Medizinische Klinik und Poliklinik I » Leistungsspektrum » Schrittmacher/Defibrillatoren

Schrittmacher / Defibrillatoren

Das Klinikum der Universität München blickt auf eine Jahrzehnte lange Tradition und Erfahrung der Implantation von Schrittmachersystemen zurück. Jährlich werden mehr als 600 Herzschrittmacher und Defibrillatoroperationen vorgenommen. Insgesamt wurden am Klinikum der Universität München in den vergangenen Jahren mehr als 6000 Patienten mit derartigen Systemen versorgt.

 

Die Systeme werden in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Kardiologen, Herzchirurgen und Kinderkardiologen nach nationalen und internationalen Leitlinien implantiert und nachgesorgt.

 

Anfragen und Terminvereinbarungen für Herzschrittmacher/Defibrillatoroperationen an beiden Standorten können über die Herzschrittmacherambulanzen erfolgen.

Großhadern: 089 4400-73097 oder -73052

Innenstadt:   089 4400-52231 oder -52305

Unser Spektrum der interdisziplinären Rhythmuschirurgie umfasst: 

  • Implantation von Schrittmachersystemen (bei Kindern und Erwachsenen)
  • Implantation CRT-/ biventrikulärer Systeme (Cardiale Resynchronisations-Therapie)
  • Implantation von ICD-Systemen (Implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren)
  • Implantation von Event Recordern
  • Explantation von langjährig implantierten Schrittmacher- und Defibrillatorsystemen bei komplizierten Verläufen oder Infektionen

 

Herzschrittmacher

 

Herzschrittmacher

Ein Herzschrittmacher ist ein kleines batteriebetriebenes Gerät, das in den Brustraum implantiert wird. Sehr viele Menschen tragen Herzschrittmacher. Mehr als drei Millionen dieser Systeme sind weltweit in Funktion und mehr als 600.000 Systeme werden jährlich neu implantiert.

Zahlreiche Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), die einen zu langsamen Herzschlag verursachen (Bradykardie), führen zur Implantation eines permanenten Herzschrittmacher-Systems. Während des normalen Alterungsprozesses kann sich das natürliche Reizleitungssystem des Herzens derart verändern, dass der Herzschlag zu langsam und/oder unregelmäßig wird. Veränderungen des Herzens nach einem Herzinfarkt können Unregelmäßigkeit des Herzschlages bewirken. Zahlreiche Medikamente beeinflussen den Herzrhythmus. Einige Patienten leiden auch an genetisch bedingten Erkrankungen des Herzens, die zu entsprechenden Arrhythmien führen.

Unabhängig von den zugrunde liegenden Ursachen des zu langsamen Herzschlages kann ein Herzschrittmacher – ein kleines batteriebetriebenes Gerät, das in den Brustraum implantiert wird – die Bradykardien korrigieren. Durch die Wiederherstellung eines „normalen“ Herzschlages können Symptome wie Müdigkeit, Schwindel und Kollapsneigung gemindert oder ganz aufgehoben werden. Da die modernen Herzschrittmacher so entwickelt wurden, dass sie die jeweilige physische Aktivität erkennen und dann den Herzschlag entsprechend anpassen, können sie ein körperlich aktives Leben ermöglichen.

 

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Herzschrittmacher

 

Ein Herzschrittmacher besteht aus einem Impulsgeber (batteriebetriebenes Gerät) und einer Sonde (Elektrode), die den Impulsgeber mit der rechten Vorkammer (Atrium) und/oder der Hauptkammer (Ventrikel) verbindet. Die Sonde leitet elektrische Signale zum Herzen hin und herzeigene Signale zum Impulsgeber zurück. Dadurch erfolgt eine automatische Steuerung der Leistung.

Nach der Implantation eines Schrittmachers kann das System über ein externes Programmiergerät für jeden Patienten spezifisch programmiert, angepasst und kontrolliert werden.

Es gibt Einkammer-, Zweikammer- und Dreikammer-Schrittmacher. Die unterschiedlichen Systeme werden nach der zugrunde liegenden Herzerkrankung ausgewählt.

 

Einkammer-Schrittmacher_1 Zweikammer-Schrittmacher
Einkammer-Schrittmacher Zweikammer-Schrittmacher

 

Cardiale Resynchronisationstherapie - CRT

Einige Menschen leiden an einer ausgeprägten Herzinsuffizienz, die auch das Reizleitungssystem bzw. die Erregungsausbreitung und Rückbildung in Mitleidenschaft zieht. Diese äußert sich in einem schlechten oder unausgeglichenen Zusammenspiel der beiden Herzkammern (ventrikuläre Dyssynchronie), was zu pathologischen Kammerfüllungen und Wandbewegungsstörungen führt.

