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Bipolare Störung

krankh_bipolar2Menschen, die unter einer Bipolaren Störung leiden, erleben immer wieder eine emotionale Berg- und Talfahrt. Das gesamte Denken und Fühlen ist durch die Krankheit so stark beeinträchtigt, dass alle Bereiche des Lebens beeinflusst werden. Die Bipolare Störung oder Bipolare affektive Störung ist auch unter dem Namen „manisch-depressive-Störung“ bekannt. In den manischen Phasen sind Betroffene stark angetrieben, ideenreich, voller Energie und oft extrem leistungsfähig. Das Schlafbedürfnis sinkt. Häufig wird das Hochgefühl auch durch extreme Gereiztheit ersetzt. Bei schweren Manien kann es auch zu Größenwahn oder Halluzinationen (Trugwahrnehmungen) kommen. Völlig gegenteilig sind die depressiven Phasen: Diese zeichnen sich durch starke Bedrücktheit, Interesse- und Freudlosigkeit aus. Man fühlt sich leer und niedergeschlagen. Nicht selten leiden Betroffene unter Schuldgefühlen, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen und Appetitmangel. Die Menschen pendeln zwischen den beiden Polen, was für sie ein alltägliches Leben anstrengend bis unerträglich macht. Die Krankheit hat verschiedene Verläufe und Ausprägungen. Es können auch immer wieder ausgeglichene Zeiten dazwischen liegen.

Symptome

Manie

Wenn mindestens drei der folgenden Merkmale vorliegen und die Stimmung über eine Woche so gehoben oder gereizt ist, dass Sie sich beeinträchtigt fühlen ein alltägliches Leben zu führen, dann spricht man von einer Manie.

  • Gesteigerte Aktivität
  • Ruhelosigkeit
  • Rededrang
  • Ideenflucht
  • Gedankenrasen
  • Verlust sozialer Hemmungen
  • Vermindertes Schlafbedürfnis
  • Überhöhte Selbsteinschätzung
  • Ablenkbarkeit
  • Ständiger Wechsel von Aktivitäten
  • Tollkühnes oder rücksichtsloses Verhalten
  • Gesteigerte Libido


Es gibt auch die Form der Hypomanie. Betroffene leiden unter ähnlichen Symptomen, die jedoch schwächer ausgeprägt sind. Zudem sind die Menschen in der Lage, ihre Situation einzuschätzen und noch einen weitgehend normalen Alltag aufrecht zu erhalten, es kommt zu weniger Entgleisungen. Für eine Diagnose muss die veränderte Stimmungslage mindestens vier Tage lang vorhanden sein.

Depression

Über einen Zeitraum von zwei Wochen treten folgende Symptome auf:

  • Niedergeschlagene Stimmung
  • Verlust von Interesse und Freude
  • Antriebsmangel
  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • Selbstvorwürfe
  • Todes- und Suizidgedanken
  • Verminderte Denk- und Konzentrationsfähigkeit
  • Unentschlossenheit
  • Hemmungen
  • Schlafstörungen
  • Appetitstörungen


Mischform

Hier wechseln sich manische und depressive Symptome schnell ab oder treten gleichzeitig auf. Die Betroffenen sind z.B. getrieben aber mutlos, erregt aber handlungsunfähig. Es ist ein Widerspruch der Gefühle, der ein geregeltes Leben fast nicht möglich macht.

Ursachen

Es ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt, warum jemand an einer Bipolaren Störung erkrankt und das Zusammenspiel verschiedener Botenstoffe und Neurotransmitter im Gehirn durcheinander gerät. Obwohl genetische Faktoren eine Rolle spielen, ist es keine Erbkrankheit im klassischen Sinne. Auch psychosoziale Ursachen, wie belastende Lebenssituationen, können die Krankheit auslösen, vor allem schwere Traumata wie Unfälle oder Missbrauch. Die Erkrankung bricht meist dann aus, wenn der Betroffene extrem unter Stress steht. Zum ersten Mal treten Krankheitszeichen häufig zwischen der Pubertät oder als junger Erwachsener auf.

