Tagesklinikschwerpunkt Fibromyalgie

Was bedeutet Fibromyalgie/Fibromyalgiesyndrom?

Beim Fibromyalgiesyndrom (FMS) handelt es sich um eine nichtentzündliche Erkrankung des rheumatischen Formenkreises. Das FMS betrifft immerhin 2-4% der Bevölkerung, unter den Hilfe suchenden Betroffenen liegt das Geschlechterverhältnis meist bei 6-10 Frauen (F) zu 1 Mann (M). In einer Bevölkerungsquerschnittsuntersuchung anhand Abfrage der charakteristischen Symptomatik (Survey-Kriterien) lag das Verhältnis bei nur 1,2 F : 1 M.

Die Symptomatik des FMS ist vielfältig und in der Summe der verschiedenen Beschwerden für das Krankheitsbild charakteristisch (deshalb spricht man auch von einem FMS-SYNDROM (= Kombination gleichzeitig auftretender Symptome):

1) Die Patienten klagen über ausgeprägte Schmerzen am gesamten Körper (entlang der Körperachse, obere und untere sowie rechte und linke Körperhälfte), mit Schmerzspitzen wechselnder Lokalisation, vor allem im Bereich der Muskulatur und der Sehnenansatzstellen. Diese Schmerzen werden charakteristischerweise durch eine Vielzahl von Faktoren wie Stress, Kälte, Wetterwechsel, physische und psychische Überforderung verstärkt. Leichte Bewegung, Wärme in jeglicher Form (z.B. Sauna oder ein heißes Bad), Entspannung, bewusste Wahrnehmung von persönlich als angenehm empfundenen Dingen sowie ein erholsamer Schlaf haben in der Regel einen positiven Effekt auf die Schmerzen und deren als emotinal negativ empfundene Wahrnehmung. Ziel ist die Aufmerksamkeit auf schöne Dinge zu lenken, möglichst weg von Schmerzen, welche wenig verändert werden können.

2) Ein weiteres zentrales Symptom sind Schlafstörungen (Einschlaf- und/oder Durchschlafprobleme). Der Schlaf wird vom Patienten als nicht mehr erholsam erlebt. Daraus resultiert eine ausgeprägte Müdigkeit am Tage und Leistungseinbrüche mit verstärkter körperlicher und/oder geistiger Erschöpfbarkeit.

Die Symptome Ganzkörperschmerzen, nicht-erholsamer Schlaf sowie eine gesteigerte Erschöpfbarkeit sind die Kernsymptome, welche 97% aller FMS-Patienten betrifft.

 

3) Ein weiterer Symptomenkomplex sind psychovegetative Symptome. Die Patienten klagen häufig über leichte Reizbarkeit, über depressive Verstimmung und/ oder Ängste. Des weiteren werden meist zumindest einzelne vegetative Symptome wie z.B. kalte Hände/Füße, Mundtrockenheit, vermehrtes Schwitzen, Zittern, sowie brennende Füße, Gefühlsstörungen oder auch Schwellungen oder Schwellungsgefühle der Extremitäten angegeben.

Funktionelle Organbeschwerden, wie z.B. ein Globusgefühl, Reizdarm oder Reizblase sowie Palpitationen (Herzklopfen), Atemnot - jeweils ohne dass dafür strukturelle bzw. gefährliche  Veränderungen verantwortlich gemacht werden können - werden häufig von den Patienten beklagt.

 

Begleiterkrankungen (z.B. Kopfschmerzen wie Migräne, rezidivierende Spannungskopfschmerzen,  rheumatoide Arthritis sowie depressive- oder Angststörungen) können bei FMS- Patienten gehäuft auftreten. Das FMS ist definitiv keine psychichiatrische Erkrankung. Psychiatrische Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen treten zwar 3-4-fach häufiger als in der Durchschnittsbevölerung ohne FMS auf, sind aber nicht bei allen FMS-Patienten zu finden.

Die psychosozialen Folgen der Erkrankung für die Patienten und ihre Familien sind oft schwerwiegend. In Studien konnte gezeigt werden, dass FMS - Patienten eine ähnlich stark ausgeprägte Behinderung im Alltag aufweisen wie Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis. Durch die Symptomatik des FMS sind ein Teil der Betroffenen im Alltag und im Beruf behindert bzw. in ihrer Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt.

