Maligne Lymphome

Zuständige Ärzte

OA Dr. Rauch, Dr Niemöller, Dr Corradini

Maligne Lymphome sind Tumore des lymphatischen Systems und gehen von den lymphatischen Organen wie Lymphknoten und Milz oder von den lymphatischen Zellen (T- und B-Zellen) aus. Wir unterscheiden zwei große Gruppen innerhalb der malignen Lymphome, die Hodgkin Lymphome und die Non-Hodgkin-Lymphome.

1. Hodgkin Lymphome:

Der britische Arzt Thomas Hodgkin beschrieb 1932 erstmals die Symptome der später nach ihm benannten Erkrankung. Beim Hodgkin Lymphom kommt es zu einer schmerzlosen Schwellung von Lymphknoten, sowie eventuell begleitender B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust). Bei der mikroskopischen Untersuchung des Gewebes kennzeichnet das Hodgkin-Lymphom das Vorkommen einer besonderen Zellart (Sternberg-Reed-Zellen), wodurch es sich von den Non-Hodgkin-Lymphomen unterscheidet.

Patienten mit Hodgkin Lymphomen werden in der Regel von erfahrenen Ärzten in spezialisierten Kliniken nach standardisierten Therapieschemata durch eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung behandelt. Die Therapieverfahren werden dem Stadium der Krankheit (nach Ann Arbor) angepasst und erfolgen in unserer Klinik in enger Zusammenarbeit mit der Medizinischen Klinik III größtenteils im Rahmen der klinischen Studien der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (HD 16 für frühe Stadien, HD 17 für intermediäre Stadien [aktuell noch nicht geöffnet], HD 18 für fortgeschrittene Stadien, AVD-Rev für ältere Patienten mit intermediären oder fortgeschrittenen Stadien)

Klinische Studien der Deutschen Hodgkin Studiengruppe: http://www.ghsg.org/de/studien

Strahlentherapie bei Hodgkin Lymphomen:

Die Bestrahlung erfolgt in der Regel nach Abschluß der Chemotherpie und erfolgt im Bereich des betroffenen bzw. "involvierten" Gewebes ("involved field" Radiotherapie). Im Rahmen der neuen Studiengeneration (HD 16-18) wird abhängig vom Ansprechen auf die Chemotherapie geprüft, ob auf die Strahlentherapie bei sehr gutem Therapieansprechen verzichtet werden kann. Patienten welche ein nicht ausreichendes Therapieansprechen zeigen und in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) stoffwechselaktiven Resttumor zeigen, erhalten eine Strahlentherapie. Die Bestrahlung erfolgt fünfmal pro Woche über eine Behandlungsdauer von 2-4 Wochen.

 

2. Non-Hodgkin-Lymphome:

Die Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome umfasst bösartige Entartungen der B- oder T-Zellreihen und kann histomorphologisch unter dem Mikroskop betrachtet sehr unterschiedlich aussehen. Aufgrund dieser sehr heterogenen Erkrankungsgruppe stehen zur Therapie der Non-Hodgkin-Lymphome verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine generelle Standardtherapie gibt es nicht. Je nach Stadium der Erkrankung, der Histologie und der Bösartigkeit der Erkrankung, sowie vom Alter des Patienten und von seinem Allgemeinbefinden wird die Therapie individuell auf den Patienten abgestimmt.

Strahlentherapie bei Non-Hodgkin-Lymphomen:

Generell gilt, dass Non-Hodgkin-Lymphome sehr Strahlen- und Chemotherapieempfindlich sind. Bei niedrigmalignen Lymphomen in den frühen Stadien I und II kann durch eine alleinige Strahlentherapie eine sehr gute lokale Kontrollrate erzielt werden. (V.a. follikuläre Lymphome, lymphoplasmazytische Lymphome, indolente Lymphome) Bestrahlt werden dabei die befallenen Lymphknotenregionen. Bei fortgeschrittenen niedrigmalignen oder hochmalignen Lymphomen erfolgt eine Kombination mit Chemotherapie oder Antikörpertherapie, oder als Ganzkörperbestrahlung im Rahmen der Hochdosistherapie vor Stammzelltransplantation. Es stehen aktuell verschiedene Studien offen, im Rahmen derer Patienten an unserer Klinik mitbehandelt werden. (z.B. MIR-Studie, MCL Younger, MCL Elderly)

2.1. Plasmozytom/Multiples Myelom:

Das Multiple Myelom gehört zur Gruppe der niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen. Beim solitären Plasmozytom, einer bösartigen Entartung der Plasmazellen an nur einer einzelnen Stelle im Körper, ist die Strahlentherapie Behandlung der Wahl und erzielt hohe lokale Kontrollraten. Bei Patienten mit Multiplem Myelom spielt die Strahlentherapie als lokales Verfahren bei schmerzhaften oder frakturgefährdeten Knochenabsiedelungen eine wichtige Rolle.

 

Übersichtsarbeit zum Thema:
Strahlentherapie bei solitärem Plasmozytom oder multiplem Myelom
Radiation therapy for solitary plasmacytoma or multiple myeloma
S. Corradini, C. Belka und L. Plasswilm
Der Onkologe, Volume 16, Number 3