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Klinik und Poliklinik für Radiologie
Mikrotherapie
Interventionelle Radiologie & Mikrotherapie
Die Klinik und Poliklinik für Radiologie, Direktor Prof. Dr. Jens Ricke, bietet eine patientenorientierte Diagnostik und Therapie auf höchstem Niveau. Unser Spektrum reicht hierbei von minimal-invasiver Behandlung gut- und bösartiger Tumore, über Schmerztherapie bis hin zu komplexen Gefäßeingriffen.
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Bereichsleitung Therapie

Bereichsleitung

Prof. Dr. Max Seidensticker, Stellvertretender Klinikdirektor
Tel.: +49 89 4400-73620 
Funk: 123-3523
Email: Max.Seidensticker@med.uni-muenchen.de 

Fachgebiet und Leistungsspektrum
Die Klinik und Poliklinik für Radiologie, Direktor Prof. Dr. Jens Ricke, bietet eine patientenorientierte Diagnostik und Therapie auf höchstem Niveau. Unser Spektrum reicht hierbei von minimal-invasiver Behandlung gut- und bösartiger Tumore, über Schmerztherapie bis hin zu komplexen Gefäßeingriffen.

Durch die interdisziplinäre Behandlung in enger Kooperation mit Spezialisten verschiedener  Disziplinen  und die Einbindung in das Comprehensive Cancer Center der LMU (CCC) sowie das interdisziplinäre Metastasenzentrum der LMU wird eine umfassende und auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten zugeschnittene Diagnostik und Therapie gewährleistet. Die Teilnahme in interdisziplinären Tumorboards ermöglicht  eine optimale Behandlungsstrategie.

Mikrotherapie

Wir bieten zudem zahlreiche Studien an, in denen innovative Konzepte zur Diagnostik und/oder zur Therapie untersucht werden und in translationale und klinische Forschungsprojekte integriert werden.

 

Leistungsspektrum (ausgewählte Eingriffe)

  • Lokalablative Therapie zur Behandlung von Lebertumoren und Metastasen
  • Radiofrequenzablation
  • Mikrowellenablation
  • HDR-Brachytherapie
  • Transarterielle Chemoembolisation (TACE)
  • Radioembolisation bzw. SIRT (selektive interne Radiotherapie)
  • Lokalablative Therapie zur Behandlung von Myomen
  • Myomembolisation
  • HiFUS
  • Lokalablative Therapie zur Behandlung einer Prostatahyperplasie
  • Prostataembolisation
  • Lokalablative Therapie zur Behandlung eines Osteoidosteoms
  • Radiofrequenzablation (RFA)
  • Komplexe Gefäßeingriffe, u.a. Gefäßeröffnung, Stenting, Gefäßverschlüsse z.B. bei Blutungen
HDR-Brachytherapie

Neben der lokalen Ablation mittels thermischer Verfahren (Radiofrequenzablation/Mikrowellenablation), kann alternativ, bzw. bei Fällen in denen eine thermische Ablation nicht möglich ist, auch eine lokale Ablation mittels katheterbasierter Radiotherapie/Brachytherapy erfolgen. Hierbei werden bildgeführt (i.d.R. mittels CT) Bestrahlungskatheter aus Kunststoff (Diameter ca. 2,3mm) in die Tumore eingebracht (temporär) und anschließend eine einzeitige Hochdosisbestrahlung in Afterloadingtechnik mit Iridium 192 durchgeführt. Abhängig von der Tumorentität, wird eine tumorumschließende Dosis von 15-20Gray angestrebt. Nach erfolgter Bestrahlung werden die Bestrahlungskatheter wieder entfernt, wobei der Punktionskanal mit Gelatineschwämmchen aufgefüllt wird um eine Nachblutung zu verhindern.

Die Brachytherapie wird unter Analgosedierung (d.h. Gabe eines starken Schmerzmittels und eines Beruhigungsmittels) durchgeführt. Eine Anästhesie ist nicht notwendig.

 Der Vorteil dieser Ablationstechnik gegenüber thermischen Ablationsverfahren ist die fehlende Empfindlichkeit auf Kühlungseffekte durch große Gefäße (thermische Verfahren bergen hier das Risiko von lokalen Rezidiven), die Möglichkeit der Ablation auch von zentral gelegenen Tumoren (thermische Verfahren bergen hier das Risiko von Gallengangsnekrosen), die fehlende Größenlimitation (thermische Verfahren: max Diameter ca. 3cm) und die im Vergleich zu den thermischen Verfahren bessere Steuerbarkeit der Energieapplikation bei peripheren Herden (z.B. angrenzend an den Magen, Darm oder das Herz) zur Vermeidung von Toxizitäten.

