Stereotaktische Hochpräzisionsbestrahlung von Hirntumoren/-metastasen

Vorteile der stereotaktischen Bestrahlung:

Bei der stereotaktischen Bestrahlung handelt es sich um ein Verfahren, das eine hochpräzise, millimetergenaue Bestrahlung von Tumoren insbesondere im Gehirn ermöglicht. Aufgrund der hohen Präzision der Strahlenapplikation ist es möglich, das um den Tumor liegende gesunde Gewebe weitgehend zu schonen, wodurch sich die gute Verträglichkeit dieser Methode erklären lässt. In vielen Fällen - so zum Beispiel bei kleinen Tumoren bis zu 2-3 cm - kann die Strahlung in einer einmaligen Sitzung appliziert werden. Durch diese Form der Strahlentherapie kann eine Operation teilweise ersetzt werden. Die Verträglichkeit ist dabei sehr gut, bis auf leichte Nebenwirkungen sind in der Regel keine Begleiterscheinungen zu erwarten. Die Effektivität der Behandlung ist ebenfalls sehr gut.   

Welche Tumore können im Gehirn stereotaktisch bestrahlt werden?

Voraussetzung für die stereotaktische Bestrahlung ist eine klare Abgrenzbarkeit des Tumors gegenüber dem gesunden Gewebe in den vor der Behandlung angefertigten diagnostischen Bildern (CT, MRT und bei Bedarf PET). Dies ist insbesondere bei Hirnmetastasen der Fall, die sich bei bis zu drei kleinen Herden gut stereotaktisch bestrahlen lassen. Andere Tumore, insbesondere die malignen Gliome, eignen sich nicht für die stereotaktische Bestrahlung, da aufgrund des infiltrierenden Wachstums eine klare Grenze zwischen Tumor und dem gesunden Gewebe nicht existiert. Auch einige gutartige Prozesse wie die "Arterio-Venösen-Malformationen" oder Akustikusneurinome lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen stereotaktisch bestrahlen. 

Formen der stereotaktischen Bestrahlung:

Prinzipiell lässt sich zwischen der stereotaktischen Einzeitbestrahlung, die auch als "Radiochirurgie" oder "Stereotactic Radio-Surgery (SRS)" bezeichnet wird, und der stereotaktischen Radiotherapie (SRT) unterscheiden. Bei der Radiochirurgie wird eine einmalige Bestrahlung durchgeführt, wohingegen bei der stereotaktischen Radiotherapie die Gesamtdosis auf mehrere Fraktionen aufgeteilt wird. Dies ist insbesondere dann vorteilhaft, wenn sensible Strukturen wie die Sehnerven, die Sehnervenkreuzung oder der Hirnstamm in der unmittelbaren Nachbarschaft des Tumors liegen.

Voraussetzungen zur Durchführung der stereotaktischen Bestrahlung:

Die stereotaktische Bestrahlung von Hirntumoren erfolgt in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle mit hochenergetischen Photonen. Hierzu wurde vor vielen Jahrzehnten das sogenannte "Gamma-knife" entwickelt, das heutzutage noch eine gewisse historische Bedeutung besitzt, aber durch moderne Linearbeschleuniger weitgehend abgelöst wurde. Die aktuell verfügbare Gerätegeneration der Linearbeschleuniger verfügt über sehr feine Multi-Leaf-Kollimatoren, die eine präzise Anpassung des Bestrahlungsfeldes an die Kontur auch kleiner, komplex geformter  Zielvolumen ermöglicht. Zudem sind Cone-Beam-CT's des Patienten in Bestrahlungsposition verfügbar, die eine exakte dreidimensionale Lagekontrolle des Patienten vor Applikation der Strahlen ermöglichen. Andere Entwicklungen wie das "Cyber-knife"  bestrahlen ebenfalls mit hochenergetischen Photonen, die mit einem einfachen Linearbeschleuniger erzeugt werden, der auf einem Industrieroboter montiert ist. Es handelt sich daher beim Cyber-Knife um eine andere technische Umsetzung des gleichen Bestrahlungskonzepts, das gegenüber modernen Linearbeschleunigern keine strahlenbiologischen Vorteile bietet.

Eine unabdingbare Voraussetzung für die Durchführung der stereotaktischen Bestrahlung ist eine exakte Lagerung des Patienten während der Bestrahlung, die pro Herd bis zu 30 Minuten dauern kann. Hierzu verwenden wir in unserer Klinik spezielle Ringsysteme für die Einzeit- und fraktionierte Applikation oder Maskensysteme in Kombination mit einem Cone-Beam-CT zur Lagekontrolle.

Die Indikationsstellung erfolgt in enger Abstimmung mit den Kollegen der Neuroradiologie und ggf. der Neurochirurgie.

Durchführung der Bestrahlung:

Hirnstereotaxie

Die stereotaktische Bestrahlung kann in der Mehrzahl der Fälle ambulant durchgeführt werden. Zur Vorbereitung werden eine hochauflösende MRT-Untersuchung des Schädels sowie eine Computertomographie in Bestrahlungsposition durchgeführt. Die Bestrahlungsplanung erfolgt je nach Ausgangssituation dreidimensional geplant, ggf. als intensitätsmodulierte Planung mittels eines Monte-Carlo-Algorithmus.

Die eigentliche Bestrahlung kann bei einer Einzeitbestrahlung bis zu 30 min für ein Zielvolumen in Anspruch nehmen. 

Nachsorge:

Die stereotaktische Bestrahlung wird in der Regel sehr gut vertragen, stärkere Nebenwirkungen stellen die Ausnahme dar. In Abhängigkeit von der Grunderkrankung erfolgt die Weiterbehandlung in der zuweisenden Klinik. Trotzdem müssen regelmäßige Nachsorgen in der Strahlentherapie durchgeführt werden, die meist in 3-Monatigen Abständen stattfinden. Die Einzelheiten werden mit den Patienten nach der Behandlung besprochen.   

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