 

Eine wichtige Information ist, dass keine gefährlichen Veränderungen der Erkrankung zu Grunde liegen, damit FMS_Betroffene nicht befürchten müssen, früher zu sterben oder im Rollstuhl zu landen. Allerdings können wir keine Heilung in Aussicht stellen. Dafür können wir mit Information und individuellen Therapieempfehlungen mit Fokus auf Erhalt und Verbesserung von Funktionsfähigkeit und Lebensqualität diese - bei Berücksichtigung bio-psycho-sozialer Einflussfaktoren bei Offenheit der FMS-Patienten für neue Strategien -  verbessern.

 

 

Diagnosestellung des FMS

Die Diagnosestellung bedeutet bei vielen FMS-Patienten endlich ernst genommen zu werden, mit der Diagnosestellung endlich einen langen Kampf auf einer Diagnostik-Odyssee beenden zu können und damit Energie zu gewinnen für möglichst alle Lebensbereiche und für verschiedene dosierte Aktivitäten, die gut tun (Ressourcen).

Die Diagnose wird aufgrund des oben geschilderten charakteristischen klinischen Bildes gestellt. In den S3-Leitlinien zum Fibromyalgiesyndrom wird das systematische Vorgehen zur Erfassung der charakteristischen Symptome für die Diagnosestellung des FMS und möglicher Begleiterkrankungen sowie möglicher Differentialdiagnosen und für Therapieempfehlungen notwendigerweise zu erfassende Aktivitätseinschränkungen im täglichen Leben beschrieben.

 

In unserer Klinik bieten wir Arzttermine zur Einordnung vorhandener Beschwerden und ggf. zur Diagnosestellung des FMS mit Erstellung eines Therapiekonzeptes an. Voraussetzung dafür ist, dass uns der - mit folgendem Link abzurufende - Fragebogen inklusive Kopien zu verschiedensten Berichten bereits durchgeführter Diagnostik zugesendet wird. Nach postalischen Eingang des Fragebogens erfolgt eine möglichst rasche Terminvergabe.

Fragebogen für Terminvergabe

 

Unser Tagesklinikprogramm

Bisher wurden seit 1999 über 3000 Fibromyalgie-Patienten in multimodalen 4-wöchigen (20-tägigen, 5 Tage/Woche) teilstationären Gruppentherapieprogrammen behandelt. In kleinen Gruppen können die Fibromyalgie-Patienten Erfahrungen sammeln, üben, trainieren, Schulung und Information zum Umgang mit ihrer Erkrankung erhalten und sich austauschen. Die intensiven Tagesklinikprogramme wurden Fibromyalgie-spezifisch entwickelt, ein ganzheitlicher Therapieansatz unter Berücksichtigung des bio-psycho-sozialen Schmerzmodells mit Information zum Fibromyalgiesyndrom und dem Schwerpunkt Anleitung zur Selbsthilfe soll die Betroffenen zu mehr Lebensqualität und Lebensfreude führen.

In der ambulanten bzw. teilstationären Sprechstunde wird nach Diagnosestellung Fibromyalgiesyndrom die Indikation für ein teilstationäres Tagesklinikprogramm überprüft. Terminvereinbarung bzw. Anforderung des für die Terminvergabe notwendigen Fragebogens über telefonisch (089-4400-52495) oder per E-Mail über das Sekretariat der Tagesklinik für Fibromyalgie.

Seit 2011 wird eine Anzahl von 9 4-wöchigen und 5 1-wöchigen (5-tägige) Behandlungsprogramme für Fibromyalgiepatienten nach Indikationsstellung in unserer Ambulanz/ Tagesklinik für Fibromyalgie angeboten.

 

Unsere Ziele

Ziele des Programms sind es, die Lebensqualität und Lebensfreude zu steigern: die Aufmerksamkeit wird auf individuelle Stärken gelenkt, am besten werden auch neue Ressourcen/ Kraftquellen mit Informationen und Erfahrungen mit verschiedenen Reizen erschlossen, damit diese nach Anleitung eigenverantwortlich bewusst für einen verbesserten Umgang mit den vorhandenen Beschwerden bei FMS eingesetzt werden können. Unter anderem ist das Ziel Freude an Bewegung zu vermitteln und dabei Gelenkbeweglichkeit und -stabilität zu verbessern, die Muskulatur zu kräftigen und körperliche Fitness und Ausdauer zu steigern. Außerdem gilt es auch zu lernen inne zu halten, z.B. indem kurze Pausen in den Alltag eingebaut werden, diese bewusst zu nutzen sich Gutes zu tun, zu entspannen/ zu genießen. Darüber hinaus kommen Strategien zur Schmerzakzeptanz zum Einsatz, die sich positiv auf die Schmerztoleranz auswirken. Im Umgang mit Ihrer Erkrankung und in Selbsthilfemaßnahmen werden Sie gezielt geschult.

