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Allergologie

Folgende Schwerpunkte bilden derzeit den wissenschaftlichen Fokus der Arbeitsgruppe:

 

Diagnostik:

Nasensekretanalytik: Untersuchungen im Nasensekret mit Charakterisierung von krankheitsspezifischen Zytokinprofilen erlauben Einblicke in die pathophysiologischen Vorgänge. Moderne „Multiplex-Verfahren“, die die Bestimmung von bis zu 27 verschiedenen Mediatoren in wenigen µl Serum erlauben, konnten von uns in die Nasensekretanalytik implementiert werden und bereicherten das Untersuchungsspektrum beträchtlich. Hier ließen sich durch mehrere Studien klare Unterschiede zwischen allergischer und nicht-allergischer Rhinitis herausarbeiten.

Allergenprovokationsmodell: Unsere Arbeitsgruppe konnte erstmals an einem Kollektiv von mehr als 1700 Patienten Normwerte für Parameter im Nasensekret definiert. Weiterhin konnten relevante Unterschiede im Zytokinmuster bei verschiedenen chronisch entzündlichen, nasalen Erkrankungen herausgearbeitet werden, welche wesentlich zum Verständnis der ablaufenden pathophysiologischen Prozesse beitragen. Mittels repetitiver Nasensekretgewinnungen ist die allergische Früh- und Spätphase im Provokationsmodell nunmehr auch in-vitro analysierbar.

Die nasale Funktionsdiagnostik basiert im klinischen Alltag auf der aktiven, anterioren Rhinomanometrie. Schwächere Effekte auf den nasalen Volumenfluß, wie sie beispielsweise im Rahmen der allergischen Spätphase auftreten, sind hiermit nicht erfassbar, weil sie vom nasalen Zyklus überlagert werden. Weiterhin spiegelt die Rhinomanometrie lediglich eine Momentaufnahme der nasalen Obstruktion wider und wird damit der Dynamik des nasalen Volumenflusses nicht gerecht. Methoden wie die optische oder akustische Rhinometrie, die Rhinoresistometrie oder die Langzeitflowmetrie wurden in mehreren Studien untersucht und die Methoden in den klinischen Alltag der Klinik transferiert.

 

Spektrum allergischer Beschwerden und Lebensqualität:

Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch nasale Erkrankungen finden seit Ende des letzten Jahrhunderts eine zunehmende Beachtung. Im Bereich der allergischen Rhinitis äußert sich dies beispielsweise in Riech- und Schlafstörungen. Dies wurde in mehreren Publikationen thematisiert. Weiterhin konnten wir in einer prospektiven Studie die Besserung der krankheits-bezogenen Lebensqualität durch rhinochirurgische Eingriffe aufzeigen.

Der Geruchs- und der Geschmackssinn stellen ganz wesentliche menschliche Sinnesqualitäten dar. Einerseits haben wir Einflüsse auf das Riechvermögen durch z.B. eine allergische Rhinitis studiert. Andererseits konnte in einer Grundlagenarbeit die Erstbeschreibung von Geschmacksrezeptoren im menschlichen Vomero-Nasal-Organ auf DNA- und Protein-Ebene realisiert werden. Funktionelle Tests schließen sich in aktuell laufenden Projekten an.

In Kooperation mit dem Interdisziplinären Schlaflabor der LMU wurden Einflüsse verschiedener Rhinopathien auf das Schlafverhalten und insbesondere auf das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) untersucht. Eine seltene Form der nicht-atopischen Rhinitis, das Nicht-Allergische-Rhinitis-mit-Eosinophilen-Syndrom (NARES), konnte dabei als Risikofaktor für ein OSAS herausgearbeitet werden.

