Prostatakarzinom
Behandlungsschwerpunkt Prostatakarzinome (Uro-Onkologie)
Patienten mit Tumoren der Prostata bedürfen relativ häufig einer Strahlentherapie, um die Ergebnisse der Operation zu sichern oder eine Operation zu vermeiden. Durch eine Strahlenbehandlung kann eine Operation in vielen Fällen vollständig vermieden werden. Die Ergebnisse beider Verfahren hinsichtlich der Heilungsraten der Tumorerkrankung sind vergleichbar. Nebenwirkungen können bei allen Verfahren (Operation oder Bestrahlung) auftreten - sind aber insgesamt selten geworden. Die jeweiligen Verfahren haben jeweils spezifische Nebenwirkungen - diese sollte der Patient immer mit den betreuenden Ärzten persönlich besprechen. Bei Patienten, bei denen eine Absiedlung (Metastasierung) der Prostatakrebserkrankung in die Knochen stattgefunden hat, ist eine Bestrahlung der befallenen Knochenabschnitte im Regelfalle sinnvoll. Mit diesem Vorgehen können Schmerzen beseitigt werden und ein drohendes Zusammenbrechen von instabilen Knochenanteilen verhindert werden.
Die Klinik für Radioonkologie verfügt über eine dokumentierte Expertise bei allen notwendigen radioonkologischen Verfahren im Rahmen der Behandlung des Prostatakarzinoms.
In der Klinik für Radioonkologie wird der Schwerpunkt im Wesentlichen durch folgende Mitarbeiter vertreten:
Prof. Dr. Claus Belka
OÄ Dr. Ute Ganswindt
Besondere wissenschaftliche und klinische Schwerpunkte bestehen in den folgenden Gebieten:
IMRT bei Prostatakarzinom
Durch eine IMRT („Intensitätsmodulierte Radiotherapie“) kann beim Protatakarzinom die Rate an Nebenwirkungen in speziellen Situationen deutlich reduziert werden. Die Klinik für Radioonkologie verfügt seit 2009 über die weltweit modernste Technologie zur IMRT-Planung unter Verwendung von biologischen Modellen und Monte-Carlo Berechnung. Die exakte Positionierung (und innere „Lage“ der Prostata) wird durch ein sogenanntes Cone-Beam CT sichergestellt.
Wissenschaftliche Publikationen zum Thema:
Intensity modulated radiotherapy for high risk prostate cancer based on sentinel node SPECT imaging for target volume definition.
Ganswindt U, Paulsen F, Corvin S, Eichhorn K, Glocker S, Hundt I, Birkner M, Alber M, Anastasiadis A, Stenzl A, Bares R, Budach W, Bamberg M, Belka C. BMC Cancer. 2005 Jul 28;5:91.
A normal tissue dose response model of dynamic repair processes.
Alber M, Belka C.
Phys Med Biol. 2006 Jan 7;51(1):153-72.
70 Gy or more: which dose for which prostate cancer?
Ganswindt U, Paulsen F, Anastasiadis AG, Stenzl A, Bamberg M, Belka C.
J Cancer Res Clin Oncol. 2005 Jul;131(7):407-19. Review.
Hochrisiko-Prostatakarzinom und Prostatakarzinom mit Lymphknotenbefall
Nach den Ergebnissen verschiedener Studien ist es in besonders risikoreichen klinischen Situationen sinnvoll, die angrenzenden Lymphknoten mitzubestrahlen. Hierzu ist die exakte Kenntnis der individuellen Verteilung von Lymphknoten notwendig. Mittels des sogenannten Sentinel-Verfahrens können diese Lymphknoten dargestellt werden.
Wissenschaftliche Publikationen zum Thema:
Optimized coverage of high-risk adjuvant lymph node areas in prostate cancer using a sentinel node-based, intensity-modulated radiation therapy technique.
Ganswindt U, Paulsen F, Corvin S, Hundt I, Alber M, Frey B, Stenzl A, Bares R, Bamberg M, Belka C.
Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2007 Feb 1;67(2):347-55.