Diagnose

Im ärztlichen Gespräch erfassen wir zunächst Ihre aktuellen Beschwerden, Ihre Krankheitsvorgeschichte und Ihre soziale Situation. Um das Vorliegen einer organischen Erkrankung auszuschließen, führen wir außerdem körperliche Untersuchungen durch, wie zum Beispiel:

  • Vitalparameter (Blutdruck, Herzfrequenz, Gewicht, Körpergröße, Bauchumfang)
  • Blut und Urin-Untersuchungen
  • EEG-Untersuchung
  • EKG-Untersuchung
  • Bildgebung des Gehirns (zumeist Magnetresonanz (Kernspin)– oder Computertomographie)
  • Liquordiagnostik (Untersuchung des Nervenwassers), bei Verdacht auch Untersuchung spezieller Antikörper


Um möglicherweise weitere psychiatrische Begleiterkrankungen zu erfassen wenden wir weitere Verfahren an:

  • Fragebögen bzw. sogenannte „strukturierte Interviews“ zur Diagnosesicherung und Therapieplanung
  • Neuropsychologische Testung zur genauen Erhebung der Hirnleistungsfähigkeit

Therapie

Sie erhalten eine individuell abgestimmte Behandlung, die üblicherweise sowohl medikamentöse als auch psychotherapeutische und soziotherapeutische Angebote beinhaltet. Dazu gehören z.B.:

  • Teilnahme an Gruppen und Einzelgesprächen
  • Individuell abgestimmte Psychopharmakotherapie der begleitenden psychiatrischen Erkrankungen
  • Verhaltenstherapeutisch orientierte Einzel- und Gruppentherapie
  • Entspannungsverfahren (z.B. Progressive Muskelrelaxation)
  • Sozialtherapeutische Gruppen, Soziale Beratung und Begleitung
  • Training sozialer Kompetenzen und Fertigkeiten
  • Teilnahme an Musik-, Kunst- und Bewegungstherapie
  • Ergotherapie
  • Angehörigengespräche


Des weiteren können wir verschiedenen Hirnstimulationsverfahren wie die transkranielle Magnetstimulation (TMS), transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) oder auch Elektrokonvulsionstherapie (EKT) anbieten.

Ziel unserer Behandlungen ist auch die Psychoedukation. Das heißt, wir vermitteln unseren Patienten Wissen über Ursachen, Auslösesituationen, Symptome und Behandlungsstrategien. In Einzelgesprächen wird das Führen eines Stimmungstagebuchs („Life-Chart-Methode“) erläutert. Das hilft den Patienten und Ärzten, individuelle Stressoren zu identifizieren. Diese bilden die Basis für eine kognitive Verhaltenstherapie, die auf die Biografie des Patienten zugeschnitten ist.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychiatrische Phänomik und Genomik (IPPG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS: www.dgbs.de) arbeiten wir an der Integration eines sogenannten „Trialogischen Konzeptes“.  Dieses fördert die Kooperation zwischen Patienten, deren Angehörigen und den Ärzten und Therapeuten.


Wenn Sie glauben, Ihr Leben nicht mehr in den Griff zu bekommen und sich Ihrer Krankheit hilflos ausgeliefert fühlen, kann auch eine Aufnahme auf unserer Schwerpunktstation für Bipolare Störungen (Station B3) sinnvoll sein. Wir helfen Ihnen dabei, wieder ein erfülltes und soziales Leben zu führen.

Forschung

In Zusammenarbeit mit dem IPPG sowie verschiedenen nationalen und internationalen Zentren führen wir kontinuierlich wissenschaftliche Studien zur Erforschung der Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der bipolaren Störung durch.

Weitere Informationen

In unserer Klink führen wir unter der Schirmherrschaft des IPPG eine Spezialambulanz für Bipolare Störungen an die Sie sich wenden können. Infos unter:
bipolarambulanz@med.uni-muenchen.de
. Telefon: 089-4400-55546