Der Vorteil gegenüber der Stereotaxie/perkutanen Bestrahlung ist der höhere Dosiseintrag und die geringere Strahlenexposition des umgebenden Gewebes.

In enger Abstimmung mit der/dem behandelnden Onkologin/en und/oder nach Diskussion im Tumorboard wird die Entscheidung für eine lokale Ablation von Tumoren oder Metastasen (i.d.R. Lebertumoren und Lebermetastasen, aber auch andere Manifestationsorte therapierbar) getroffen. Die beste Datenlage, bzw. klarste Indikationsstellung, besteht für die Therapie des hepatozellulären Karzinoms und von Lebermetastasen des kolorektalen Karzinoms. Allgemein formuliert sollte keine diffuse Metastasierung an mehreren Körperstellen vorliegen sowie (bei Vorliegen von Metastasen) idealerweise eine Kontrolle unter Chemotherapie vorliegen.

Je nach Tumorlage und Tumorgröße wird von der interventionellen Radiologie das passende lokale Therapieverfahren (Radiofrequenzablation/Mikrowellenablation/Brachytherapie) ausgewählt.

Brachytherapie

55j. Patientin mit einem hepatisch und ossär (stabil) metastasierten Mammakarzinom und einzelnen Lebermetastasen in beiden Leberlappen (Bild 1 und 2, MRT mit Gd-EOB-DTPA (1), Diffusionswichtung (2)). Die Metastasen zeigt sich stabil unter einer systemischen Chemotherapie. Aufgrund einer schlechten Verträglichkeit der Chemotherapie war aber das uneingeschränkte Fortführen der Therapie nicht möglich. Metastasen nicht operabel. Eine Radiofrequenzablation ist aufgrund der Größe der Tumoren nicht möglich. Somit Entscheidung zur Durchführung einer CT gesteuerten katheterbasierten Radiotherapie (interstitielle Brachytherapie) in zwei Sitzungen; Erste Sitzung (Bild 3) mit Therapie der linkshepatischen Anteile, einzeitige Applikation von 15Gy. Zweite Sitzung zur Behandlung der rechtshepatischen Anteile ohne Abbildung. Folgend Erhaltungstherapie. 9 Monate nach der Brachytherapie zeigt sich ein schrumpfendes narbiges Residuum in der morphologischen Bildgebung (Bild 4, MRT mit Gd-EOB-DTPA) mit Zeichen der kompletten Devitalisierung in der Diffusionswichtung (Bild 5) 

Y90-Radioembolisation / Selektive Interne Radiotherapie (SIRT)

Bei der SIRT werden  in lokaler Betäubung über einen angiographischen Zugang über die Leistenarterie selektiv Kunstharz- oder Glasmikrosphären (Größe: 20-60μm) in die arterielle Strombahn der Leber eingebracht. Die Mikrosphären sind mit dem radioaktiven Isotop Yttrium-90 (einem reinen Beta-Strahler mit einer mittleren Reichweite von 2,5mm im Gewebe (maximal: 11mm) und einer Halbwertszeit von 64h) beladen. Die Einlagerung der strahlenden Mikrosphären in die Lebertumoren führt in der Folge zu einer mehrere Tage anhaltenden Bestrahlung des Tumorgewebes.

Therapeutisches Grundkonzept der SIRT ist die verstärkt arterialisierte Strombahn der Lebertumoren mit einem hiermit verstärkt einhergehenden Abstrom der Mikrosphären in die Tumorstrombahn im Vergleich zur Leberstrombahn.

Um eine Fehlimplantation der Mikrosphären in benachbarte Organsysteme (insbesondere Magen, Zwölffingerdarm und Bauchspeicheldrüse) zu vermeiden, wird im Vorfeld zur therapeutischen Sitzung in einem gesonderten stationären Aufenthalt eine „Generalprobe“ mit einer angiographischen Gefäßdarstellung der Leber durchgeführt. Ggf. werden Gefäße, die zu einer Fehleinlagerung der Mikrosphären führen könnten, verschlossen. Abschließend wird die spätere Verteilung der Mikrosphären über die Gabe des diagnostischen Radionuklids Technetium-99, gebunden an Proteinflocken (sogenanntes makroaggregiertes Albumin), simuliert. In einer folgenden Szintigraphie kann dann eine mögliche Einlagerung außerhalb der Leber dargestellt/ausgeschlossen werden. Zudem wird auch ein Durchstrom zur Lunge gemessen, welcher ein bestimmtes Ausmaß nicht überschreiten darf um strahlenbedingte Nebenwirkungen an der Lunge zu vermeiden. Erst wenn diese Vortests eine sichere Durchführung der eigentlichen therapeutischen SIRT bestätigen, wird diese in einer weiteren Angiographie durchgeführt. Sollte die gesamte Leber eine Behandlung mittels einer SIRT benötigen, so wird die Leber in der Regeln in zwei Sitzungen in einem Abstand von ca. 4-6 Wochen behandelt (erst eine Hälfte der Leber, folgend die zweite Hälfte). Grund ist eine Schonung des Lebergewebes und die Vermeidung von strahlenbedingten Leberschäden durch die SIRT.