 

Nicht-atopische Rhinitis:

Die allergische Rhinitis gilt mit einer geschätzten Prävalenzrate von ca. 20 % der Allgemeinbevölkerung in westlichen Industriestaaten als Volkserkrankung. Nicht-atopische Formen der Rhinitis sind nach aktuellen Schätzungen sogar häufiger. Vom klinischen Erscheinungsbild sind diese Erkrankungen nicht sicher gegeneinander abgrenzbar. Bei der nicht-atopischen Rhinitis werden derzeit verschiedene pathophysiologische Konzepte diskutiert. So beschäftigt sich unsere Arbeitsgruppe damit, die Pathophysiologie unterschiedlicher Rhinitis-Formen genauer zu beleuchten mit dem Ziel, unterschiedliche Krankheitsentitäten besser voneinander abgrenzen und hierdurch Patienten schlussendlich spezifischer behandeln zu können.

 

Polyposis nasi:

Chronische Erkrankungen der Nasennebenhöhlen sind ebenfalls sehr häufige Krankheitsbilder und beeinflussen die Lebensqualität massiv. Auch wenn die rhinochirurgischen Techniken in den letzten Jahrzehnten mittels minimal-invasiver Chirurgie weiter entwickelt wurden, kann nicht jeder Patient chirurgisch geheilt werden. Die höchsten Rezidivraten finden sich bei einem Patientenkollektiv mit einer Widal- oder Samter-Trias (Polyposis nasi, Asthma bronchiale und Analgetika-Intoleranz mit der Leitsubstanz ASS). Auch wenn der genaue Pathomechanismus noch Gegenstand von Spekulationen ist, wird die so genannte „adaptive Desaktivierung“ (Therapie mit ASS) seit vielen Jahren als Therapieverfahren genutzt. Allerdings bestehen noch Unklarheiten beispielsweise über die Erhaltungsdosis, Dauer der Therapie und den zu erwartenden Erfolg. In einem Kooperationsprojekt innerhalb des Interdisziplinären Allergiezentrums der LMU werden Patienten mit einer solchen Widal-Trias interdisziplinär betreut und ausgewertet. Insbesondere die sinu-nasalen Beschwerden können so nachweislich gebessert werden. Weiter befinden sich aktuell mehrere Antikörper in der klinischen Prüfung bei Poylposis nasi, woran wir als Prüfzentrum intensiv mitarbeiten.

 

SIT und Molekulare Allergologie:

Die allergen-spezifische Immuntherapie (SIT) mit ihren krankheitsmodulierenden (Langzeit-) Effekten gilt als Goldener Standard in der Therapie einer IgE-vermittelten Inhalationsallergie. Modifikationen bei der Allergenprozessierung, Applikationsart und Dauer werden intensiv erforscht. Die Allergieabteilung der HNO-Klinik der LMU ist seit vielen Jahren als Prüfzentrum aktiv.

Durch die „Molekulare Allergologie“ findet seit Verfügbarkeit kommerziell erhältlicher Nachweisverfahren ein Quantensprung an Erkenntnisgewinn in der Allergologie statt. Diese Methodik haben wir bereits 2007 in die Routinediagnostik der HNO-Klinik der LMU integriert. Neben unmittelbaren Vorteilen für den individuellen Patienten konnten hierdurch wichtige Erkenntnisse insbesondere im Bereich polysensibilisierter oder Nahrungsmittel-Allergiker erbracht werden, was in mehreren Publikationen thematisiert wurde. Wir erforschen seit vielen Jahren konsequent, wie diese neuen, stetig zunehmenden Möglichkeiten der Komponenten-basierten Allergiediagnostik sinnvoll in die allergologische Routinediagnostik implementiert werden können.

 

Interdisziplinäres Allergiezentrum:

Seit dem 13.2.2008 sind die allergologisch tätigen Kliniken der LMU im Interdisziplinären Allergiezentrum vereinigt. Das Interdisziplinäre Allergiezentrum verfolgt zum einen das Ziel, die organbezogene Spezialisierung der Medizin durch übergreifende Zusammenarbeit zugunsten des Patienten aufzuheben, zum anderen Allergiekrankheiten interdisziplinär zu erforschen, um neue Lösungsansätze für die Therapie zu finden. In den sechs durch das Interdisziplinäre Allergiezentrum repräsentierten Kliniken werden jährlich etwa 10.000 allergiekranke Patienten behandelt. Hier wird Expertenwissen für die tägliche Praxis sowie die studentische und ärztliche Aus- und Weiterbildung vereint, werden Fortbildungen für allergologisch interessierte Kollegen durchgeführt und interdisziplinäre Forschungsvorhaben realisiert.

