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Prävention und Immunmodulation

Die Arbeitsgruppe ‚Prävention und Immunmodulation‘ hat seit vielen Jahren ihren Sitz im Helmholtz-Zentrum gegenüber dem Klinikum. Über einen Kooperationsvertrag ist es möglich, die dort vorhandene exzellente Infrastruktur zu nutzen.

 

Schwerpunkte

Epstein Barr-Virus

Das Epstein Barr-Virus (EBV) ist ein Herpesvirus, das fast alle Personen auf der ganzen Welt infiziert. Die Erstinfektion erfolgt meist im Kindesalter und verläuft unauffällig. Nur in den hoch entwickelten Industrieländern infizieren sich immer mehr Menschen erst als Jugendliche oder gar Erwachsene. Viele dieser Personen entwickeln dann eine Infektiöse Mononukleose (auch bekannt als Pfeiffer‘sches Drüsenfieber), eine belastende, aber in der Regel folgenlos ausheilende Erkrankung. Danach verbleibt das Virus lebenslang in seinem Wirt, meist ohne große Probleme zu verursachen.

Andererseits war EBV das erste Tumorvirus des Menschen, das vor mehr als 50 Jahren entdeckt wurde. Heute weiß man, dass EBV an der Entstehung von etwa 200.000 Krebsfällen pro Jahr weltweit beteiligt ist, ohne den genauen Beitrag des Virus zur Tumorentstehung zu verstehen. Zu diesen Tumoren gehören u.a. das Hodgkin Lymphom, eine Untergruppe von Magenkrebs und – im HNO-Bereich – das Nasopharynxkarzinom (Nasenrachenkrebs) , das in manchen Gebieten Südostasiens die häufigste Todesursache junger Erwachsener darstellt.

Auch bei Patienten mit Immundefekten, wie z.B. Transplantationspatienten, kann EBV lebensbedrohlich werden, da es bestimmte Zellen des Immunsystems zur unkontrollierten Zellteilung anregt.

Im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) arbeiten wir daher an der Entwicklung eines wirksamen und zugleich sicheren Impfstoffs gegen EBV, sowie an neuen Möglichkeiten zur gezielten Behandlung EBV-positiver Tumoren.

 

Monoklonale Antikörper zur Therapie und Diagnostik

Monoklonale Antikörper gelten heute als viel versprechende, präzise Werkzeuge für die Therapie und Diagnostik von Krebserkrankungen. Besonders in Kombination mit etablierten Therapien können sie die Prognose von Patienten verbessern. Aufgrund ihrer hohen Spezifität lassen sie sich aber ebenso für diagnostische Zwecke verwenden; beispielsweise für bildgebende Verfahren oder den Nachweis von Tumorerkrankungen an Gewebeproben oder im Blut.

Der zweite Schwerpunkt der Arbeitsgruppe ist daher die Entwicklung neuer monoklonaler Antikörper mit therapeutischem und/oder diagnostischem Potential. Kooperationen mit verschiedenen Kliniken ermöglichen es uns, diese Antikörper rasch klinisch zu validieren. Unser am weitesten entwickelter Antikörper wird ab Mitte 2018 im Rahmen einer klinischen Studie an Patienten mit bösartigen Tumoren des Gehirns (Glioblastomen) eingesetzt werden. Er soll gezielt Tumorzellen, die nach der operativen Entfernung des Tumors im Gehirn verblieben sind zerstören und so das Wiederauftreten der Erkrankung nach der Operation möglichst weit hinauszögern. Wir hoffen, dadurch das Überleben der Patienten deutlich verlängern zu können. Unser mittelfristiges Ziel ist es, weitere Antikörper zu entwickeln, die zur unterstützenden (‚adjuvanten‘) Behandlung bei verschiedenen Tumorerkrankungen eingesetzt werden können und zu effizienteren und besser verträglichen Tumortherapien beitragen.

 

Mitarbeiter/-innen

Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des KUM und des HMGU zusammen.

Elena Cárcaba

Judith Dünzkofer

Susanne Fackler

Kathrin Gärtner

Corinna Hüls

Markus Kellner

Bettina von Neubeck

Reinhard Zeidler (Gruppenleiter)

Wechselnde studentische Mitarbeiter/-innen

 

Patente und Patentanmeldungen

Mehrere Patente und -anmeldungen zu monoklonalen Antikörpern und einem EBV-Impfstoff auf Basis so genannter ‚virus-like particles‘.