In der wissenschaftlichen Literatur konnten für eine Vielzahl von Tumorarten ein positiver Effekt der SIRT beschrieben werden, wobei die SIRT  in der Regel bei einem fortgeschrittenen Tumorleiden der Leber zum Einsatz kommt. Hervorzuheben sind hier das vornehmlich in die Leber metastasierte kolorektale Karzinom (zusätzlich zur Chemotherapie bei Ansprechen unter Chemotherapie und aber bei ausgereizter Chemotherapie (bzw. Unverträglichkeit der Chemotherapie)), das hepatozelluläre Karzinom in einem fortgeschrittenen Stadium zusätzlich zur Chemotherapie oder aber bei Kontraindikationen/Nebenwirkung der Chemotherapie und andere Tumorarten (Cholangiozelluläres Karzinom, Neuroendokrines Karzinom, Mammakarzinom) in bestimmten individuellen Konstellationen.

Unabdingbar ist immer eine enge Abstimmung des geplanten Therapiekonzeptes mit der/dem behandelnden Onkologin/-en um die bestmögliche individuelle Therapie erreichen zu können. 

SIRT

Patient mit einem kolorektalen Karzinom und Lebermetastasen. Nach Stabilisierung der Erkrankung mittels Chemotherapie (links, MRT der Leber) wurde eine SIRT durchgeführt (Mitte, Bremsstrahlungsbildgebung, die die Verteilung der Yttrium-90 Mikrosphären abbildet). 6 Monate nach SIRT und unter weitergeführter Chemotherapie zeigt sich ein erheblicher Rückgang der Lebermetastasen.

Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Bei der TACE  wird in lokaler Betäubung über einen angiographischen Zugang über die Leistenarterie die Leberarterie mit einem Katheter (kleiner Kunststoffschlauch) angesteuert. Folgend werden die Lebergefäße identifiziert und angesteuert, die den Lebertumor, bzw. die Lebertumoren versorgen. In diese Gefäße wird dann ein Gemisch aus einer chemotherapeutischen Substanz und einem die Gefäße verschließenden Material (z.B. kleine Kunststoffkugeln oder aber öliges Kontrastmittel) appliziert. Die Folge ist zum einen Infarzierung des Tumors/der Tumore durch den Gefäßverschluss und zum anderen eine lokale Chemotherapie des Areals (wobei die Konzentration der Chemotherapie im therapierten Areal hoch ist, die gesamte Menge aber durch die gezielte Gabe insgesamt gering bleibt und somit Nebenwirkungen durch die Chemotherapie selten sind). Um eine vollständige Therapie des Tumors/der Tumore zu gewährleisten, wird die TACE in der Regel nach 4 Wochen wiederholt.

 

Das Grundkonzept der TACE ist die verstärkt arterialisierte Strombahn der Lebertumoren mit einem hiermit verstärkt einhergehenden Abstrom der gegebenen Substanzen in die Tumorstrombahn im Vergleich zur Leberstrombahn. Zudem verfügt die Leber (aber nicht die Tumoren) noch über eine weitere Blutzufuhr, die Pfortader, die eine Infarzierung des Lebergewebes verhindert.

 

In einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien konnte ein positiver Effekt der TACE auf das Überleben beschrieben werden, wobei das insbesondere für das hepatozelluläre Karzinom zutrifft. Die Behandlung wird in der Regel bei Vorliegen einer geringen Anzahl von Herden des hepatozellulären Karzinoms durchgeführt. Das hepatozelluläre Karzinom entwickelt sich fast immer aus einer Leberzirrhose heraus. Hierdurch ist häufig die Leberfunktion geschwächt. Durch die TACE kann es zu einer weiteren Schwächung der Leberfunktion kommen, weshalb die Therapie nur bis zu einem gewissen Grad der Leberfunktionseinschränkung durchgeführt werden kann. Die Verbindung aus Lebererkrankung (Leberzirrhose) und Tumorerkrankung bedingt bei der Behandlung des hepatozellulären Karzinoms eine enge Abstimmung des Therapiekonzepts durch den behandelnden Hepatologen und den Radiologen um das bestmögliche und sicherste Therapiekonzept für jeden Patienten zu erarbeiten. 

