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Kopf-Hals-Tumore

Ansprechpartner:

Dr. H.Scheithauer, Dr. M. Patz

Der Begriff „Kopf-Hals-Tumoren“ bezeichnet eine Gruppe unterschiedlichster bösartiger Tumoren, die in der Mundhöhle, im Nasen-Rachenraum und im Bereich des Kehlkopfes auftreten. Tumoren des Gehirns fallen nicht in diesen Bereich und werden in erster Linie von den Spezialisten der Neurochirurgie und Neurologie versorgt.

Meist handelt es sich um bösartige Krebserkrankungen der Schleimhautoberflächen (Plattenepithelkarzinome). Als Ursache für diese Tumoren gilt insbesondere Rauchen, Alkoholgenuss und unzureichende Mundhygiene. Raucher erkranken bis zu 6-mal häufiger als Nichtraucher und die Kombination mit Alkoholkonsum verstärkt das Risiko zusätzlich. Allerdings können diese Tumoren auch entstehen ohne dass diese Risikofaktoren vorliegen. Bei ca. 20% der erkrankten Patienten spielen andere Umwelt- und patientenbezogene Faktoren eine Rolle.

Beispielsweise konnte für Tumoren der Mundhöhle, insbesondere der Rachenmandel, und des Nasenrachenraumes gezeigt werden, dass Viren an der Entstehung beteiligt sind. Bei dem  lymphoepithelialen Karzinom des Nasenrachens sind Epstein-Barr-Viren (EBV-Viren)  mitbeteiligt - beim Oropharynxkarzinom spielen dagegen Humane Papilloma-Viren (HPV-Viren) eine entscheidende Rolle. Eine Beteiligung von Viren bedeutet nicht, dass der Patient „ansteckend“ ist. Der Zusammenhang ist komplexer: Die Entstehung von Tumoren auf der Basis von Virusinfektionen findet statt, wenn die Immunabwehr nicht in der Lage ist eine Virusinfektion vollständig abzuwehren. Die Infektion liegt somit sehr lange zurück und der Patient scheidet keine Viren mehr aus.

Neben den Plattenepithelkarzinomen wird eine Vielzahl seltener Tumoren zum Beispiel im Bereich der Speicheldrüsen oder Kiefer- und Nasennebenhöhlen beobachtet.

Wie bei allen anderen Tumoren ist die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen von höchster Bedeutung für die Behandlung dieser Erkrankungen. Folgende Fachdisziplinen sind an der Therapiedurchführung maßgebend beteiligt: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und Strahlentherapie. Im Klinikum der Universität München werden daher Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren regelhaft im Rahmen interdisziplinärer Konferenzen besprochen.   

Rolle und Bedeutung der Strahlentherapie

Die Strahlentherapie hat eine ausgesprochen große Bedeutung für die Therapie von Kopf-Hals-Tumoren.

Sie wird zum Einen eingesetzt wenn nach einer Operation festgestellt wird, dass Lymphknotenabsiedlungen aufgetreten sind oder am Resektionsrand der Abstand vom Tumor zum gesunden Gewebe nach mikroskopischer Analyse zu klein ist. Verzichtet man in diesen Situationen auf eine Nachbestrahlung so setzt man den Patienten einem sehr hohen Risiko aus, dass ein lebensbedrohliches Rezidiv (Neuauftreten des Tumors) entsteht.  Die Abschätzung ob nach einer Operation eine Strahlenbehandlung notwenig ist hängt von der Größe des Tumors, der Anzahl und Lage befallener Lymphknoten, des Abstands zum gesunden Gewebe und – letztendlich - der individuellen  Situation des Patienten ab.

Zum Anderen kann eine Radiotherapie gerade bei fortgeschrittenen Tumoren anstelle einer Operation erfolgen. Insbesondere bei sehr ausgedehnten Tumoren, bei denen eine Entfernung der zum Schlucken und zur Stimmbildung notwendiger Strukturen unumgänglich wäre, kann eine Strahlentherapie in Kombination mit einer Chemotherapie hocheffektiv eingesetzt werden. Bei den oben erwähnten Nasopharynxtumoren ist eine Radiochemotherapie immer das Mittel der Wahl.

Heutzutage wird die Strahlentherapie meist in Kombination mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) durchgeführt, da sich gezeigt hat, dass dadurch die Bestrahlungswirkung verstärkt wird und mit gleicher Strahlendosis bessere Ergebnisse erzielt werden können.

