KMT

Was sollte ich wissen

Bei der allogenen hämatopoetische Blutstammzelltransplantation (HSZT) werden Blutstammzellen von einem verwandten oder unverwandten Spender auf einen genetisch differenten Empfänger übertragen mit den Zielen:

  • Die Grunderkrankung mittels intensiver Chemo-/Strahlentherapie und/oder immunsuppressiver Therapie (Konditionierungstherapie) zu behandeln und den Graft-versus-Leukämie/Lymphom Effekt (GvL) zu induzieren, um eine längerfristige Kontrolle der Grunderkrankung zu ermöglichen.

  • Eine normale Blutbildung durch die Blutstammzellen des Spenders wiederherzustellen (Engraftment mit gesunder Blutbildung).

  • Eine Toleranzinduktion ohne Abstoßungsreaktion und andere „alloreaktive“ Phänomen wie die einer „Graft-versus-Host disease“ (GvHD) zu erreichen.

 

Wer sollte eine allogene Blutstammzelltransplantation erhalten?

Die allogene Blutstammzelltransplantation stellt für Patienten mit bösartigen und nicht-bösartigen hämatologischen oder Immundefekt-Erkrankungen die einzige Chance auf Heilung dar. Betroffen sind vor allem Patienten mit Hochrisikoprofil, Rezidiv oder Fortbestehen der Erkrankung trotz adäquater Therapie (refraktäre Erkrankung).

 

Bösartige Erkrankung* Nicht-bösartige Erkrankung
Erworben Angeboren
Akute myeloische Leukämie Aplastische Anämie Speicherkrankheiten
Akute lymphatische Leukämie Myeloproliferative Neoplasie Lysosomale Erkrankungen
Myelodysplastisches Syndrom Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie Thalassämie
Chronisch myeloische Leukämie Sichelzellanämie
Hodgkin Lymphom Aplastische Syndrome
wie Fanconi Anämie
Non-Hodgkin Lymphom
Multiples Myelom

Tabelle: Übersicht der Erkrankungen bei denen die allogene HSZT eine anerkannte therapeutische Maßnahme darstellt.

* Vor allem bei Hochrisikozytogenetik, Rezidiv oder Erkrankungspersistenz nach Therapie

 

Wer kann mein Spender sein?

Grundsätzlich kann jeder ab einem Alter von 18 Jahren in einer Spenderkartei registriert werden, vorausgesetzt er/sie ist gesund und wiegt > 50 kg (Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern). Die letztliche Entscheidung, wer spenden darf, obliegt dem Spender- sowie dem Transplantationszentrum. Die Grundvoraussetzung für die allogene HSZT ist, dass zwischen Patienten und Empfänger eine immunologische Verträglichkeit besteht. Diese wird in erster Linie über die sogenannte „Histokompatibilität“ (=Verträglichkeit der Gewebemerkmale) bestimmt.

Zur Beurteilung der Histokompatibilität wird eine HLA-Typisierung durch eine Blutentnahme und/oder Mundschleimhautabstrich durchgeführt. Typisiert werden die HLA Loci A, B, C, DRB1 und DQB1 bei Spender und Empfänger. Die Übereinstimmung in allen Merkmalen spricht man bei Geschwisterspendern von HLA-identisch und bei Fremdspender von 100% HLA-kompatibel.

Nur bei ca. 20-30% der Patienten kann ein HLA-identisches Geschwister identifiziert werden und nur bei ca. 40-50% der Patienten findet sich ein 100% passender unverwandter, also fremder Blutstammzellspender. Findet sich kein 100% HLA-identischer oder -kompatibler Blutstammzellspender kann auf alternative Spender zurückgegriffen werden. Das sind Familienangehörige, meist Eltern oder Kinder, welche sich nur 50% des Erbguts bezüglich der Histokompatibilität teilen, also HLA-haploidentisch sind. Eine weitere alternative Stammzellquelle sind Blutstammzellen aus Nabelschnurblut (sogenannte „Cord Blood Transplantation“), die aktuell nur noch sehr selten durchgeführt wird.

 

 Bild: Blutstammzellspender-Empfänger

Abb.1: Spender und Empfänger=Patient

 

Was erwartet mich

Nach Identifikation eines Blutstammzellspenders und Voruntersuchungen des Patienten und des Blutstammzellspenders kann die allogene Blutstammzelltransplantation geplant werden. Die Vorbereitung hierfür erfolgt ambulant und wird über die KMT Ambulanz/Koordination organisiert.