Prostata-Arterien-Embolisation (PAE)

Was ist die Prostata-Arterien-Embolisation (PAE)?

Die PAE ist eine nicht-operative Behandlungsmöglichkeit der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH). Die gutartige Vergrößerung der Prostata ist die häufigste gutartige Tumorerkrankung des Mannes und tritt vorzugsweise in fortgeschrittenen Lebensjahren auf. Insgesamt sind mehr als die Hälfte aller Männer über 55 Jahre von einer derartigen Organvergrößerung der Prostata betroffen, im Alter von 70 Jahren sind es bereits über 70%. Die BPH kann in vielen Fällen symptomlos verlaufen, nichtsdestotrotz entwickeln ca. ein Drittel der Betroffenen Symptome, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Hierzu zählen u.a. Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Blasenentleerungsstörungen; Entzündungen können die Folgen sein.

Die BPH wird zunächst medikamentös behandelt, wodurch sich gerade milde Beschwerden gut kontrollieren lassen. Sollte die medikamentöse Therapie ohne Erfolg oder nicht mehr ausreichend sein, wird in der Regel eine operative Ausschälung der Prostata durchgeführt. Die Prostata-Arterien-Embolisation stellt eine neue minimal-invasive Behandlungsmöglichkeit als Alternative zur operativen Therapie dar.

 

Wie funktioniert die PAE?

Die PAE unterbricht den Blutfluss der prostataversorgenden Arterien. Hierzu wird nach örtlicher Betäubung über einen arteriellen Leistenzugang ein sehr dünner Katheter mit einem Durchmesser von < 1 mm selektiv in die zuführende(n) Arterie(n) der Prostata eingeführt. Mittels winziger Kügelchen (Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von etwa 200-400 µm) werden die kleinen Äste der die Prostata versorgenden Gefäße dauerhaft verschlossen, was aufgrund der verminderten Blutversorgung des Organs eine Größenreduktion der Prostata zur Folge hat.

Der Eingriff wird auf beiden Seiten durchgeführt, sodass beide Prostataseitenlappen versorgt werden, hierbei muss in der Regel nur eine Leistenarterie punktiert werden. Typischerweise bestehen keine oder nur sehr geringe Schmerzen, sodass der Eingriff in lokaler Betäubung (ohne Vollnarkose) durchgeführt werden kann.

 

Welche Ziele hat die PAE?

Ziel der PAE ist, das Volumen der gutartig vergrößerten Prostata so zu verringern, dass die typischen Beschwerden wie vermehrter und verlängerter Harndrang vermindert oder beseitigt werden. Ziel der PAE ist eine dauerhafte und starke Reduktion der Durchblutung der Prostata, welche zu einer Schrumpfung des Organs führt. Bei drei von vier Patienten führt die Therapie zu einer raschen und anhaltenden Symptomverbesserung.

 

Welchen Patienten raten wir zur PAE?

Eine PAE kommt für alle Männer in Frage, die unter den Folgen einer gutartigen Vergrößerung der Prostata leiden, insbesondere dann wenn eine medikamentöse Therapie erfolglos ist. Zudem kann die PAE eine Alternative für Patienten sein, die die herkömmliche transurethrale Resektion der Prostata (TURP) ablehnen. Bei sehr großen Drüsen mit einem Volumen über 80 ml, stellt die PAE eine schonende Alternative zur offenen Operation dar.  

 

Wann kann die PAE nicht durchgeführt werden?

Im klinischen Setting muss vor der Durchführung einer PAE ein bösartiger Tumor der Prostata (Prostatakarzinom) ausgeschlossen werden, da dieser ganz anders behandelt werden muss. Hierzu wird u.a. der sogenannte PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) im Blut bestimmt. Falls der PSA-Wert erhöht ist, was häufig auch bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata vorkommt – der PSA-Wert korreliert nämlich in vielen Fällen mit dem Prostatavolumen – ist es in einigen Fällen sinnvoll, den klinischen Befund bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom mittels MRT und ggf. Biopsie abzuklären.  

Ein eventueller Harnwegsinfekt sollte zudem vor der Durchführung einer PAE behandelt werden. Bei starker Arteriosklerose können Beckengefäße verengt oder verschlossen sein, sodass im Einzelfall die Prostataarterien nicht mit dem Katheter erreicht werden können. Von einer Behandlung bei starker Arteriosklerose sollte in Einzelfällen abgeraten werden.

