Lungenstereotaxie (Radiochirurgie) von Tumoren oder Metastasen der Lunge

Tumoren oder Metastasen der Lunge

Mit dem Begriff „Lungenstereotaxie“ wird ein strahlentherapeutisches Hochpräzisionsverfahren bezeichnet, mit dem kleine Tumoren der Lunge ohne Operation oder andere invasive Maßnahmen behandelt werden können. Das Verfahren kann ebenfalls für Lungenmetastasen angewendet werden. Eine besondere Bedeutung hat das Verfahren für Patienten, bei denen aus verschiedenen Gründen (Alter, Nebenerkrankungen) der Tumor nicht operativ entfernt werden kann.

Aktuelle wissenschaftliche Studien weisen nach, dass mit der „Lungenstereotaxie“ hohe lokale Heilungsraten erzielt werden können (90 % lokale Tumorkontrolle). Allerdings macht der Einsatz des Verfahrens nur Sinn bei Tumoren des Stadium I und des Stadium II (kleine und begrenzte Tumoren der Lunge). Des Weiteren muss sichergestellt sein, dass keine Absiedlungen in Lymphknoten oder anderen Organen vorliegen. In der Regel wird die Strahlendosis in wenigen Sitzungen (Fraktionen) eingestrahlt. Eine Therapie in einer Sitzung ist nur in Einzelfällen möglich, da hier zum Teil relevante Nebenwirkungen auftreten können. Bei der Verteilung der Gesamtdosis auf drei bis acht Sitzungen sind Nebenwirkungen sehr selten und nur milde ausgeprägt. 

Die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität München verwendet einen Linearbeschleuniger modernster Bauart für die Durchführung dieser Therapie. Da diese Geräte über ein sogenanntes „Cone-Beam CT“ verfügen, kann die Lage des Tumors vor jeder Bestrahlung perfekt kontrolliert werden. Mit wenigen Handgriffen kann nach Kontrolle der Tumorlage eine Anpassung erfolgen. Somit wird der Tumor hochpräzise erfasst, ohne dass Marker in den Tumor eingebracht werden müssen. Für den Patienten ist dies eine erhebliche Erleichterung. Die Indikationsstellung, Kontrolle und Nachsorge von Patienten mit erfolgter „Lungenstereotaxie“ erfolgt im Zusammenwirken der Experten des Lungentumorzentrums München.

Abbildung 1:
Tumor sichtbar in der Computertomographie (links) und im PET-CT (rechts)

CT PETCT

Abbildung 2:
Lagerungskontrolle mittels Computertomographie direkt am Beschleuniger. Der Pfeil zeigt auf die Abweichung der Rippen vor Anpassung (links) und nach Anpassung (rechts). Man erkennt, dass nach Lageanpassung der Patient optimal positioniert ist und somit der Tumor präzise getroffen werden kann.

Cone-Beam CT 

Abbildung 3:
Frühe Kontrolle nach Therapie: Man erkennt ein völliges Verschwinden des Tumors (links). Im CT-Lungenfenster (rechts) ist eine typische Restnarbe erkennbar. 

Follow up 

Abbildung 4:
Zusammenstellung der wissenschaftlichen Daten (nach Guckenberger). Im roten Kasten erkennt man die Raten der Tumorkontrolle, die zwischen 75-98% liegen. Die Unterschiede werden im Regelfall durch Unterschiede der Tumorgrößen in den einzelnen Studien erklärt.     

Stereotaxie Lunge