Behandlungsspektrum

Das Fachgebiet der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie stellt im Klinikum und innerhalb der medizinischen Fakultät die Nahtstelle zwischen Medizin und Zahnmedizin dar. Die Facharztausbildung zum Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen erfordert ein abgeschlossenes Medizin- sowie ein abgeschlossenes Zahnmedizinstudium. In der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität München werden zudem Zahnärzte zu Fachzahnärzten für Oralchirurgie ausgebildet. Nach Abschluss der Facharztausbildung zum Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen ist die Erlangung der Zusatzbezeichnung „Plastische Operationen“ in einer zusätzlichen 3-jährigen Weiterbildung möglich.

 

An der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität München sind etwa 20 Ärzte und Zahnärzte beschäftigt.

 

Aufgaben in der Patientenversorgung

Die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität München befasst sich mit der Diagnostik und der Behandlung von chirurgischen Erkrankungen im Bereich der Mundhöhle, der Kiefer, des Gesichtes und der oberen Halspartien. Je nach Schweregrad erfolgt die Behandlung ambulant oder stationär. Folgende Gruppen von Erkrankungen werden diagnostiziert und behandelt:

 

Chirurgische Erkrankungen im Bereich der Zähne und des Alveolarfortsatzes

Dazu gehören operative Zahnentfernungen, Wurzelspitzenresektionen sowie die Behandlung von Zysten der Kiefer. Es werden Zahnentfernungen auch bei Patienten mit Allgemeinerkrankungen und gestörter Blutgerinnung vorgenommen.

 

Behandlung von Entzündungen der Knochen und der Weichteile in der Mund-Kiefer-Gesichtsregion

Hierzu zählen Abszesse und Eiterungen der Knochen und der Weichteile, entzündete Kieferhöhlen und sonstige entzündliche Prozesse, beispielsweise infizierte Zysten.

 

Behandlungen von Frakturen des Gesichtsschädels und von Weichteilwunden im Gesichtsbereich

Brüche des Ober- und des Unterkiefers werden je nach Befund konservativ oder operativ behandelt. Verletzungen der Weichteile, auch Verletzungen von Nerven, werden entsprechend versorgt, zum Teil unter Heranziehung mikrochirurgischer Techniken (Operationsmikroskop). Bei entsprechendem Beschwerdegrad und Lokalisation von Verletzungen und Brüchen erfolgt die Versorgung in Zusammenarbeit mit benachbarten Fachgebieten, beispielsweise mit der Neurochirurgie oder der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

Auch Sekundärfolgen von Verletzungen wie Narbenbildungen und Fehlstellungen der Kiefer werden behandelt.

 

Behandlung angeborener Fehlstellungen der Kiefer (Dysgnathien)

Fehlstellungen von Ober- und Unterkiefer werden operativ korrigiert. Dies erfolgt teilweise durch Verlagerung von Kieferanteilen, die in der Neuposition dann verschraubt werden. Zudem ist eine Verlängerung von Kieferknochen durch die sogenannte Distraktionsosteogenese möglich. Diese Behandlung erfordert eine enge Koordination insbesondere mit den Kieferorthopäden. Aus diesem Grund wird mit der Poliklinik für Kieferorthopädie der Universität München eine gemeinsame und interdisziplinäre Sprechstunde für kieferorthopädische Chirurgie unterhalten.

 

Behandlung angeborener Fehlbildungen

Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und anderen angeborenen Fehlbildungen werden operativ behandelt. In diesem Rahmen werden sowohl die primären Operationen als auch Korrekturoperationen durchgeführt. Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Poliklinik für Kieferorthopädie, der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik sowie der Kinderklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital. Im Bereich kraniofazialer Fehlbildungen besteht eine Zusammenarbeit mit der chirurgischen Klinik und dem Dr. von Haunerschen Kinderspital.

 

Implantologie und präprothetische Chirurgie

Künstliche Zahnwurzeln, sogenannte zahnärztliche Implantate, werden zum Ersatz verlorengegangener Zähne in den Kieferknochen eingesetzt, um darauf Kronen, festsitzende Brücken, aber auch abnehmbare Prothesen oder Teilprothesen zu verankern. Zahnärztliche Implantate sind heute zumeist aus Titan und haben die Form von Schrauben. Bei ausreichendem Knochenangebot können sie direkt in die dafür vorgesehene Stelle des Kiefers eingesetzt werden. Bei nicht ausreichendem Knochenangebot müssen zum Teil vor oder während der Implantation chirurgische Maßnahmen durchgeführt werden, um das sogenannte Implantatlager zu verbessern. Diese Maßnahmen können sowohl in einer Transplantation von körpereigenem Knochen, dem Ersatz von Knochen durch Knochenersatzmaterialien (meist auf Keramikbasis) oder in der Durchführung einer Distraktionsosteogenese bestehen. Zudem sind gelegentlich Eingriffe an dem Weichgaumen, zum Beispiel die Schaffung eines anatomisch und funktionell zufriedenstellenden Mundvorhofs, sogenannte Mundvorhofplastiken, oder ähnliches notwendig. Präprothetisch-chirurgische Eingriffe werden in enger interdisziplinärer Abstimmung mit der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik der Universität München durchgeführt.

 

Behandlung gutartiger und bösartiger Tumoren

Die Art und das Ausmaß der chirurgischen Behandlung ist für unterschiedliche Tumoren verschieden und richtet sich im Wesentlichen nach dem Gewebebefund (Histologie), Sitz und Ausdehnung des Tumors und dem Allgemeinzustand des Patienten. Bei bösartigen Tumoren besteht vor allem eine Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universität München.

 

Kiefergelenkerkrankungen

In der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität München wird eine nicht-invasive und invasive (Arthroskopie) Kiefergelenkdiagnostik sowie eine chirurgische Therapie von Kiefergelenkerkrankungen durchgeführt. Die Durchführung der Behandlung erfolgt in enger Abstimmung mit der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik.

 

 

Plastische und Wiederherstellungschirurgie

Patienten mit angeborenen oder erworbenen Defekten der Weichteile des Gesichtes und des Halses sowie der Kieferknochen werden beraten und gegebenenfalls behandelt. Zum Ersatz verlorengegangenen Gewebes werden sowohl Weichteile als auch Knochenanteile transplantiert. Diese Transplantationen erfolgen je nach Problemstellung mit verschiedenen Techniken, teilweise als sogenannte freie, teilweise als gestielte, teilweise als mikrochirurgische Gewebetransplantationen.

Neben wiederherstellenden Eingriffen werden auch kosmetische Eingriffe an den Gesichtsweichteilen und an den Kieferknochen durchgeführt. Dazu zählen unter anderem Nasenkorrekturen, Kinn- und Jochbeinaufbauten, Gesichtshautstraffungen und Gesichtsplastiken.