 

Wie erfolgt die Vor- oder Nachbehandlung einer PAE?

Vor der Durchführung einer PAE wird jeder Patient in der Urologischen Klinik und Poliklinik untersucht, um festzustellen, ob die klinischen Beschwerden tatsächlich durch eine BPH verursacht werden oder ob es Umstände gibt, die gegen die Durchführung einer PAE sprechen (z.B. das Vorhandensein eines Karzinoms). In der klinischen Untersuchung werden hierzu u.a. die Beschwerden des Patienten erfasst, Blutuntersuchungen durchgeführt, die Flussdynamik beim Wasserlassen untersucht und die Prostatavergrößerung mittels Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) vermessen. Für die Planung einer möglichst sicheren und schonenden PAE erfolgt vor dem Eingriff die exakte Darstellung der Beckengefäße (z. B. mittels kontrastverstärkter CT oder MRT).

Sollte eine minimal-invasive Therapie mittels PAE in Frage kommen, wird am Tag der Therapie unmittelbar vor dem Eingriff ein Blasenkatheter eingelegt, dieser wird in der Regel nach zwei Tagen wieder entfernt. Für die Behandlung werden die Patienten insgesamt ca. 3-5 Tage stationär aufgenommen. Eine Vollnarkose und die damit verbundenen Risiken ist für die Durchführung einer PAE nicht notwendig.

Nach dem Eingriff wird über zehn Tage ein entzündungs- und schmerzhemmendes Medikament (z.B. Ibuprofen 400 mg) und zusätzlich ein Magenschutz (z. B. Pantozol) verschrieben. Nach der Therapie werden die verbliebenen Symptome mittels standardisierter Fragebögen erfasst und im Verlauf mit den Ausgangswerten verglichen. In der Regel verspüren die Patienten die erste Besserung ihrer Symptome nach wenigen Tagen bis einigen Wochen.

 

Mit welchen Komplikationen muss der Patient rechnen?

Nebenwirkungen der Therapie sind selten und in den überwiegenden Fällen leicht zu behandeln. Das Risiko für Blutungen über die Harnwege ist nur minimal. Eine häufige Komplikation der herkömmlichen operativen Verfahren, der Samenerguss in die Harnblase, tritt nach einer PAE nicht auf. Ebenso besteht kein erhöhtes Risiko für eine Inkontinenz. Typische Nebenwirkungen sind leichte Schmerzen oder ein brennendes Gefühl in der Harnröhre oder dem Anus während der Embolisation trotz der Schmerzmedikation, Harnwegsinfekte, die sich gut antibiotisch behandeln lassen oder ein akuter Harnverhalt, der mittels kurzzeitiger Einlage eines Harnblasenkatheters behandelt werden kann.

Hinzu kommen die allgemeinen Risiken einer Katheteruntersuchung, wie eine Nachblutung in der Leiste an der Punktionsstelle oder eine Kontrastmittelunverträglichkeit. Aufgrund der gründlichen Vorbereitung auf die Behandlung und einer sorgfältigen Nachbetreuung bleiben diese Komplikationen jedoch die Ausnahme.

Im Gegensatz zu einer operativen Therapie sind bislang keine kurz- oder langfristig nachteiligen Effekte auf die sexuelle Potenz oder die Kontinenz beschrieben worden. Die bisherigen Medikamente zur Therapie der BPH können nach einer PAE in vielen Fällen abgesetzt werden. Die Risiken durch eine sogenannte Embolisatverschleppung sind aufgrund der Durchführung der PAE unter Verwendung modernster Bildgebungstechniken (Rotationsangiographien) sehr selten.

 

Prostataarterienembolisation

Obere Reihe: Kontrastverstärkte Dyna-CT (links) und MRT (rechts) eines Patienten mit gutartiger Prostatavergrößerung zur Planung der Prostata-Arterien-Embolisation (PAE)

Untere Reihe: Kontrastverstärkte MRT mit Perfusionsmapping 6 Monate nach erfolgter PAE eines anderen Patienten zur Erfolgskontrolle mit hypoperfundierten Arealen innerhalb der hypertrophierten Transitionalzone.

