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Hirnstimulationsverfahren

Nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren (ohne EKT)

Dabei handelt es sich um biologische, nichtinvasive, schmerzfreie Verfahren, bei denen mithilfe von fokalen Magnetfeldern oder eines nicht-fokalen Gleichstromes gezielt Gehirnbereiche therapeutisch moduliert werden können. Dazu gehören:

  • Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)
  • Theta-Burst-Stimulation (TBS)
  • Deep transkranielle Magnetstimulation (dTMS)
  • transkranielle Gleichstromstimulation (transcranial direct current stimulation - tDCS)

Gibt es Nebenwirkungen?

Diese Verfahren zeichnen sich durch ein günstiges Risiko-Nutzen-Profil ab und sind durch wenige Nebenwirkungen charakterisiert. Bei den Magnetstimulationsverfahren (TMS, TBS, dTMS) sind kurzfristige Kopfschmerzen die häufigste Nebenwirkung. Theoretisch kann durch diese Verfahren in sehr seltenen Fällen ein epileptischer Anfall ausgelöst werden, wobei diese Komplikation weltweit nur wenige Male und bei uns noch niemals beobachtet worden ist. Bei der Gleichstromstimulation ist ein leichtes Kribbeln bis Stechen während der Stimulation die häufigste Nebenwirkung. Theoretisch ist eine Hautverbrennung eine mögliche Behandlungskomplikation, aber durch fachgerechte Anwendung und technische Kontrollmechanismen handelt es sich um eine extrem seltene Komplikation. Vor jeder Therapie erfolgt eine gründliche körperliche und apparative Untersuchung, um Gegenanzeigen für die nicht-invasive Hirnstimulation zu erkennen.

Für welche Patienten sind sie geeignet?

Hirnstimulationsverfahren werden bei depressiven Erkrankungen eingesetzt, wenn antidepressive Medikamente und Psychotherapie nicht zufriedenstellend wirken. Bei Patienten mit einer Schizophrenie können diese Verfahren zur Behandlung anhaltender akustischer Halluzinationen verwendet werden. Auch Konzentrationsstörungen, Antriebsmangel und Initiativlosigkeit können durch einen Therapieversuch adressiert werden. Derzeit wird zudem geforscht, ob z. B. die nicht-invasive Hirnstimulation auch bei einem chronischen Tinnitus und dem Tourette-Syndrom wirksam ist.

Was passiert dabei?

Bei der nicht-invasiven Hirnstimulation sitzen die Patienten in einem bequemen Stuhl, um eine möglichst entspannte Haltung zu gewährleisten. Je nach Verfahren erfolgt die Stimulation entweder mit einer sogenannten Magnetspule oder mit Stimulationselektroden. Die Dauer der therapeutischen Sitzung kann abhängig vom Verfahren und der Indikation mit 3 bis 30 Minuten angegeben werden. Die Frequenz der Behandlung variiert zwischen 5 bis 20 Tagen, wobei an Wochenenden keine Behandlungen erfolgen.



Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Diese Therapie wird auch Elektrokrampftherapie genannt oder oft mit EKT abgekürzt.
Sie ist nachweislich eine der wirksamsten Therapieformen für einige schwere psychiatrische und neurologische Erkrankungen.

Das Prinzip der EKT besteht in der Auslösung eines Krampfanfalls unter kontrollierten Bedingungen zu therapeutischen Zwecken. Dadurch kommt es zur Normalisierung verschiedener Überträgerstoffe im Nervensystem. Damit keine Verletzungsgefahr besteht, verhindert eine Narkose mit muskelentspannenden Medikamenten Muskelkrämpfe.

Das Risiko einer schweren Komplikation wird mit 1 : 50000 Behandlungen angegeben und liegt damit nicht höher als das allgemeine Narkoserisiko bei kleineren operativen Eingriffen wie dem Ziehen eines Zahns. Die EKT ist
damit eine der sichersten medizinischen Behandlungen unter Narkose geworden.

Für welche Patienten ist sie geeignet?

Vor allem für Patienten mit schweren und lebensbedrohlichen psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen, die auf medikamentöse Behandlungen nicht ausreichend ansprechen. So bessern sich in vielen z. B. therapieresistente Depressionen und bipolare Störungen mithilfe der EKT. Sie wird zudem bei bestimmten schizophrenen Psychosen eingesetzt und beim Tourette-Syndrom.

Was passiert dabei?

Eine EKT besteht aus einer Serie von sechs bis zwölf Einzelbehandlungen, wobei im Durchschnitt zwei bis drei Behandlungen pro Woche stattfinden. Es ist immer ein
Anästhesist anwesend. Die EKT wird immer von einem speziell dafür ausgebildeten Psychiater durchgeführt.

Vor einer Therapie klären wir die Patienten ausführlich über das Verfahren auf. Sie werden außerdem sorgfältig internistisch, neurologisch und psychiatrisch untersucht.

Die Behandlung selbst findet unter Narkose statt, mit der auch muskelentspannende Medikamente gegeben werden. Nach kurzer Ableitung eines Ruhe-EEGs, löst der behandelnde Psychiater über meist einseitige elektrische Stimulation, die nur wenige Sekunden dauert, den Krampfanfall aus. In der Regel ist er durch die zuvor eingeleitete Muskelentspannung kaum zu sehen. Die Behandlung wird permanent durch EEG- und EMG-Kurven (Elektromyogramm, Ableitung oberflächlicher Muskelaktionspotentiale) überwacht. Der Krampfanfall dauert ca. 30 bis 90 Sekunden und hört üblicherweise von selbst wieder auf.

Von den Patienten wird die EKT meist sehr unspektakulär beschrieben. Denn durch die Narkose bekommen sie von der eigentlichen Behandlung nichts mit. In manchen Fällen können anschließend vorübergehende Kopfschmerzen, eine kurzzeitige Störungen der Orientierung oder des Gedächtnisses als Nebenwirkungen auftreten.


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