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Ruthenium-Augenbestrahlung

Das maligne Aderhautmelanom ist der häufigste primäre bösartige Tumor im Auge, an dem jährlich in Deutschland etwa 500 Menschen erkranken. Dabei bildet sich anfangs ein flach wachsender Tumor, der sich zunehmend wölbt und dabei die darüber liegende Netzhaut abhebt. Die Patienten verspüren anfangs keine Beschwerden, bemerken dann aber eine zunehmende Sehminderung oder einen Schatten. Maligne Melanome zeigen ein vergleichsweise langsames Wachstum. Ein unbehandeltes malignes Aderhautmelanom nimmt jedoch in aller Regel einen tödlichen Verlauf [1] Aderhautmelanom

 

Die Behandlung erfolgt in der Universitätsaugenklinik in enger Kooperation mit der Klinik für Strahlentherapie. Ein Verfahren zur Behandlung kleiner Aderhautmelanome mit  einer Dicke (Prominenz) bis zu etwa 5 mm ist die sogenannte Brachytherapie. Dabei wird ein umschlossener radioaktiver ß-Strahler (Ruthenium-106) in einer Operation auf die Lederhaut des Auges aufgenäht.

 

Ru-Augenkalotten Zur Behandlung von Aderhauttumoren werden mit Ruthenium beschichtete Augenschalen eingesetzt. (Foto: Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik GmbH)

 

Durch die direkte Platzierung der radioaktiven Quelle an den Tumor (Brachytherapie) kann eine konzentrierte und hochwirksame Bestrahlung erfolgen. Die Augenschale verbleibt einige Tage im Auge des Patienten und wird dann in einer kurzen Operation wieder entfernt. Die genaue Dauer wird vorher von Strahlentherapeuten und Medizinphysikern anhand der Tumorgröße exakt berechnet. Durch die Verwendung eines ß-Strahlers bleibt die Strahlung auf das behandelte Gebiet beschränkt.

 

Dosisverteilung um eine Augenkalotte

(Die höchste Dosis wird durch den gelben Bereich, die niedrigste durch den blauen Bereich repräsentiert) 

Dosisverteilung 
 

Diese Behandlung wurde am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität seit 1984 bei ca. 900 Patienten erfolgreich durchgeführt. Mit dieser Technik sind bei T1/2-Tumoren exzellente lokale Tumorkontrollraten zwischen 89 und 97% möglich [2, 3]

 

Mögliche Nebenwirkungen einer Behandlung mit Ruthenium Augenschalen: Trockenheit des Auges, Bindehautentzündung, Grüner Star, Grauer Star, Netzhautablösung, Schrumpfung des Augapfels, Erblindung, sekundäre Operation.

 

[1] Pach JM, Robertson DM (1986) Metastasis from untreated uveal melanomas. Arch Ophthalmol,104: 1624–1625.

[2] Hermann RM, Pradier O, Lauritzen K et al. Does escalation of the apical dose change treatment outcome in beta-radiation of  posterior choroidal melanomas with 106Ru plaques? Int J Radiat Oncol Biol Phys 2002; 52: 1360–1366

[3] Lommatzsch PK, Werschnik C, Schuster E. Long-term follow-up of Ru-106/Rh-106 brachytherapy for posterior uveal melanoma. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 2000; 238: 129–137