Myom-Embolisation

Myome in der Gebärmutter können mit einem gezielten Gefäßverschluss, der Myomembolisation, behandelt werden. Die Myomembolisation erhält Ihre Gebärmutter in Form und Funktion. Das Wachstum der Myome wird gestoppt, sie schrumpfen. Der Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung und dauert ca. 1 Stunde. Nach einem Einstich in der Leistengegend, vergleichbar einer Blutentnahme, führt der Arzt einen dünnen Katheter in Ihre Leistenarterie ein. Der Katheter wird bis in die Gebärmutter und Myome versorgende Uterusarterie vorgeschoben. Durch den Katheter (Mikrokatheter ≤ 1mm im Durchmesser) werden unter Röntgenkontrolle winzig kleine Kügelchen (Mikropartikel) gezielt bis zum kompletten Gefäßverschluss eingebracht. Dadurch sterben die Myome ab, Ihre Gebärmutter bleibt erhalten. Direkt im Anschluss erfolgt eine individuell auf Sie abgestimmte schmerzstillende und krampflösende Therapie, für die Sie 1-2 Tage im Krankenhaus bleiben.

Schmerztherapie / Infiltrationen

Allgemeines

Rückenschmerzen bedeuten heutzutage für viele Menschen eine wesentliche Minderung der Lebensqualität. Die Ursachen von Rückenschmerzen sind vielfältig, häufige Gründe für die Beschwerden und Schmerzen sind in vielen Fällen Verschleißerscheinungen (degenerative Veränderungen) der Bandscheiben und der Zwischenwirbelgelenke, sowie chronische Fehlbelastungen bzw. Fehlhaltungen der Wirbelsäule. In der Folge kommt es durch fortgeschrittene Degenerationen und Bandscheibenvorwölbungen zu einer Einengung der Nervenkanäle an den Stellen, wo die Nervenstränge (Nervenwurzeln) aus dem Rückenmarkskanal austreten. Eine Reizung oder Kompression der Nervenwurzeln durch Bandscheibenmaterial, hypertrophierte Bänder oder knöcherne Anbauten führt zur Entstehung bzw. Verstärkung der Rückenschmerzen.

Als Folge leiden die Patienten unter zum Teil sehr störenden, die Lebensqualität einschränkenden, Rückenschmerzen mit Schmerzausstrahlung in die Leiste oder auch in das Bein der betroffenen Seite (bei degenerativen Prozessen der Lendenwirbelsäule) bzw. in den Arm (bei degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule). Beim Fortschreiten der oben beschriebenen Veränderungen kann es zusätzlich zu Gefühlsstörungen im entsprechenden Bein oder Arm kommen, wie zum Beispiel zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen.

Meistens lässt sich aus der Anamnese, in Korrelation mit der klinischen Symptomatik und der Bildgebung (CT/MRT) feststellen, ob die Ursache für die Beschwerden an einer Reizung der Nervenwurzel oder an den degenerativen Veränderungen der kleinen Zwischenwirbelgelenke liegt. Die Differenzierung dieser Ursachen ist jedoch nicht leicht, da häufig Kombinationen degenerativer Prozesse für die Schmerzen verantwortlich sind. In anderen Fällen können die Schmerzen auch eine nicht wirbelsäulenbedingte Ursache haben oder als chronischen Schmerzsyndrom durch andere Faktoren verstärkt werden.

 Die Entscheidung zur Durchführung einer bildgestützten lokalen Schmerztherapie sollte in enger Zusammenarbeit mit den Fachkollegen aus der Orthopädie, Unfallchirurgie, Neurochirurgie oder Neurologie erfolgen.

 

Angebotene Behandlungsmethoden

Die von uns angebotenen Behandlungsmethoden sind:

1)      die periradikuläre Therapie (PRT)

2)      die Facettengelenks-(FCG)Blockade oder Facettengelenks-(FCG)Infiltration

3)      die Iliosakralgelenks-Infiltration oder –Blockade.

 

Die Behandlung besteht darin, dass zwei Medikamente (Lokalanästhetikum und Kortisonpräparat) unter computertomographischer Sichtkontrolle millimetergenau an den Ort appliziert werden, an dem der Nerv bzw. die Zwischenwirbelgelenke und/oder Iliosakralgelenke gereizt sind. Die Injektion dieser Medikamente führt zu einer Abschwellung der Nervenwurzel bzw. Rückbildung der Aktivierung der Arthrose im betroffenen Gelenk, was meistens zu einer Linderung/Rückbildung der Beschwerden führt. Häufig tritt bereits nach unmittelbarer Infiltration eine Symptomlinderung ein. Die mittel- bis langfristigen Effekte der Schmerztherapie können erst nach einigen Tagen bis Wochen beurteilt werden.

 

Erfolgsaussichten

In einer Vielzahl der Fälle kann eine mittel- bis längerfristig anhaltende Schmerzreduktion bzw. Schmerzfreiheit erreicht werden. Eine entsprechende lokale Therapie kann wiederholt durchgeführt werden (ggf. sogar in 2-8 Sitzungen), wobei die Erfolgschancen mit zunehmender Infiltrationsfrequenz sinken. Die Entscheidung über die Anzahl und Art der Infiltrationstherapie wird individuell für jeden Patienten in den Gesprächen und nach Rücksprache mit den überweisenden Kollegen vor jeder Prozedur getroffen.

