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Ohrchirurgie / Cochlea Implant

Das Cochlea Implantat ist ein Innenohrimplantat, welches bei Innenohrtaubheit beiderseits indiziert ist oder aber auch bei einem Restgehör, das nur noch ein maximales offenes Sprachverständnis mit Hörgerät von kleiner/gleich 30% im Einsilbertest ermöglicht. Voraussetzung ist ein funktionsfähiger Hörnerv und zentrales Hörsystem.

Voraussetzung für die reizlose Einheilung des Cochlea Implantates, der ja ein Fremdkörper darstellt, ist die optimale Bedeckung mit einem gut durchbluteten Hautlappen, eine sichere Befestigung des Implantates im Knochenbett sowie eine stabile Positionierung der Elektrode in der Schnecke (Cochlea). Dabei wird folgendermaßen vorgegangen.

Die Lage des Hautschnittes wird so gewählt, daß die Schnittführung nicht über der geplanten Lage des Implants liegt. Aus der darunter liegenden Knochenhaut und der Muskulatur wird ein zweiter Lappen gebildet, der gegenläufig, d.h. hinter dem Ohr gestielt ist. So liegt der Knochen hinter dem Ohr für die weiteren operativen Schritte frei.

Kleinkind mit Cochlea Implantat  grafische Darstellung des Implantats im Ohrinneren  grafische Darstellung des Implantats im am Ohr außen

Nun wird unter mikroskopischer Sicht der Warzenfortsatz aufgefräst (sog. Mastoidektomie), um einen Zugang zum Mittelohr zu schaffen. Wichtige Strukturen wie der äußere Bogengang des Gleichgewichtsorgans (Labyrinth), das zweite Gehörknöchelchen (Amboß), die große Kopfvene (Sinus sigmoideus) und der Gesichtsnerv (Nervus facialis) werden dargestellt. Das Implantat wird hinter der Mastoidektomie in den Schädelknochen in ein dem Gerät entsprechend geformtes Knochenbett eingelassen. Zum Schutz des Elektrodenkabels wird vom Austritt aus dem Gehäuse bis zur Mastoidektomie ein Kanal im Knochen angelegt.

Anschließend wird, ebenfalls unter dem Mikroskop, der direkte Zugang zum Mittelohr gebohrt (posteriore Tympanotomie). Zwischen hinterer Gehörgangswand und dem Verlauf des Gesichtsnerven kann eine etwa 3mm große Öffnung geschaffen werden. Dabei werden weder Trommelfell noch die Gehörknöchelchenkette berührt. Das Gleichgewichtorgan sowie der Gesichtsnerv und der aus ihm abgehende Geschmacksnerv (Chorda tympani) werden ebenfalls geschont.

Nun kann die unterste Windung der Cochlea (Promontorium) eingesehen werden. Die eigentliche Eröffnung des Innenohres, die sog. Cochleostomie wird im folgenden Schritt durchgeführt. Dabei wird unter mikroskopischer Sicht der Knochen des Promontoriums mit einem Diamantbohrer so weit abgetragen, bis der häutige Schlauch der untersten Schneckenwindung, das sog. Endost der Scala tympani sichtbar ist. Das Endost wird zunächst so lange erhalten, bis genügend Knochen abgetragen ist, um den Elektrodenträger sicher plazieren zu können.

Dann wird das Endost vorsichtig eröffnet und der Elektrodenträger in die Cochlea geschoben Diese schonende Vorgehensweise, nach Prof. Lehnhardt als "soft surgery" bezeichnet, dient der Vermeidung zusätzlicher Schädigungen des Innenohres, und damit Entzündungen, Narbenbildungen oder Verknöcherungen. Ferner ist dieses Verfahren Voraussetzung, um ein eventuell vorhandenes Restgehör soweit wie möglich erhalten zu können.

Nach Fixierung des Implantates im Knochenbett erfolgt die intraoperative Funktionsüberprüfung (Messung der Elektrodenimpedanzen, Registrierung des elektrisch ausgelösten Stapedius-Reflexes). Nach erfolgreichem Funktionstest erfolgt der Wundverschluß durch separates Vernähen der Hautlappen. Bei kleinen Kindern wird die Naht ausschließlich mit resorbierbaren Fäden unter die Haut gelegt, so daß das Nahtmaterial nicht entfernt werden muß.

Vor und nach der Operation ist die Gabe eines Antibiotikums erforderlich, um infektiösen Komplikationen vorzubeugen. Die Wunde muß durch einen Kopfverband geschützt werden, um mechanische Einwirkungen im Wundbereich zu vermeiden. Zur Lagekontrolle des Elektrodenträgers in der Schnecke wird am 1. Tag nach der Operation eine Röntgenaufnahme des Schädels angefertigt. Etwa 4 Wochen nach Implantation ist die Schwellung der Wunde zurückgegangen und eine sichere Einheilung des CI erreicht. Nun kann mit der Anpassung des Sprachprozessors sowie dem Hör- und Sprachtraining begonnen werden.