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Epilepsiechirurgie

Die neurochirurgische Behandlung von Epilepsien strebt durch Erreichen von Anfallsfreiheit oder Reduktion der Anfallshäufung eine Verbesserung der Lebensqualität und der psychosozialen Situation jener Kinder, Jugendlicher und Erwachsener an, die auf eine medikamentöse Therapie nur unzureichend ansprechen. Das primäre Ziel der epilepsiechirurgischen Behandlung ist, Anfallsfreiheit oder wenigstens eine deutliche Reduktion der Anfallsfrequenz zu erreichen, ohne neurologische oder neuropsychologische Defizite zu verursachen. Nicht zuletzt können im Kindesalter negative Auswirkungen wiederholter epileptischer Anfälle auf die weitere kognitive Entwicklung günstig beeinflusst werden.

In dem Bemühen um Patienten mit Epilepsien hat sich eine interdiszplinäre Gruppe am Klinikum Großhadern formiert.


Im Rahmen von interdisziplinären Besprechungen werden die Anfallssemiologie, die Ergebnisse des nichtinvasiven EEG-Monitoring, der kraniellen Bilddiagnostik (MR) und nuklearmedizinische Befunde besprochen und individuelle diagnostische und therapeutische Konzepte entworfen.

Die besten Ergebnisse hinsichtlich langfristiger Anfallsfreiheit werden bei Temporallappenepilepsien erzielt. Bei diesen Patienten wir eine vordere Temporallappenteilresektion durchgeführt und hier werden gut zwei Drittel der Patienten anfallsfrei. Etwa 25% zeigen eine deutliche Reduktion beeinträchtigender Anfälle und nur weniger als 10% zeigen keine Verbesserungen. Die Entfernung einer im kraniellen MRT sichtbare Dysplasie (sogenannte Läsionektomie) führt ebenfalls in der deutlichen Mehrzahl der Fälle zur Anfallsfreiheit bzw. Reduktion beeinträchtigender Anfälle.

In Fällen, wo die Lokalisation des Anfallsursprunges mit Oberflächen EEG-Elektroden nur unzureichend erreicht werden kann, können Elektroden direkt subdural implantiert werden und so zur weiteren Eingrenzung der Anfallsursprungszone beitragen.

Die zweite wichtige Funktion dieser invasiven subduralen Ableitung ist die Möglichkeit, über die Elektroden den Kortex elektrisch zu stimulieren. Damit kann funktionell intakter Kortex (der nicht resiziert werden darf) von nicht funktionellem Kortex differenziert werden. Die kortikale Elektrostimulation kann auch intraoperativ zum Beispiel zur Lokalisation von spracheloquentem Kortex am wachen und ausreichend analgesierten Patienten durchgeführt werden.

Bei Patienten, die nicht für eine resektive epilepsiechirurgische Behandlung in Frage kommen hat sich die elektrische Stimulation des Nervus vagus (Vagusnervstimulation) als eine neue Technik zur Anfallsreduktion bewährt. Kontrollierte Studien zeigen eine Anfallsreduktion um 50 % bei ca. einem Drittel bis der Hälfte der Patienten erzielt, wobei auch nach mehreren Monaten bis zu einem Jahr noch Besserungen zu verzeichnen sind. Das Verfahren sollte spezialisierten, epilepsiechirurgisch tätigen Zentren vorbehalten bleiben. Komplikationen wie Heiserkeit, lokale Parästhesien, Dyspnoe und Husten während der intermittierenden Stimulationsphase sind milde und zumeist durch Reduktion der Stimulationsstärke zu beheben.

  Verantwortlich für den Inhalt: A. Peraud

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