Mamma-Karzinom
Verantwortliche Oberärztin: Dr. med. Heike Scheithauer
Aufgrund der Häufigkeit von Brustkrebserkrankungen sind alle Ärzte - insbesondere die Fach- und Oberärzte - der Klinik für Radioonkologie mit der strahlentherapeutischen Behandlung von Brustkrebs vertraut. Für spezielle Fragen und den brustkrebsspezifischen Konsilardienst in der Klinik, aber auch für externe Partner, steht als Oberärztin Frau Dr. Heike Scheithauer zur Verfügung.
Einleitung:
Brustkrebserkrankungen stellen eine der häufigsten Tumorerkrankungen der Frau dar. Rund eine von acht Frauen wird in ihrem Leben an einem Mammakarzinom erkranken.
Ein großer Teil der Brustkrebserkrankungen entsteht spontan und ohne erkennbare Ursachen. Nur für einen sehr kleinen Anteil sind erbliche Ursachen (BRCA1 & 2 Gendefekte) erkennbar. Diese sind häufiger, wenn das Karzinom in sehr jungem Alter auftritt und auch bei blutsverwandten Frauen entweder Brustkrebserkrankungen oder Eierstockkrebserkrankungen in jungen Jahren entdeckt werden.
Durch die weite Verbreitung der Mammographie und des Mammographiescreenings werden heutzutage viele Karzinome sehr früh erkannt und sind gut behandelbar.
Therapieziele:
Bei einer Krebserkrankung wie dem Mammakarzinom müssen gleichzeitig mehrere Probleme bedacht werden, um ein perfektes Therapieergebnis zu erzielen.
1.) Wie kann sichergestellt werden, dass der Tumor in der Brust mit allen unsichtbaren Ausläufern komplett entfernt und abgetötet wird?
Im Regelfall wird heute die Brust erhalten und der Tumor nur lokal entfernt. Bei diesem Vorgehen muss immer eine Strahlentherapie folgen. Nach einer Operation können mikroskopische Tumorreste in den Milchgängen der Brust verbleiben. Diese werden durch die Bestrahlung abgetötet.
2.) Was muss getan werden, um die möglichen angrenzenden Ausbreitungswege (Lymphknotenabsiedlungen) zu behandeln?
Heutzutage wird eine sogenannte Wächterlymphknoten-Untersuchung der Achselhöhle vorgenommen. Sollten die Wächterlymphknoten keinen Tumorbefall zeigen, sind keine weiteren lokalen Maßnahmen nötig.
Bei Lymphknotenbefall wird durch den Operateur eine weitere Entfernung von Lymphknoten in der Achselhöhle vorgenommen. Wenn mehrere Lymphknoten befallen sind, erfolgt eine Mitbestrahlung der sogenannten Schlüsselbeingrube, um dort verborgene und für den Operateur schlecht zugängliche Lymphknoten zu behandeln.
3.) Wie kann verhindert werden, dass echte Fernabsiedlungen im Körper aus ausgeschwemmten Tumorzellen entstehen?
In Fällen, bei denen die Krebszellen sogenannte Hormonrezeptoren aufweisen, ist fast immer eine längerfristige (über Jahre) blockierende Therapie der weiblichen Geschlechtshormone angezeigt (Hormontherapie). Diese kann mit unterschiedlichen Medikamenten erfolgen. Das genaue Vorgehen sollte mit dem Frauenarzt / der Frauenärztin besprochen werden.
Diese Hormontherapie kann gleichzeitig mit der Strahlentherapie beginnen – die Klinik für Strahlentherapie der Universität München empfiehlt jedoch einen Beginn nach der Strahlentherapie, um die Belastung der Patientinnen kleiner zu halten.
Zur Reduktion des Risikos für Fernabsiedlungen wird auch eine Chemotherapie eingesetzt. Die Indikation wird im Regelfall durch einen Spezialisten für Chemotherapie gestellt. Die Chemotherapie und Hormontherapie machen eine Strahlentherapie nicht überflüssig.
4.) Was kann getan werden, um ein optimales kosmetisches Ergebnis zu erzielen?
Erstes Ziel bei einer Brustkrebsbehandlung muss immer die Heilung der Erkrankung sein. Im Laufe der Zeit hat sich aber durch Erfahrung und auch Studien nachweisen lassen, dass vielfach durch optimierte Operationsverfahren auch sehr gute kosmetische Ergebnisse bei schwierigen Tumorsituationen erzielt werden können.
Zusammenspiel von Therapiemaßnahmen – multimodale Therapie:
Die heutigen guten Heilungsraten bei Brustkrebserkrankungen können nur erzielt werden, wenn alle Therapiemaßnahmen nahtlos ineinander greifen. Dieses Vorgehen bezeichnet man als multimodale Therapie. Eine Behandlung in organisierten Zentren (Brustzentrum), insbesondere wenn es große Zentren sind, bietet daher beste Vorraussetzungen für optimale Heilungsraten. Die Bedeutung des engen und direkten Austausches zwischen den verschiedenen an der Therapie beteiligten Berufsgruppen ist somit sehr hoch.
Strahlentherapie der Brust:
Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie hält an beiden Standorten (Campus Großhadern und Campus Innenstadt) die gesamte relevante Technologie für die Bestrahlung der Brust vor. Durch eine 3D-konformale Planung werden die Nebenwirkungsraten gegenüber früher deutlich reduziert.
Schwere Nebenwirkungen – insbesondere schwere Spätfolgen – sind sehr selten geworden. So werden Lymphödeme kaum noch beobachtet, Nervenschäden und schwere Hautdefekte kommen so gut wie nicht mehr vor. Bestrahlt wird im Regelfall immer die ganze Brust mit verschiedenen Verkleinerungsschritten in der Therapieserie.
Spezialverfahren:
Hypofraktionierte Bestrahlung:
Ergebnisse neuerer Studien zeigen, dass man die Gesamtdauer der Strahlentherapie verkürzen kann, wenn die einzelnen Tagesdosen erhöht werden. Dieses Verfahren ist noch nicht in der Breite etabliert und wird nur in Einzellfällen und unter bestimmten Voraussetzungen angeboten. Sprechen Sie diesbezüglich mit uns.
Re-Bestrahlungen:
Selten kann es zum erneuten Auftreten eines Tumors in der Brust oder den Lymphknoten kommen. In diesen Situationen ist ein besonders gutes Zusammenspiel der Operateure und der Strahlentherapeuten nötig. Eine zweite Bestrahlung ist immer mit höheren Nebenwirkungsrisiken verbunden - kann jedoch in erfahrenen Händen mit guten Ergebnissen angewandt werden.
Intrabeam:
Beim sogenannten „Intrabeamverfahren“ wird ein Teil der Bestrahlungsdosis in die offene Wundhöhle während der Operation appliziert. Das Verfahren wird in der Frauenklinik Maistrasse in einer Kooperation mit der dortigen Frauenklinik angeboten.