Brachytherapie
Zuständige OberärztinnenOÄ Dr. med. J. Rauch, OÄ Dr. med. H. Scheithauer
Begriffsdefinition
Die Brachytherapie (brachys – griechisch für kurz, nah) bezeichnet eine Form der Strahlentherapie, bei der eine radioaktive Quelle in die unmittelbare Umgebung des Tumors platziert wird. Auf diese Art kann eine hohe Dosis im Bereich der gewünschten Region appliziert werden und gleichzeitig eine gute Schonung der umgebenden Strukturen (im Besonderen Harnblase und Enddarm) erreicht werden.
Die Brachytherapie hat besonders bei der Behandlung gynäkologischer Tumoren (Zervixkarzinom – Gebärmutterhalskrebs bzw. Endometriumkarzinom – Gebärmutterkarzinom) einen großen Stellenwert im Rahmen des kurativen Therapiekonzepts.
Man bezeichnet diese „Radiotherapie von innen“ auch als Afterloading-Therapie (Nachladeverfahren).
Wann wird die Brachytherapie bei uns eingesetzt?
- Endometriumkarzinom (Gebärmutterkarzinom auch Korpuskarzinom):
Endometriumkarzinome werden operativ behandelt. Die Brachytherapie kommt in bestimmten Situationen und Krankheitsstadien adjuvant (postoperativ) zum Einsatz. Das Ziel dieser Therapie ist die Verhinderung eines Rezidivs (Wiederauftreten des Tumors) durch Vernichten möglicher mikroskopisch kleiner Tumorreste, die sich häufig im Bereich der Scheide befinden.
- Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskarzinom):
Ist eine Operation auf Grund der Tumorgröße/Lymphknotenmetastasierung im Bereich des kleinen Beckens nicht möglich, erfolgt eine primäre perkutane Radio(chemo)therapie mit zusätzlichem Boost (=lokale Dosisaufsättigung) im Bereich der Tumorregion mittels Brachytherapie.
Mit einer ergänzenden Brachytherapie begleitend zur Radio(chemo)therapie ergibt sich in manchen Situationen ein besseres Behandlungsergebnis als mit der Radio(chemo)therapie alleine.
- Sarkome (Weichteiltumoren):
Die kurative Behandlung von Sarkomen setzt eine interdiziplinäre Therapie mit Beteiligung der Chirurgie, der Onkologie sowie der Strahlentherapie voraus. Um einen Funktionserhalt (besonders bei Tumorsitz im Bereich der Extremitäten) zu ermöglichen, wird zunehmend ein neoadjuvantes Konzept (vor Operation) angewandt, das aus der Kombination einer Chemotherapie mit Hyperthermie
(=therapeutische Überwärmung) sowie einer perkutanen Strahlentherapie besteht, gefolgt von einer organ- bzw. funktionserhaltenden Operation.
Sollte sich während der OP zeigen, dass keine vollständige Tumorentfernung möglich ist, besteht die Möglichkeit der Einlage von Brachytherapie-Schläuchen, über die eine lokale Dosisaufsättigung mit guter Schonung der umgebenden Strukturen möglich ist.
Dieses interdisziplinäre Therapiekonzept wird bisher nur von wenigen Universitätskliniken in Deutschland angeboten.
Welche Strahlung wird eingesetzt?
Für die Brachytherapie wird in unserer Klinik Iridium (Ir-192) verwendet.
Es sind keine besonderen Verhaltensregeln im Alltag notwendig, da sich die Iridium-Quelle nur für die Zeit der Therapiesitzung im Körper befindet.
Wie wird die Brachytherapie durchgeführt?
- Gynäkologische Tumoren – Endometrium- und Zervixkarzinom:
Die Brachytherapie erfolgt 3-4x im Abstand von jeweils einer Woche. Sollte gleichzeitig eine perkutane Radiotherapie durchgeführt werden, dann findet diese am Tag der Brachytherapie nicht statt.
Nach einer gynäkologischen Untersuchung (besondere Beurteilung der Scheidenschleimhaut) wird ein sogenannter Applikator in Scheide oder Gebärmutterhals eingeführt. An der Applikatorinnenseite befindet sich ein Hohlraum, in dem ein Schlauchsystem Platz hat. Über dieses Schlauchsystem kann die radioaktive Quelle aus dem Aufbewahrungstresor an die gewünschte Position gefahren werden, dort ihre Strahlung abgeben, um dann wieder in den Tresor zurückzukehren. Zur Lagekontrolle des Applikators werden vor jeder Bestrahlung Röntgenaufnahmen angefertigt.
Zusätzlich wird eine Messsonde in den Enddarm gelegt, um die hier ankommende Dosis exakt bestimmen zu können.
- Sarkome:
Bei Sarkomen erfolgt die Schlauchanlage im Rahmen der Operation. Vor Durchführung der Brachytherapie erfolgt eine Lagekontrolle der Schläuche mittels Röntgenuntersuchung (Durchleuchtung oder Computertomographie).
Bei korrekter Lage können die Schläuche direkt an den Aufbewahrungstresor der Iridium-Quelle konnektiert werden. Die Radiotherapie erfolgt in der Regel 2x täglich über ca. 5 Tage. Im Anschluss an die Bestrahlung können die Schläuche wieder entfernt werden.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Mögliche Nebenwirkungen durch die Bestrahlung können an den benachbarten Strukturen – im gynäkologischen Bereich sind das Harnblase und Rektum (Enddarm) – auftreten. Es handelt sich vorwiegend um Schleimhautreizungen, die rasch wieder abklingen.
Falls bei Ihnen eine Brachytherapie durchgeführt werden soll, werden Sie vorher ausführlich von einem unserer Ärzte über die Indikation sowie den Behandlungsablauf informiert.