 

Risiken und Nebenwirkungen

Komplikationen bei diesen Behandlungen, wie zum Beispiel Blutungen, Infektionen oder   Allergien sind sehr selten bis extrem selten. Gelegentlich kann es durch die Kortisongabe zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Blutdruck- oder Blutzuckererhöhungen und Gesichtsrötung kommen. Diese sind aber in der Regel nur von kurzer Dauer. Da das Schmerzmittel in unmittelbarer Nähe der Nervenwurzel gespritzt wird, kann es in seltenen Fällen zu einer Schwäche bis hin zur Lähmungserscheinung in dem betroffenen Bein kommen, welche mehrere Minuten bis Stunden anhalten kann. Die Strahlenbelastung ist bei CT-gesteuerten Eingriffen ist als sehr gering einzustufen.

 

Behandlungsablauf

Bevor wir die Behandlung durchführen, sollte zunächst eine Untersuchung durch einen Fachkollegen aus der Orthopädie, der Unfallchirurgie, der Neurologie oder Neurochirurgie erfolgt sein, um den Grund der Beschwerden abzuklären und um eine gezielte lokale Therapie an dem Ort der Schmerzentstehung zu gewährleisten. Andere Schmerzursachen wie Entzündungen oder Tumoren müssen im Vorfeld ausgeschlossen werden. Wenn der Arzt auf der Grundlage seiner klinischen Untersuchung in Zusammenschau mit den Bildbefunden (CT oder MRT) andere Behandlungsversuche nicht für sinnvoll hält, bzw. alternative Behandlungsversuche (konservative Therapie) bereits fehlgeschlagen oder unbefriedigend verlaufen sind, bieten wir eine gezielte, bildgestützte Schmerztherapie an.

Voraussetzung ist eine CT/MRT-Untersuchung, die nicht älter als 1 Jahr sein sollte, mit deren Hilfe die individuellen Gegebenheiten an der Wirbelsäule genau ermittelt werden können um die Intervention zu planen. Vor der Therapie erfolgt eine ausführliche ärztliche Aufklärung und Anamnese.

Die Behandlung selbst führen wir unter CT-gesteuerter Sichtkontrolle durch. Hierbei wird eine sehr dünne Nadel mit der Spitze an die geplante Stelle platziert (z.B. unmittelbar an der betroffenen Nervenwurzel). Die korrekte Lage der Nadel überprüfen wir anhand des CT-Bildes.

Bei Behandlungen im Bereich der Halswirbelsäule und bei der PRT im Bereich der Lendenwirbelsäule wird als zusätzliche Kontrolle der Nadellage und zur Optimierung der Verteilung der später gespritzten Medikamente eine kleine Menge von Röntgenkontrastmittel gespritzt. Anschließend injizieren wir ein Schmerzmittel und ein Kortisonpräparat über die einliegende Nadel am Ort der Schmerzentstehung.

Die Behandlung der Lendenwirbelsäule oder Brustwirbelsäule erfolgt in Bauchlage, die Behandlung der Halswirbelsäule meistens in Rückenlage, die Dauer beträgt in etwas 10 – 15 Minuten.

 

Verkehrstüchtigkeit:

Wir empfehlen den Patienten, von einer Begleitperson zur Behandlung gebracht und abgeholt zu werden, da temporär Gefühlsstörungen durch eine Betäubung z.B. der Nervenwurzel auftreten können und eine Verkehrstüchtigkeit somit nicht gewährleistet werden kann.  

PRT

PRT an der Halswirbelsäule in Rückenlage: Bei Nervenreizungen an der Halswirbelsäule werden im Rahmen der periradikulären Therapie (PRT) dünne Kanülen an der Nervenaustrittstelle platziert und vorsichtig Medikamente lokal injiziert.

Vaskuläre Eingriffe

Bei der angiographischen Untersuchung handelt es sich um die invasive (d.h. mit einer Gefäßpunktion verbundene) Darstellung von Gefäßen durch direkte Kontrastmittelgabe. Üblicherweise wird die Angiographie als sog. Digitale Subtraktionsangiographie (DSA, s.u.) durchgeführt. Die zusätzliche Behandlung von angiographisch erhobenen Befunden (z.B. Gefäßengstellen) wird als minimal-invasive bzw. endovaskuläre Therapie bezeichnet.