Abbildung: Patient mit Larynx Ca

Larynx-Ca vor Larynx-Ca Plan Larynx-Ca nach

vor definitiver Radiochemotherapie                 Bestrahlungsplan           nach definitiver Radiochemotherapie 

Durchführung der Radiotherapie

Damit der Kopf während den einzelnen Bestrahlungssitzungen immer in der gleichen Position liegt  wird zunächst zur optimalen Bestrahlungsplanung eine individuelle Kopf-Hals-Maske angepasst. In dieser Lagerung wird anschließend eine Computertomographie ohne Kontrastmittel angefertigt. Auf jedem einzelnen Schichtbild zeichnet nun der Arzt das Tumorvolumen, das zu bestrahlende Lymphabflussgebiet und die zu schonenden Risikostrukturen des Normalgewebes ein. In Zusammenarbeit mit den Medizinphysikern kann dann eine Bestrahlungstechnik gewählt werden, um eine günstige Dosisverteilung mit hoher Dosis in der Tumorregion unter maximaler Schonung des angrenzenden Normalgewebes zu erreichen. Vor der ersten Therapiesitzung wird meist unter Durchleuchtung eine Bestrahlung „simuliert“, das heißt die Lage der Bestrahlungsfelder wird am Patienten entsprechend dem Bestrahlungsplan eingestellt und auf der Haut bzw. auf der Maske markiert.

Vor Anfertigung der Bestrahlungsmaske stellen sich unsere Patienten in der Abteilung für Zahnerhalt vor zur Beurteilung des Zahnstatus. Es ist sehr wichtig vor Beginn der Bestrahlung defekte Zähne zu behandeln, da sonst im weiteren Verlauf schwere Entzündungen des Kieferknochens auftreten können und in diesem Fall das Knochengewebe sogar absterben kann. Bei vorliegenden Metallimplantaten werden zusätzlich individuelle Zahnschienen angefertigt, die während der Maskenanfertigung und den Bestrahlungssitzungen getragen werden müssen, um die anliegende Mundschleimhaut besser schonen zu können.

Spezielle Bestrahlungstechnik

Aufgrund der Tumorlage oder individueller anatomischer Verhältnisse, wird in manchen Fällen entschieden, die Bestrahlung intensitätsmoduliert zu planen. Mit Hilfe der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) kann gerade wenn andernfalls Toleranzdosisgrenzen wichtiger Strukturen, wie der vorderen Sehbahn, des Rückenmarks, der Ohrspeicheldrüsen oder der Schlundmuskulatur, überschritten werden eine Optimierung der Dosisverteilung erreicht werden. So lassen sich die Rate an Spätnebenwirkungen, beispielsweise das Auftreten einer Mundtrockenheit nach Bestrahlung, deutlich senken. Bei dieser zeitlich sehr aufwändigen Technik wird die Bestrahlungsdosis über viele einzelne Segmente verabreicht.

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Abbildung: Patient mit Oropharynx Ca
adjuvante Radiotherapie mit erreichter Parotis Schonung.  

Abbildung: Patient mit Nasopharynx Ca
primäre Radiochemotherapie: auch Schonung der Parotis
und der vorderen Sehbahn.

 

Was ist während Strahlentherapie zu beachten?

Um die Mund- und Rachenschleimhaut nicht zusätzlich zu reizen, möchten wir Sie bitten möglichst nicht zu rauchen. Auch hochprozentiger Alkohol und zu heiße, säurehaltige (Fruchtsäfte, Tomaten, u. ä.) oder scharf gewürzte Speisen sind zu meiden. Mit Ihnen wird ein Mundpflegeprogramm besprochen, das eine Kariesprophylaxe und Mundspülungen beinhaltet. Die Haut sollte keiner Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden und während der Bestrahlungszeit möglichst trocken gehalten werden. Hautpflegeprodukte sollten nur nach Absprache mit dem medizinischen Personal angewendet werden.

Aktuelle Studien

ACCRA-HN-Studie: Multizentrische, offene Phase II-Studie zur Strahlentherapie in Kombination mit einer Chemotherapie und einer Antikörper-Therapie nach erfolgter Operation von fortgeschrittenen Karzinomen der Mund- oder Rachenhöhle.

Diese Studie testet die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Kombination einer etablierten Chemotherapie (Cisplatin und 5-Fluorouracil = 5-FU), mit zusätzlicher Anwendung einer neuen Therapie mit einem gentechnisch produziertem Antikörper (Wirkstoff Cetuximab, Handelsname Erbitux®) bei der Nachbehandlung von Tumoren der Mund- oder Rachenhöhle.

Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA-Messung) zur systematischen Beobachtung des Ernährungszustandes während der Therapie und in der weiteren Nachsorge.