Durch eine gezielte Stimulation beider Herzkammern (biventrikuläre Stimulation) soll das unkoordinierte Zusammenspiel der beiden Herzkammern wieder synchronisiert werden (Cardiale Resynchronisation).

 

CRT_1

Röntgenbild ICD

 

Implantierbarer-Cardioverter-Defibrillator – ICD

Grafik ICD

 

Neben langsamen (bradykarden) Herzrhythmusstörungen gibt es auch schnelle (tachykarde) Formen, die unbehandelt erhebliche Auswirkungen auf den Kreislauf haben, zur Bewusstlosigkeit und zum Teil unmittelbar zum Tod führen.

Seit den 80iger Jahren werden Elektroschock-Geräte in den Brustraum implantiert, die diese Rhythmusstörungen erkennen und durch elektrische Therapie behandeln können, um so schnellstmöglich wieder einen normalen Herzschlag herzustellen. In die modernen ICD-Geräte ist ein Schrittmacher integriert, der bei Bedarf aktiviert werden kann.

 

Subkutaner ICD (S-ICD)

ICD klein

S-ICD® Cameron Health

Das minimal-invasive S-ICD-System kann bei speziellen Krankheitsbildern eingesetzt werden, bei denen es zu gefährlichen, schnellen Herzrhythmusstörungen kommen kann. Das System ist weltweit das erste und einzige, welches vollständig subkutan (im Fettgewebe) positioniert wird. Es gibt keine Leitungen (Elektroden) im oder am Herzen. Das System wird strikt nach anatomischen Orientierungshilfen platziert und benötigt dafür keine Bildgebungsgeräte (Röntgen). Die Schock-elektrode wird bei dem neuen System parallel zum Brustbein eingebracht und das Aggregat an der linken Brustkorbwand unter die Haut gesetzt. Der Eingriff ist mit einem niedrigen Risiko behaftet. Wie auch bei den herkömmlichen ICD-Systemen wird über die Elektrode der Herzrhythmus abgelesen und bei lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen ein Elektroschock abgegeben. Allerdings kann der S-ICD nur für kurze Zeit nach einem Schock elektrische Impulse wie ein Herzschrittmacher abgeben, so dass er bei Patienten mit einem zu langsamen Puls nicht eingesetzt werden kann.

Der Vorteil einer Sonde, die nicht mehr ins Herz eingebracht werden muss, sind vor allem eine deutlich geringere Irritation des Herzens, ein geringeres Infektionsrisiko und weniger mechanische Beanspruchung der Sonde, was im schlimmsten Fall zu einem Sondenbruch und damit zur Fehlfunktion des ICDs führen kann. Professor Dr. Hagl sieht in diesem System einen guten Schritt in die Zukunft. Aber dieses System ist nicht bei jedem Patienten einsetzbar. Es kommen nur spezielle Krankheitsbilder in Betracht, z.B. Kardiomyopathien, die nicht auf dem Boden einer koronaren Herzerkrankung entstanden sind und die keiner zusätzlichen Schrittmacherstimulation bedürfen.

 

Event Recorder

Bei einigen Menschen treten Herzrhythmusstörungen nur sehr selten auf, so dass sie über ein normales Langzeit-EKG nicht aufgezeichnet und beurteilt werden können.

 

Gerät zum Aufzeichnen der HerzaktionenRötngenbild Gerät zum Aufzeichnen der Herzaktionen

Für solche Situationen wurde ein kleines Gerät entwickelt, das in Position des Herzens unter die Haut implantiert wird und bis zu zwei Jahre Aufzeichnungen der Herzaktionen durchführen kann. Somit können auch seltene Rhythmusereignisse erfasst werden. Elektrische Impulse kann dieses Gerät nicht abgeben.

 

Wie wird ein Herzschrittmacher bzw. Defibrillator eingesetzt?

Behandlung1 
Behandlung2

Der Eingriff wird in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert ca. eine Stunde. Zunächst wird eine Oberarmvene oder die Vene unterhalb des Schlüsselbeins durch einen kleinen Hautschnitt freigelegt oder durch eine Hohlnadel punktiert. Über diesen venösen Weg führt der Arzt eine flexible, isolierte Elektrode ein, schiebt sie unter Röntgenkontrolle bis in die Herzkammer vor und fixiert sie in entsprechender Position. In vielen Fällen wird für eine koordinierte Herzaktion eine weitere Elektrode in der rechten Vorkammer platziert. Entsprechend werden die Systeme Ein- oder Zweikammer-Systeme genannt. Das andere Ende der Elektrode wird an ein Analysegerät angeschlossen, um einzelne Parameter der Elektrodenposition zu messen. Anschließend werden die Elektroden fixiert und an das Schrittmachergerät angeschlossen. Unterhalb des Schlüsselbeines wird im Fettgewebe eine Tasche gebildet, in die das Gerät eingegeben und fixiert wird.

