einbringung ist hierbei zu achten, dass der diaphysäre Anteil an der lateralen Kortikalis des Femurschaftes, knapp distal des Trochanter majors, abstützt.
Ein seit 20 Jahren etabliertes Modell dieser Prothesengruppe mit „meta-diaphysärer“ Verankerung ist die Mayo-Prothese. Die Langzeitergebnisse dieses Implantates konnten die Werte herkömmlicher Prothesenschäfte erreichen. Zu den neueren in Deutschland verwendeten Modellen zählen die ESKA-CUT Prothese und die METHA-Prothese.
Nachdem wir in den 90er Jahren einige Druckscheibenprothesen implantierten, haben wir mittlerweile auf die METHA-Prothese umgestellt. Dieses von der Firma Aesculap hergestellte Implantat besitzt den Vorteil unterschiedlich wählbarer Prothesenhälse (in 130°, 135° und 140°),welche über einen Konus mit dem Kurzschaft verbunden werden. Somit ist es möglich auch bei einer Coxa valga oder vara die Beinlänge und das Offset zu rekonstruieren. Durch diese Erweiterung wird in unserer Klinik neben den herkömmlichen zementierten und zementfreien Prothesenschäften und den Oberflächenersatzprothesen noch ein 4. Prothesentyp angeboten. Hierdurch ist es uns noch besser möglich auf die jeweiligen Begebenheiten und Wünsche der Patienten zu reagieren.
Die Indikation zur Implantation des METHA-Kurzschaftes besteht generell für Patienten unter 60 Jahren. Entscheiden hierbei ist das „biologische Alter“. Eine relative Kontraindikation besteht für Patienten mit Osteoporose, Adipositas permagna und strukturellen Veränderungen am Schenkelhals (z.B. Zysten oder Z.n. SH-Fraktur). Ein deutlicher Beinlängenausgleich kann mit einer Kurzschaftprothese ebenfalls nur bedingt vorgenommen werden. In der Nachbehandlung kann postoperativ eine direkte Mobilisation unter Teilbelastungerfolgen.