Hirn- und Rückenmarkstumore
Behandlungsschwerpunkt Hirn- und Rückenmarkstumoren (Neuroonkologie)
Patienten mit Tumoren des Gehirns oder des Rückenmarks bedürfen häufig einer Strahlentherapie, um die Ergebnisse der Operation zu sichern oder eine Operation in kritischen Regionen des Gehirns zu vermeiden. Im Vordergrund stehen hierbei sogenannten Gliome, bei denen es sich um Tumoren des „Hirnbindegewebes“ handelt, und Tumoren der Hirnhäute (Meningeome) und der Hirnnerven (Neurinome). Andere Tumoren des Hirns und Rückenmarks (Ependymome, Neuroblastome, Ganglioblastome, Neuroblastome) sind viel seltener – werden aber aufgrund der Zentrumsfunktion des Klinikums der Universität München deutlich häufiger als in vielen anderen Kliniken gesehen.
Der Bereich der Neuroonkologie ist ein ausgewiesener Schwerpunkt der Universität München und wird durch die Klinik für Neurochirurgie, die Klinik für Radioonkologie, die Klinik für Neurologie in Zusammenarbeit mit der Neuropathologie, der Neuroradiologie, der Radiologie und der Nuklearmedizin vertreten.
Die Klinik für Radioonkologie verfügt über eine dokumentierte Expertise bei allen notwendigen radioonkologischen Verfahren und nimmt an vielfältigen nationalen und internationalen Studien im Bereich der Neuroonkologie teil.
In der Klinik für Radioonkologie wird der Schwerpunkt im Wesentlichen durch folgende Mitarbeiter vertreten:
Stellv Direktorin Dr. U. Ganswindt
Dr. S. Schwarz
Dr. M. Niyazi
Aktuell: Allgemeine wissenschaftliche Information vom Patiententag 2011
Wissenschaftliche und klinische Schwerpunkte bestehen in den folgenden Gebieten:
Interstitielle Brachytherapie mit 125-Iod-SEEDs bei Hirntumoren
Hier wird durch die Einbringung von sogenannten radioaktiven SEEDs (kleinen radioaktiven Stiften, wenige mm lang) eine Kontrolle des Tumorwachstums erreicht. Die Methode wird in engster Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie durchgeführt. Verantwortlich für das Verfahren sind Prof. Dr. Kreth (Leiter des Schwerpunkts Stereotaxie der Klinik für Neurochirurgie).

Abb. 1: Dosisplanung einer Seedbehandlung
Publikationen zum Thema:
The place of interstitial brachytherapy and radiosurgery for low-grade gliomas.
Kreth FW, Thon N, Siefert A, Tonn JC.
Adv Tech Stand Neurosurg. 2010;35:183-212.
Surgical resection plus stereotactic 125I brachytherapy in adult patients with eloquently located supratentorial WHO grade II glioma - feasibility and outcome of a combined local treatment concept.
Schnell O, Schöller K, Ruge M, Siefert A, Tonn JC, Kreth FW.
J Neurol. 2008 Oct;255(10):1495-502. Epub 2008 Jul 25.
Interstitial iodine-125 radiosurgery alone or in combination with microsurgery for pediatric patients with eloquently located low-grade glioma: a pilot study.
Peraud A, Goetz C, Siefert A, Tonn JC, Kreth FW.
Childs Nerv Syst. 2007 Jan;23(1):39-46. Epub 2006 Sep 14.
Erneute Bestrahlung von bösartigen Hirntumoren
Bei manchen Hirntumoren kommt es nach der primären Therapie zum Teil sehr schnell zu einem erneuten Wachstum des Tumors. Beim Vorliegen adäquater Expertise kann in einzelnen Fällen eine erneute Bestrahlung unter Verwendung verschiedener Verfahren oder auch eine Brachytherapie mit 125-Iod-SEEDs sinnvoll sein. Zusätzlich besteht die Möglichkeit bei einzelnen Patienten das Ergebnis durch die Kombination von erneuter Radiotherapie mit einer Chemotherapie (Temodal=Temozolomid) oder einer zielgerichteten Therapie (z. B. Avastin=Bevacizumab) zu verbessern.