 

Mitarbeiter

Leitung:

PD Dr. med. Moritz Gröger Facharzt, Allergologe (moritz.groeger@med.uni-muenchen.de)

 

Ärzte:

Dr. med. Donata Gellrich, Fachärztin (donata.gellrich@med.uni-muenchen.de)

Dr. med. Marion San Nicoló, Fachärztin (marion.sannicolo@med.uni-muenchen.de)

Dr. med. Katharina Eder, Fachärztin (katharina.eder@med.uni-muenchen.de)

Dr. med. Catalina Meßmer, Fachärztin (catalina.messmer@med.uni-muenchen.de)

 

Allergologie-Labor:

Elisabeth Pfrogner, Leitende MTA (elisabeth.pfrogner@med.uni-muenchen.de)

Gabriele Bärr, CTA (gabriele.baerr@med.uni-muenchen.de)

 

Ausgewählte Publikationen

Gellrich,D., Eder,K., San Nicoló,M., Berghaus,A., Gröger,M. „The Clinical Impact of Bet v 6 in Birch Pollen-Sensitized Patients“ Int Arch Allergy Immunol. 2017;173(1):34-43

Eder,K., Becker,S., San Nicoló,M., Berghaus,A., Gröger,M. „Usefulness of component resolved analysis of cat allergy in routine clinical practice“ Allergy Asthma Clin Immunol. 2016 Nov 15;12:58

Becker,S., Schlederer,T., Kramer,M.F., Haack,M., Vrtala,S., Resch,Y., Lupinek,C., Valenta,R., Gröger,M. „Real-Life Study for the Diagnosis of House Dust Mite Allergy - The Value of Recombinant Allergen-Based IgE Serology“ Int Arch Allergy Immunol. 2016;170(2):132-7

König,K., Klemens,C., Haack,M., San Nicoló,M., Becker,S., Kramer,M.F., Gröger,M. „Cytokine patterns in nasal secretion of non-atopic patients distinguish between chronic rhinosinusitis with or without nasal polyps“ Allergy Asthma Clin Immunol. 2016 Apr 27;12:19

San Nicoló,M., Braun,T., Eder,K., Berghaus,A., Gröger,M. „Clinical Relevance of IgE to Profilin and/or Polcalcin in Pollen-Sensitized Patients“ Int Arch Allergy Immunol. 2016;169(2):101-7

König,K., Klemens,C., Eder,K., San Nicoló,M., Becker,S., Kramer,M.F., Gröger,M. „Cytokine profiles in nasal fluid of patients with seasonal or persistent allergic rhinitis“ Allergy Asthma Clin Immunol. 2015 Sep 22;11(1):26

Becker,S., Rasp,J., Eder,K., Berghaus,A., Kramer,M.F., Gröger,M. „Non-allergic rhinitis with eosinophilia syndrome is not associated with local production of specific IgE in nasal mucosa“ Eur Arch Otorhinolaryngol. 2016 Jun;273(6):1469-75

Becker,S., Kramer,M.F., Havel,M., Welz,C., Markmann,S., Gröger,M. „IgE reactivity profiles among house dust mite allergic patients in Bavaria“ Eur Arch Otorhinolaryngol. 2013 Nov;270(12):3177-82

Gröger,M., Bernt,A., Wolf,M., Mack,B., Pfrogner,E., Becker,S., Kramer,M.F. „Eosinophils and mast cells: a comparison of nasal mucosa histology and cytology to markers in nasal discharge in patients with chronic sino-nasal diseases“ Eur Arch Otorhinolaryngol. 2013 Sep;270(10):2667-76

Braun,T., Rich,M., Kramer,M.F. “Effects of oxymetazoline nasal spray on the nasal cycle assessed by long-term rhinoflowmetry” Rhinology. 2012 Dec;50(4):370-5