 

Unsere Fragebögen

Im Rahmen der Tagesklinik erhalten Sie zu unterschiedlich festgelegten Zeitpunkten Fragebögen zu Ihrer Erkrankung, zu Symptomen und den Krankheitsfolgen. Dies dient für Sie persönlich dazu, ein möglichst genaues Bild über Ihre Krankheit, deren Folgen und die Veränderungen nach der Teilnahme an unserem Therapieprogramm zu bekommen. Zudem können wir hierdurch Anregungen für eine Weiterentwicklung des Therapieprogramms gewinnen und es wissenschaftlich begleiten. Ihre Angaben werden vertraulich behandelt und sind vor dem Zugriff unberechtigter Personen geschützt.

 

Was wird in der Tagesklinik gemacht?

Physiotherapie

Ein zielgerichtetes Training kräftigt die Muskulatur und verbessert Ihre Ausdauer, Gelenkbeweglichkeit und -stabilität. Das Ausdauer-, Koordinations- und Gleichgewichtsvermögen wird gesteigert. Die Gangsicherheit wird gefördert. Einer schmerzbedingten Schonhaltung wird vorgebeugt. Während und am Ende der Tagesklinik erhält jeder Patient ein persönliches Heimübungsprogramm.

 

Psychologie

Eine chronische Erkrankung, insbesondere das Fibromyalgiesyndrom, bringt häufig Veränderungen im Alltag mit sich, die eine deutliche Minderung der Lebensqualität und der Lebensfreude beinhalten können. Hier erlernen Sie Eigenverantwortung zu übernehmen, Selbsthilfestrategien und Entspannungstechniken, die Ihnen eine flexible Anpassung an die Lebenssituation mit der Erkrankung ermöglichen. Zentral ist zudem das Thema Schmerzakzeptanz, was bedeutet, den Schmerz beobachten zu lernen und anzunehmen, gleichzeitig aber auch Möglichkeiten zu finden, von dem Schmerz nicht vereinnahmt zu werden und dennoch ein zufriedenstellendes Leben zu führen.

 

Ergotherapie

Hier lernen Sie im Rahmen einer strukturierten Schulung Fehlbelastungen und Überlastungen der Gelenke und Muskeln in Ihrem Alltag zu vermeiden sowie Strategien für den verbesserten Umgang mit körperlicher und/oder geistiger Erschöpfung (Fatigue-Konzept). Zudem werden Ihnen unterschiedliche ergonomische Funktionshilfen vorgestellt, die Ihren Alltag erleichtern können.

 

Bäderabteilung

Zur Linderung Ihrer Schmerzen und zur Aktivierung Ihrer Sensorik erlernen Sie verschiedene passive Maßnahmen aus den Bereichen Hydrotherapie (= Therapie mit Wasser) und Thermotherapie (= Therapie mit Wärme und Kälte), die Sie selbständig im Alltag umsetzen können. Einige FMS-Betroffenen lernen bei Offenheit für Erfahrungen mit verschiedensten Reizen (auch für vermeintlich unangenehme Reize wie lokale Kälte oder Strom) damit neue Ressourcen/Strategien bzw. Werkzeuge zur Selbsthilfe kennen.

 

Ärztliche Information

Durch ausführliche Informationen über das Krankheitsbild, medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeiten lernen Sie, Ihre Erkrankung besser einzuschätzen und mit ihr umgehen zu können. Spezifische Probleme können sie in Einzelgesprächen und Untersuchungen mit unseren Ärzten klären.

Außerdem wird auf Beschwerden des Reizmagens/-darms eingegangen sowie dabei auf Einflussfaktoren auf verschiedenen Fibromyalgie-typische Symptome und Einflussmöglichkeiten durch eine bewusste Ernährung mit Genuss.

 

 

Ärztliche Leitung der Tagesklinik für Fibromyalgie: Herr Dr. med. A. Winkelmann

Therapeutische Leitung der Tagesklinik für Fibromyalgie: Herr Martin Fischer

 


 

 
 

Termine

 

  • Termine Klinikum Großhadern:

    privat      089/4400-74076
    gesetzl.  089/4400-74073 o. -74074

    Therapiedisposition  089/4400-77096

 

  • Termine Klinikum Innenstadt:

    089/4400-52425 o. -57644

Direktor / Leitung

Klinikdirektor


Prof. Dr. Dipl.-Ing. V. Jansson

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Geschäftsführender Oberarzt




PD Dr. med. E. Kraft


Sekretariat Telefon:

089 / 4400 - 74051