Abb. 2: Rezidivtumor vor (links) und nach ( rechts) erneuter Bestrahlung in Kombination mit Bevacizumab
Publikationen zum Thema:
Hypofractionated reirradiation for recurrent malignant glioma.
Henke G, Paulsen F, Steinbach JP, Ganswindt U, Isijanov H, Kortmann RD, Bamberg M, Belka C.
Strahlenther Onkol. 2009 Feb;185(2):113-9. Epub 2009 Feb 25.
Novel chemotherapeutic agents for the treatment of glioblastoma multiforme.
Jendrossek V, Belka C, Bamberg M.
Expert Opin Investig Drugs. 2003 Dec;12(12):1899-924. Review.
Einbindung von zielgerichteter Bildgebung in die Bestrahlungsplanung
Eine besondere Schwierigkeit stellt bei Hirntumoren und Tumoren im Bereich des Rückmarkkanals die Bestrahlungsplanung dar. Es ist klar, dass die Präzision der Therapie direkt von der Qualität der Erkennung der Tumorausdehnung abhängt (Man kann nur behandeln was man sieht oder -- je besser man die Tumorausdehnung sieht, um so besser kann man die gesunden Gewebe schonen).
Schwerpunkt in der Zusammenarbeit im Neuroonkologischen Zentrum ist somit die bestmögliche Bilddarstellung von Tumoren durch MRT und PET-CT. Durch die Kombination unterschiedlicher bildgebender Verfahren lassen sich die aktiven Tumoranteile wesentlich besser abgrenzen, wodurch eine exaktere Bestrahlung möglich wird. Insbesondere im Bereich PET-CT besteht eine einzigartige Expertise, die den Patienten direkt zu Nutze kommt.

Abb. 3: Abgrenzung des Tumors durch DOTA-TATE-PET (Mitte) im Vergleich zum MRT bei einem Meningeom (HP=Hypophyse)
Publikationen zum Thema:
[68Ga]-DOTATOC-PET/CT for meningioma IMRT treatment planning.
Gehler B, Paulsen F, Oksüz MO, Hauser TK, Eschmann SM, Bares R, Pfannenberg C, Bamberg M, Bartenstein P, Belka C, Ganswindt U. Radiat Oncol. 2009 Nov 18;4:56
Quantification of cerebral blood flow, cerebral blood volume, and blood-brain-barrier leakage with DCE-MRI.
Sourbron S, Ingrisch M, Siefert A, Reiser M, Herrmann K.
Magn Reson Med. 2009 Jul;62(1):205-17.
Radiochirurgie und fraktionierte Stereotaxie (IMRT)
Die Klinik für Radioonkologie verfügt seit Jahren über eine dokumentierte Expertise beim Einsatz von Hochpräzisionstherapien (Einzeitradiochirurgie und fraktionierte stereotaktische Radiotherapie). In seltenen Fällen (sehr kleiner und biologisch sicher abgegrenzter Tumor) kann eine Therapie als Einzeittherapie durchgeführt werden. Vielfach ist es jedoch besser die notwendige Gesamtdosis mit höchster Präzision in viele kleine Dosen aufzuteilen (Fraktionierung). Wissenschaftlich ist es klar, dass mit diesem Vorgehen insbesondere bei Akustikusneurinomen und auch komplexen Meningeomen deutlich geringere Spätnebenwirkungen auftreten. Oftmals liegen hochsensible Strukturen in unmittelbarer Nähe zu aktiven Tumoranteilen. Durch die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) in Kombination mit stereotaktischen Bestrahlungstechniken gelingt es, eine Überlastung sensibler gesunder Strukturen zu vermeiden, dabei aber gleichzeitig eine wirksame Dosis am Tumor einzustrahlen.
Publikationen zum Thema:
[68Ga]-DOTATOC-PET/CT for meningioma IMRT treatment planning.
Gehler B, Paulsen F, Oksüz MO, Hauser TK, Eschmann SM, Bares R, Pfannenberg C, Bamberg M, Bartenstein P, Belka C, Ganswindt U. Radiat Oncol. 2009 Nov 18;4:56
Radiation induced CNS toxicity--molecular and cellular mechanisms.
Belka C, Budach W, Kortmann RD, Bamberg M.
Br J Cancer. 2001 Nov 2;85(9):1233-9. Review.