Nutzen-Risiko-Abwägung

Therapieentscheidungen verlangen ein sorgfältiges Abwägen von Nutzen und Risiken für jeden einzelnen Patienten. Bei der Arzneimitteltherapie stellen wir den potentiellen Nutzen der eingesetzten Medikamente einerseits den möglichen Risiken andererseits gegenüber. Soll ein Patient Mischinfusionen erhalten, müssen wir deshalb neben dem bekannten Spektrum an Nebenwirkungen auch solche Risiken in unsere Überlegungen einbeziehen, die sich durch Inkompatibilitäten und unzureichende Stabilität ergeben könnten. Leitend ist dabei der Gedanke:
Die Infusionstherapie darf für den Patienten kein zusätzliches Sicherheitsrisiko bedeuten!

 

Auch Faktoren im Versorgungsumfeld spielen bei solchen Überlegungen eine Rolle und können die Nutzen-Risiko-Abwägung beeinflussen. Beim stationären Aufenthalt im Krankenhaus stehen rund um die Uhr geschultes Personal und geeignete technische Hilfsmittel zur Verfügung. Das Fachpersonal kann auch mehrmals täglich Kurzinfusionen zubereiten und anhängen, sofern die Personalkapazität das erlaubt, und deren Verlauf überwachen. Anders verhält es sich bei Patienten, die zu Hause versorgt und nur punktuell von einem Pflegedienst betreut werden. Hier fehlt neben den technischen Hilfsmitteln auch die durchgehende Überwachung, die in der Klinik möglich ist. Die punktuelle Versorgung zwingt dabei zwar zu Kompromissen; dennoch sind die Risiken hier besonders gut abzuwägen und zu beachten, wenn man Medikamente ohne Kompatibilitätsdaten kombiniert.
 

Beispiel:

Vor allem bei Pumpen mit Bolusfunktion ist zu berücksichtigen, dass der Patient mit jeder Bolusgabe alle enthaltenen Medikamente in einer zusätzlichen Dosis erhält. In solchen Fällen empfehlen wir dringend, alternative Applikationsschemata zu diskutieren, z. B. zwei Pumpen oder Bedarfsmedikation über anderen Applikationsweg wie intranasal, rektal oder über einen zusätzlichen s.c.-Zugang.