Im Gegensatz zum Herzschrittmacher wird die Tasche für den Defibrillator hinter dem Brustmuskel angelegt. Bei der Implantation eines Defibrillators werden absichtlich Rhythmusstörungen ausgelöst, um die Funktion des Systems zu überprüfen. Hierfür ist eine kurze Narkose erforderlich. Falls notwendig, werden weitere Elektroden ergänzt.

Die Wunde wird mit selbst auflösenden Nähten, die unter der Haut sitzen, verschlossen. Ein Druckverband wird angelegt, um eine Nachblutung zu vermeiden. Vor der Entlassung aus der Klinik wird das Gerätesystem nochmals überprüft und nach den jeweiligen Bedürfnissen programmiert.

Bei der Implantation eines Dreikammer-Schrittmachersystems wird eine dritte Elektrode über eine Herzvene auf der linken Seite des Herzen platziert.

 

Wie muss ich mich auf eine Herzschrittmacher- bzw. Defibrillatorimplantation vorbereiten und was ist danach zu beachten?

 

  • Vor dem Eingriff und nach Abschluss der notwendigen vorbereitenden Untersuchungen (EKG, Laboruntersuchungen, Röntgen-Aufnahmen etc.) darf der Patient ab Mitternacht nichts mehr essen.

 

  • Ab vier Stunden vor der Operation sollte auch nichts mehr getrunken werden. Notwendige Medikamente müssen eingenommen werden. Die übrigen Informationen erhalten Sie vom Pflegepersonal und von Ihrem behandelnden Arzt am Tag vor dem Eingriff.

 

  • Der Patient oder ein gesetzlich bestimmter Vertreter muss am Vortag schriftlich in die Implantation einwilligen.

 

  • Nach dem Eingriff kann gleich wieder gegessen und getrunken werden, außer es wurden während der Operation Beruhigungsmittel verabreicht.

 

  • Die Fäden müssen nicht gezogen werden, denn sie liegen komplett unter der Haut und sind selbst auflösend. Sollten andere Wundverschlüsse verwendet worden sein, sollten Fäden bzw. Pflasterstreifen im Wundbereich nach 10 Tagen von Ihrem Hausarzt entfernt werden, der auch die Wundheilung in regelmäßigen Abständen überwachen sollte. Bei Wundheilungsstörungen sollte eine umgehende Vorstellung in der Herzchirurgischen Schrittmacher-Ambulanz erfolgen.

 

  • Da die im Herz implantierten Schrittmachersonden erst fest einwachsen müssen (dies ist spätestens nach 8-12 Wochen der Fall), sollten in dieser Zeit keine Tätigkeiten ausgeübt werden, die mit einer starken mechanischen Beanspruchung (insbes. Zugwirkung) der Sonden verbunden sind (z.B. Heben schwerer Gegenstände). Alle Tätigkeiten des Alltags sind für die Patienten jedoch in aller Regel problemlos möglich. Direkt nach der Operation ist eine Bettruhe von ca. 24 Stunden einzuhalten.

 

  • Nach der OP wird für 24 Stunden ein Druckverband angelegt, um der Ausbildung eines Blutergusses vorzubeugen.

 

  • Um Wundinfektionen zu vermeiden, sollte nach der OP für 10 Tage kein Wasser an die Wunde gelangen. Sollte das Wundpflaster feucht werden, muss dieses gewechselt werden.

 

  • Das Herzschrittmachersystem wird unmittelbar nach der Operation und dann erstmals wieder nach 1 bzw. 3 Monaten überprüft. Bei vorzeitigen Beschwerden sollte eine umgehende Vorstellung erfolgen.

 

  • Die weiteren Kontrollabstände richten sich nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten (in der Regel jedoch ca. alle 6 - 12 Monate).

 

  • Nach der Schrittmacherimplantation wird ein Schrittmacherausweis ausgehändigt. Diesen sollte der Patient immer bei sich tragen.

 

 
 

Campus Großhadern

24h-Notfallnummer
+49 89 4400-75227

Stationäre Aufnahme\
Patientenmanagement

Normalstationen
+49 89 4400-73061

Privatstationen
+49 89 4400-72368


Kardiologische Ambulanz
+49 89 4400-73061

Kardiologische Intensivstation
+49 89 4400-75226

Chest Pain Unit
+49 89 4400-72302

Rhythmologische Hotline
+49 89 4400-73102

Zentrale Notaufnahme
+49 89 4400-73490

Campus Innenstadt

24h-Notfallnummer
+49 89 4400-55001

Stationäre Aufnahme\
Patientenmanagement

Kardiologische Station M2a\
Herzkatheter
+49 89 4400-52316


Kardiologische Ambulanz
+49 89 4400-52305
+49 89 4400-52385

Herzinfarkt_Netzwerk