Am Institut für Klinische Radiologie werden unter anderem die folgenden minimal-invasiven Eingriffe durchgeführt:

Behandlung von Verengungen / Verschlüssen von Arterien und Venen bei

  • Peripherer arterieller Verschlusskrankheit, pAVK (Schaufensterkrankheit) oder Diabetes mellitus
  • Nierenarterien bei Bluthochdruck oder Einschränkung der Nierenfunktion
  • Eingeweidearterien (A. mesenterica superior / Truncus coeliacus) bei Angina abdominalis oder Vasculitis
  • Halsschlagader (A. carotis)
  • Verschluss oder Verengung von Dialyseshunts
  • Thrombosen (Bildung eines Blutgerinnsels vor Ort im Gefäß)
  • Embolien (Verschleppung von Blutgerinnseln mit akutem Gefäßverschluss)
  • Verengung der Vena cava superior mit Einflussstauung z.B. bei Tumorerkrankungen oder nach Bestrahlung

Hierfür stehen alle derzeit verfügbaren katheter-gestützten Therapieverfahren zur Verfügung, wie z.B.

  • Klassische Ballonangioplastie (Ballonaufdehnung)
  • Medikamentenbeschichtete Ballonkatheter
  • Klassische Gefäßstützen (Stents, ballonaufdehnbar oder hochflexibel)
  • Medikamentenbeschichtete Ballonkatheter
  • Abdichtende Gefäßstützen (Gecoverte Stents)
  • Atherektomie (Abtragung von Gefäßwandverengung)
  • Mechanische Thrombektomie (Entfernung von Blutgerinnseln)
  • Klassische Thrombolyse (Auflösung von Blutgerinnseln)
  • Ultraschallgestützte Thrombolyse (Auflösung von Blutgerinnseln)
  • CTO-Katheter (Katheter zur Behandlung langer, chronischer Gefäßverschlüsse)

 

Behandlung von Aussackungen / Erweiterungen von Gefäßen (Aneurysmen)

  • Aneurysmen der Bauchschlagader (in Kooperation mit den Kollegen der Gefäßchirurgie)
  • Aneurysmen der Eingeweidearterien
  • Sonstige Aneurysmen

Auch hierfür steht die neueste Technologie zur Verfügung, einschließlich sogenannter Multilayer- bzw. Flow-Diverter-Stents, gecoverter Stentgrafts und fenestrierter Stentgrafts sowie Sandwich- und Chimney-Stent-Techniken.

Therapeutischer Verschluss von Blutgefäßen oder Endoleckagen bei

  • Uterusmyomen (Gebäßmuttermyomen)
  • Sonstigen gut- oder bösartigen Tumoren (z.B. Angiomyolipome)
  • Varikozele (Krampfader am Hoden)
  • Venous congestion Syndrom (Krampfadern im weiblichen Becken)
  • Gefäßmissbildungen
  • Arterio-venöse Kurzschlussverbindungen (AV-Fisteln)
  • Endoleckage / Endoleak (Undichtigkeit) nach Stent-Graft

Zum Einsatz kommen unter anderem moderne Partikel-Embolisate und Flüssigembolisate sowie neueste Embolisations-Spiralen.

Implantation von Venen-Verweilkathetern und Port-Systemen

zur Dialyse, Chemotherapie oder parenteralen Ernährung über Ports oder PICC-Katheter.

Weitere hochspezialisierte Eingriffe

  • Radiofrequenzablation der Nierenarterie bei schlecht einstellbarem Bluthochdruck (RFA der Nierenarterie, renale Denervierung)
  • Vena Cava Filter zur Prophylaxe der Lungenembolie

TIPSS

Anlage eines Stents zwischen Pfortader und Lebervenen (TIPSS) zur Entlastung eines portalen Hypertonus.

Untersektionen
Interstitielle Eingriffe
Vaskuläre Eingriffe
Station H7
Ambulanz für Mikrotherapie

 
 

 

Notfall-Interventionen

Telefon:

Montag bis Freitag

8-16 Uhr: 089-4400-73274

16-8 Uhr: 089-4400-44857

Samstag und Sonntag

0-24 Uhr: 089-4400-44857

 

Direkt-Links:

Therapie:

 
Diagnostik:

CEUS Workshop 2018

27. Interdisziplinärer CEUS Workshop: Gefäß- und Abdomensonographie

19.-21.11.2018 ab 09:00 Uhr, Hörsaal 8, Campus Großhadern

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Die Klinik und Poliklinik für Radiologie ist zertifiziert nach DIN ISO 9001:2015

Klinik und Poliklinik für Radiologie