 

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)

Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBF)

Helmholtz-Validierungsfonds (HVF)

Bayerische Forschungsstiftung

Helmholtz-Zentrum München für Gesundheit und Umwelt (HMGU)

Marga und Walter Boll-Stiftung

Life Science-Stiftung München

 

Wissenschaftliche Kooperationen

Lokal

  • Neurochirurgische Klinik und Poliklinik, Klinikum der Universität (KUM)
  • Klink und Poliklinik für Nuklearmedizin, KUM
  • Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, KUM
  • Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung, KUM
  • Helmholtz-Zentrum München für Gesundheit und Umwelt (HMGU)
  • Klinikum Rechts der Isar

 

National

  • Abt. Regenerative Immuntherapien, Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
  • Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Uniklinikum Essen
  • Institut für Transfusionsmedizin, Uniklinikum Essen
  • Institut für Umweltmedizin, Universität Freiburg
  • Klinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Münster

 

International

  • Aalborg Universitetshospital, Dänemark
  • Università degli Studi di Torino, Italien
  • Instituto di Biostrutture e Bioimmagini, Università di Napoli, Italien
  • Centre Léon Bérard, Lyon, Frankreich

Daneben unterhält die Arbeitsgruppe verschiedene Kooperationen mit Unternehmen im In- und Ausland.

 

Ausgewählte Publikationen

Ruiss, R., Jochum, S., Wanner, G., Reisbach, G., Hammerschmidt, W., & Zeidler, R. (2011). A virus-like particle-based epstein-barr virus vaccine. J Virol, 85(24), 13105-13113.

Ruiss, R., Jochum, S., Mocikat, R., Hammerschmidt, W., & Zeidler, R. (2011). EBV-gp350 Confers B-Cell Tropism to Tailored Exosomes and Is a Neo-Antigen in Normal and Malignant B Cells-A New Option for the Treatment of B-CLL. PLoS One, 6(10), e25294.

Battke, C., Kremmer, E., Mysliwietz, J., Gondi, G., Dumitru, C., Brandau, S. et al. (2011). Generation and characterization of the first inhibitory antibody targeting tumour-associated carbonic anhydrase XII. Cancer Immunol Immunother, 60(5), 649-658.

Battke, C., Ruiss, R., Welsch, U., Wimberger, P., Lang, S., Jochum, S. et al. (2011). Tumour exosomes inhibit binding of tumour-reactive antibodies to tumour cells and reduce ADCC. Cancer Immunol Immunother, 60(5), 639-648.

Ruiss, R., Ohno, S., Steer, B., Zeidler, R., & Adler, H. (2012). Murine gammaherpesvirus 68 glycoprotein 150 does not contribute to latency amplification in vivo. Virol J, 9(1), 107.

Jochum, S., Ruiss, R., Moosmann, A., Hammerschmidt, W., & Zeidler, R. (2012). RNAs in Epstein-Barr virions control early steps of infection. Proc Natl Acad Sci U S A, 109(21), E1396-404.

Jochum, S., Moosmann, A., Lang, S., Hammerschmidt, W., & Zeidler, R. (2012). The EBV Immunoevasins vIL-10 and BNLF2a Protect Newly Infected B Cells from Immune Recognition and Elimination. PLoS Pathog, 8(5), e1002704.

Gondi, G., Mysliwietz, J., Hulikova, A., Jen, J. P., Swietach, P., Kremmer, E. et al. (2013). Antitumor efficacy of a monoclonal antibody that inhibits the activity of cancer-associated carbonic anhydrase XII. Cancer Res, 73(21), 6494-6503.

Lee, J. H., Wittki, S., Brau, T., Dreyer, F. S., Kratzel, K., Dindorf, J. et al. (2013). HIV Nef, Paxillin, and Pak1/2 Regulate Activation and Secretion of TACE/ADAM10 Proteases. Mol Cell, 49(4), 668-679.

Rancan, C., Schirrmann, L., Huls, C., Zeidler, R., & Moosmann, A. (2015). Latent Membrane Protein LMP2A Impairs Recognition of EBV-Infected Cells by CD8+ T Cells. PLoS Pathog, 11(6), e1004906.