Becker,S., Pflugbeil,C., Gröger,M., Canis,M., Ledderose,G.J., Kramer,M.F. “Olfactory dysfunction in seasonal and perennial allergic rhinitis” Acta Otolaryngol 2012; Vol 132:763-8

Gröger,M., Klemens,C., Wendt,S., Becker,S., Canis,M., Havel,M., Pfrogner,E., Rasp,G., Kramer, M.F. “Mediators and cytokines in persistent allergic rhinitis and non-allergic rhinitis with eosinophilia syndrome” Int Arch Allergy Immunol 2012; 159(2):171-8

Canis,M., Becker,S., Gröger,M., Kramer,M.F. “IgE reactivity patterns in patients with allergic rhino-conjunctivitis to ragweed and mugwort pollens” Am J Rhinol Allergy 2012; Vol 26:31-35

Becker,S., Gröger,M., Canis,M., Pfrogner,E., Kramer,M.F. “Tropomyosin sensitization in house dust mite allergic patients” Eur Arch Oto-Rhino-L 2012; Vol 269:1291-6

Braun,T., Gürkov,R., Kramer,M.F., Krause,E.“Septal injection of botulinum neurotoxin A for idiopathic rhinitis: a pilot study”Am J Otolaryngol. 2012 ;Vol 33:64-7

Braun,T., Mack,B., Kramer,M.F. “Solitary chemosensory cells in the respiratory and vomeronasal epithelium of the human nose: a pilot study.” Rhinology 2011; Vol 49:p 507-512

Canis,M., Gröger,M., Becker,S., Klemens,C., Kramer,M.F. „Recombinant marker allergens in patients with allergic rhino-conjunctivitis to tree and grass pollens“ Am J Rhinol Allergy 2011; Vol 25:36-39

Rueff,F., Friedl,T., Kramer,M.F., Przybilla,B. “Release of mast cell tryptase into saliva: a tool to diagnose oral allergy syndromes by a mucosal challenge test” Int Arch Allergy Immunol 2011; Vol 155:p282-288

Canis,M., Gröger,M., Becker,S., Klemens,C., Kramer,M.F. „Recombinant allergen-profiles and health-related quality of life in seasonal allergic rhinitis“ Allergy Asthma Proc. 2010 May-Jun;31(3):219-26

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Powe,D., Sisson,M., Redegeld,F., Kool,M., Bast,B.J., Kramer,M.F., Jones,N.S. “Evidence for the involvement of free light chain (FLC) immunoglobulins in allergic (IgE) and nonallergic mediated allergic rhinitis” J Allerg Clin Immunol 2010 ; Vol 125 :p139-145

Dressel,H., Bihler,A., Jund,F., de la Motte,D., Nowak,D., Jörres,A.R., Kramer,M.F. ”Diurnal variation of nasal nitric oxide levels in healthy adults” J Invest Allerg Clin 2008; Vol 18:p316-317

Klemens,C., Rasp,G., Jund,F., Hilgert,E., Devens,C., Pfrogner,E., Kramer,M.F. ”Mediators and cytokines in allergic and viral-triggered rhinitis” Allergy Asthma Proc 2007; Vol 28:434-441

Hilgert,E., Jund,F., Klemens,C., Pfrogner,E., Pauli,C., Rasp,G., Kramer,M.F. „Latex allergy, a special risk for patients of Otorhinolaryngology and Head and Neck Surgery?” Am J Otolaryngol 2007; Vol 28: 103-109

Pauli,C., Fintelmann,R., Klemens,C., Hilgert,E., Jund,F., Rasp,G., Hagedorn,H., Kramer,M.F. „Polyposis nasi – Besserung der Lebensqualität durch Leukotrien-Rezeptoranatgonisten“ Laryngo-Rhino-Otol 2007; Vol 86: 1-5

Kramer,M.F., Jordan,T.G., Hilgert,E., Klemens,C., Hempel,M., Pfroger,E., Rasp,G. “Factors contributing to allergic late phase eosinophilia” Am J Otolaryngol 2006; Vol 27: 190-199