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Forschung

Die heutigen medizinischen Möglichkeiten basieren auf Ergebnissen der biomedizinischen Forschung. Trotz aller Fortschritte sind viele medizinische Probleme noch ungelöst und erfordern auch weiterhin intensive wissenschaftliche Anstrengungen. Hierbei unterscheidet man klinische Forschung, krankheitsorientierte Forschung und Grundlagenforschung.

Klinische Forschung oder patientenorientierte Forschung

Der Arzt führt in direktem Kontakt mit dem Patienten wissenschaftliche Untersuchungen zu einer medizinischen Fragestellung durch. Voraussetzung hierfür ist eine ausführliche Beratung des Patienten hinsichtlich Zweck der Untersuchung, Vor- und Nachteilen für den Patienten, Darlegung des zu erwartenden Informationsgewinns, Aufklärung über eventuelle Nebenwirkungen bei Medikamentenprüfungen und das Vorliegen einer eingehenden Prüfung und Befürwortung der Untersuchung durch die zuständige Ethikkommission.

Durch die Teilnahme an Therapiestudien kann für Patienten die Möglichkeit bestehen, neue und noch nicht allgemein verfügbare Medikamente für bestimmte Erkrankungen zu erhalten. Häufig dienen diese Untersuchungen auch der Klärung der Frage, welche Therapie für eine bestimmte Situation als die beste anzusehen ist.

Eine besondere Form der patientenorientierten Forschung ist der Versuch der wissenschaftlichen Klärung von Fragen oder Problemen, die sich im täglichen Umgang des Arztes mit den Patienten und deren Erkrankungen ergeben. Diese patientenorientierte Forschung hat zahlreiche medizinische Fortschritte hervorgebracht: Bekannte Beispiele sind etwa die Beobachtung des durch Kuhpocken vermittelten Impfschutzes vor Pocken (Edward Jenner, Pockenimpfung) vor mehr als 200 Jahren, der Nachweis der Kontaktinfektion als Ursache des Kindbettfiebers (Ignaz P. Semmelweis) bis hin zum Nachweis der Helicobacter pylori-Infektion als Ursache von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren in jüngster Vergangenheit (Barry Marshall).

Krankheitsorientierte Forschung

Die wissenschaftliche Tätigkeit konzentriert sich auf die Erforschung bestimmter Krankheitsbilder, um über ein besseres Verständnis der pathophysiologischen Zusammenhänge zu neuen Behandlungsmöglichkeiten zu kommen. Häufig werden hierbei Blut oder Gewebeproben von Patienten, die bestimmte Erkrankungen haben, verwendet. Alternativ kommen Tiermodelle, die bestimmte Krankheitssituationen nachzeichnen, zum Einsatz. Methodisch ist die Abgrenzung zu den Grundlagenwissenschaften fließend.

Historische Beispiele krankheitsorientierter Forschung sind etwa die Entdeckung der Blutgruppen ausgehend von der Beobachtung der Transfusionsreaktion (Karl Landsteiner) oder die Entdeckung des LDL-Rezeptors anhand von Fibroblastenkulturen von Normalpersonen und Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie (Michael S. Brown und Joseph L. Goldstein).

Der Großteil der an der Medizinischen Klinik II durchgeführten wissenschaftlichen Studien fällt in die Gruppe der krankheitsorientierten Forschung. Besonderen Stellenwert haben hierbei die Pathogenese der Pankreatitis, die Pathogenese, Frühdiagnostik und Behandlung des Kolon- und Prostatakarzinoms, die Behandlung chronischer Lebererkrankungen und der Viruserkrankungen der Leber sowie die Pathophysiologie cholestatischer Lebererkrankungen.

Grundlagenforschung

Die Grundlagenforschung zielt auf die Erforschung fundamentaler Eigenschaften biologischer Systeme ohne primären Bezug zu bestimmten Krankheiten ab. Obwohl es sich bei einigen Nobelpreisträgern wie Arthur Kornberg (DNA Polymerase), Francois Jacob (lac Operon) oder Daniel Nathans (Genkartierung mit Restriktionsenzymen) um Mediziner handelt, die sich im Verlauf ihrer Forschungstätigkeit der reinen Grundlagenwissenschaft zugewandt haben, ist diese Entwicklung für einen wissenschaftlich tätigen Mediziner ungewöhnlich.

Grundlagenwissenschaftliche Projekte an der Medizinischen Klinik II sind die Untersuchung von intrazellulärer Signalkaskaden (Jak-STAT, SOCS Proteine, MAPK) an corticotrophen und adrenocorticalen Zellen. Im übrigen bestehen Kooperationen mit grundlagenwissenschaftlichen Arbeitsgruppen.