Zum Ablauf auf Station:

  1. Konditionierungstherapie (Dauer ca. 1-2 Wochen, variiert je nach Protokoll) bestehend aus Chemotherapie +/- Bestrahlung und immunsuppressiver Therapie

  2. Transplantation = Übertragung der Blutstammzellen über einen zentralen Venenkatheter (Tag 0)

  3. Anwachsen der transplantierten Blutstammzellen mit Regeneration des Blutbilds (ca. Tag 10-28 nach HSZT); Prophylaxe und Behandlung der GvHD Erkrankung

  4. Fortführung der medikamentöse Immunsuppression (Dauer ca. 3-6 Monate nach HSZT je nach Transplantationsprotokoll und Komplikationsprofil), Infektions- und GvHD- Prophylaxe und Behandlung, Remissionskontrollen.

 Eine weitere Fortführung der Behandlung inklusive der Nachsorge erfolgt über die KMT Ambulanz.

 Bild: Ablauf einer allogenen Blutstammzelltransplantation

Abb.2: Ablauf einer allogenen Blutstammzelltransplantation

 

Wodurch zeichnen wir uns aus

Seit 1979 werden in unserer Einheit für Hämatopoetischen Zelltransplantation (HZT-KUM) allogene Blutstammzelltransplantationen durchgeführt. Damit sind wir das älteste Zentrum für die Transplantation von erwachsenen Patienten in ganz Deutschland. Jährlich werden hier durchschnittlich 70 Transplantationen durchgeführt.

Unsere Patienten werden in einer spezialisierten Isolierstation mir Luft- und Wasserfiltration sowie 24 Stunden Arzt- und Pflegebetreuung rund um die Uhr behandelt (Klinik KMT).

  • Unsere Schwerpunkte liegen hierbei bei der HLA-haploidentischen Transplantationsform, welche für die Patienten in Frage kommt, die keinen 100% passenden Blutstammzellspender zur Verfügung haben oder aufgrund ihrer rasch progredienten oder refraktären Erkrankung eine zeitnahe Transplantation benötigen. In dieser speziellen klinischen Situation bieten wir eine gut verträgliche HLA-haploidentische Familienspendertransplantation mit dem Einsatz von Posttransplantations-Cyclophosphamid an. Seit dem Jahr 2009 führen wir diese sehr erfolgreich - über alle Krankheitsentitäten hinweg - auch bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen durch. Dadurch können wir mehr als 90% unserer Patienten eine Heilungschance anbieten.

  • Zu unserer Expertise gehört auch die Transplantation von Patienten mit Hochrisikoerkrankungen, das sind Patienten, welche zum Zeitpunkt der Transplantation noch keine Remission erreicht haben oder auf eine konventionelle Therapie nicht angesprochen haben. Hierfür wurde an unserem Zentrum das sog. Sequentielle Therapiekonzept im Jahre 2005 entwickelt, welches wir seitdem erfolgreich auch in der HLA-haploidentischen Situation anwenden und mittlerweile auch weltweit eine etablierte Therapiealternative darstellt.

  • Durch die Optimierung von Konditionierungsprotokollen und die Möglichkeit von erstklassiger supportiver Therapie, können wir die allogene HSZT nun auch älteren Patienten mit Vorerkrankungen erfolgreich anbieten.

  • Seit Jahren sind wir im interdisziplinären Austausch an der Entwicklung von virusspezifischen Therapien beteiligt, welche wir erfolgreich zum Einsatz bringen können.

  • Unsere Einheit der Hämatopoetischen Zelltransplantation umfasst seit Jahrzehnten auch die Extracorporale Photophorese, eine angesehene Therapieform in der Behandlung der GvHD.

 

Wir forschen

Übergeordnetes Ziel – sowohl unserer klinischen als auch wissenschaftlichen Arbeiten – ist und bleibt es, Patienten wirksamer und besser verträglich zu behandeln. Daher nehmen wir aktiv an nationalen und internationalen Studien zur allogenen HSZT teil (Übersicht (Auswahl) der aktuell an unserem Zentrum aktiven klinischen Studien) und verfolgen innovative Konzepte an unserem Zentrum.

 

Wir kümmern uns um Sie

Einblick in die verschiedenen Bereiche unserer Transplantationseinheit und unser spezialisiertes Team

Weitere Fragen beantworten wir Ihnen gerne. Wir sind für Sie da und freuen uns, mit Ihnen in Kontakt zu treten.

 

Kontakt

Bild: PD Dr. med. Johanna Tischer

PD Dr. med. Johanna Tischer

Leiterin Hämatopoetische Zelltransplantation

Medizinische Klinik und Poliklinik III

LMU Klinikum
Medizinische Klinik, Interdisziplinäre Onkologische Tagesklinik
Marchioninistraße 15, 81377 München

Terminvereinbarung

KMT-Sekretariat und -Ambulanz

Bild: Telefon 089 4400-74241

Fax 089 4400-74242