Ergänzende Strahlentherapie nach Operation
Bei manchen Prostatakarzinomen (Stadium T3, eine sogenannte R1-Resektion oder die Tatsache, dass nach der Operation noch ein messbarer PSA nachweisbar ist) besteht nach einer Operation ein sehr hohes Risiko, dass die Erkrankung im Bereich der Prostataloge nicht komplett ausgeheilt ist. Die Strahlentherapie ist in diesem Zusammenhang die einzige Möglichkeit, eine erneute Heilung zu ermöglichen. Es besteht die Möglichkeit die Strahlentherapie früh nach der Operation (10-12 Wochen) zu beginnen (adjuvante Therapie) oder erst, wenn der PSA Wert ansteigt (Rettungs- oder Salvagetherapie). Wissenschaftlich weisen alle Daten nach, dass die Heilungsraten deutlich besser sind, wenn eine solche Strahlentherapie frühzeitig erfolgt. Keinesfalls sollte in dieser Situation ein Anstieg des PSA- Wertes über 0,4- 0,6 ng/ml abgewartet werden.
Wissenschaftliche Publikationen zum Thema:
Adjuvant radiotherapy for patients with locally advanced prostate cancer--a new standard?
Ganswindt U, Stenzl A, Bamberg M, Belka C.
Eur Urol. 2008 Sep;54(3):528-42. Review.
[Recurrence of prostate cancer--value of salvage radiotherapy]
Belka C, Ganswindt U.
Urologe A. 2006 Oct;45(10):1266-70. Review. German.
Einbindung zielgerichteter Bildgebung (PET oder MRT) in die Bestrahlungsplanung
Eine besondere Schwierigkeit stellt bei Prostatakarzinomen die Bestrahlungsplanung dar. Wie bei allen Tumoren hängt die Präzision der Therapie direkt von der Qualität der Erkennung der Tumorausdehnung ab („man kann nur behandeln, was man sieht“ oder - „je besser man die Tumorausdehnung sieht, um so besser kann man die gesunden Gewebe schonen“).
Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit der Diagnostischen Radiologie (MRT) und der Nuklearmedizin (Cholin-PET-CT) ist eine Verbesserung der Tumordarstellung.
Wissenschaftliche Publikationen zum Thema:
Histological verification of 11C-choline-positron emission/computed tomography-positive lymph nodes in patients with biochemical failure after treatment for localized prostate cancer.
Schilling D, Schlemmer HP, Wagner PH, Böttcher P, Merseburger AS, Aschoff P, Bares R, Pfannenberg C, Ganswindt U, Corvin S, Stenzl A.
BJU Int. 2008 Aug;102(4):446-51.
Sonstige klinische und experimentelle Forschung
Allgemeine wissenschaftliche Publikationen (Übersichten):
Surgery vs. radiotherapy in localized prostate cancer. Which is best?
Welz S, Nyazi M, Belka C, Ganswindt U.
Radiat Oncol. 2008 Sep 7;3:23.
[Radiotherapy in prostate cancer]
Ganswindt U, Belka C.
Urologe A. 2008 Sep;47(9):1245-54; quiz 1255. German.
Secondary hormonal manipulation.
Merseburger AS, Belka C, Behmenburg K, Stenzl A.
Front Radiat Ther Oncol. 2008;41:93-102. Review.
Risk of second malignancies after prostate irradiation?
Müller AC, Ganswindt U, Bamberg M, Belka C.
Strahlenther Onkol. 2007 Nov;183(11):605-9. Review.
Analysis of complex protein kinase B signalling pathways in human prostate cancer samples.
Jendrossek V, Henkel M, Hennenlotter J, Vogel U, Ganswindt U, Müller I, Handrick R, Anastasiadis AG, Kuczyk M, Stenzl A, Belka C. BJU Int. 2008 Aug;102(3):371-82.
[Treatment of the various stages of prostate carcinoma]
Ganswindt U, Belka C.
MMW Fortschr Med. 2006 Nov 2;148(44):31-3. German.
Combination of celecoxib with percutaneous radiotherapy in patients with localised prostate cancer - a phase I study.
Ganswindt U, Budach W, Jendrossek V, Becker G, Bamberg M, Belka C.
Radiat Oncol. 2006 Apr 10;1:9.