Infektiologie und HIV-Erkrankung

Dank der modernen antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion hat sich die Situation HIV-infizierter Menschen in Deutschland in den letzten 10 Jahren extrem verbessert. Die Lebenserwartung, aber auch Lebensqualität ist stark angestiegen, so daß Experten inzwischen von einer chronischen Erkrankung sprechen. Trotzdem sind die gesundheitlichen Problemstellungen HIV-infizierter Menschen weiterhin komplex und die häufig lebenslange Medikamenteneinnahme führt zu vielfältigen Nebenwirkungen, die oft wiederum ebenfalls einer Behandlung bedürfen.

Zentrales Thema in der Gynäkologie und Geburtshilfe ist selbstverständlich der Kinderwunsch und die mögliche Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf ihr Kind während der Schwangerschaft und der Geburt. Hier konnte durch medizinische Maßnahmen die Mutter-Kind-Übertragungsrate in Europa von 15 - 20% auf unter 2% gesenkt werden. Durch die moderne hochaktive antiretrovirale Therapie ist das Risiko sogar auf bis unter 1% reduzierbar wie eine kürzlich erschienene französische Studie zeigt. Es handelt sich bei den Präventionsmaßnahmen im Wesentlichen um die Gabe von antiretroviralen Medikamenten in der Schwangerschaft, die sorgfältige Planung des Geburtsmodus, Stillverzicht und die Mitbetreuung der Schwangeren durch ein HIV-erfahrenes Zentrum. Diese Tatsache und die verbesserte Lebensqualität insgesamt führen dazu, daß sich die meist jungen HIV-infizierten Frauen in Deutschland immer öfter für ein Kind entscheiden. Das Robert-Koch-Institut schätzt, daß etwa 200 - 250 Schwangerschaften HIV-infizierter Frauen pro Jahr in Deutschland ausgetragen werden. Trotz der grossen Erfolge in der Reduktion der HIV-Übertragung von der Mutter auf ihr Kind werden mehr neue HIV-infizierte Kinder an das Robert-Koch-Institut gemeldet als statistisch zu erwarten wären. Dies liegt einerseits daran, daß bereits im Ausland geborene und infizierte Kinder als Migranten zureisen. Die meisten infizierten Kinder sind jedoch von Müttern, die im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge nicht auf eine HIV-Infektion untersucht oder bei bekannter mütterlicher HIV-Infektion die erforderlichen medizinischen Präventionsmaßnahmen nicht ergriffen wurden. Die deutliche Senkung der Übertragungsrate des HI-Virus von der Mutter auf ihr Kind ist aber nur möglich, wenn der HIV-Infektionsstatus jeder Frau in der Frühschwangerschaft nach entsprechender Aufklärung erhoben wird und die notwendigen Schritte zur Prävention kunstgerecht durchgeführt werden.

Der HIV-Test ist für die Schwangere kostenfrei und die Beratung dazu verpflichtend für den Frauenarzt.

Weitere Informationen über HIV und Schwangerschaft können über die Deutsch-österreichischen Empfehlungen zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen auf der Internetseite des Robert-Koch-Institutes unter www.rki.de abgefragt werden. Eine empfehlenswerte Broschüre für Betroffene kann bei der deutschen AIDS-Hilfe angefordert werden. Eine persönliche Beratung bieten wir in unserer Sprechstunde selbstverständlich an (s.u.).

Eine weitere wichtige Aufgabe unserer Ambulanz ist die Therapie von Krebsvorstufen im Genitalbereich u.a. zum Beispiel des Gebärmutterhalses. Das Zervixkarzinom und demnächst auch das Analkarzinom gehören laut der CDC-Klassifikation der HIV-Infektion zu den AIDS-definierenden Erkrankungen. Die Ursache dafür ist die gleichzeitige Infektion HIV-positiver Patientinnen mit dem sog. Humanen Papillomavirus (HPV).  Durch die bestehende Immunschwäche kann eine HPV-Infektion schlechter vom Körper bekämpft werden und dauert länger als sonst üblich, wodurch die Krebsentstehung an den weiblichen Geschlechtsorganen, insbesondere dem Gebärmutterhals, gefördert wird. Dieser Krebs entwickelt sich jedoch in der Regel über einen langen Zeitraum, so daß bereits die Vorstufen dieser Erkrankung erkannt und erfolgreich bekämpft werden können, damit möglichst erst gar kein Krebs entsteht. Es gibt in diesem Bereich verschiedene Möglichkeiten, die von einer chirurgischen Therapie, Laserbehandlung bis zu einer medikamentösen Therapie mit sog. Immunmodulatoren reichen.

Insgesamt decken wir das gesamte Spektrum der Gynäkologie und Geburtshilfe ab und verweisen bei Bedarf auf andere Abteilungen unserer Klinik.

Seit 1989 gibt es an der Universitätsfrauenklinik eine Spezialsprechstunde für gynäkologische Probleme HIV-infizierter Patientinnen. Diese Einrichtung wurde 10 Jahre lang durch das damalige Bundesministerium für Jugend/Familie/Frauen/Gesundheit (BMJFFG) finanziell gefördert im Rahmen des Projektes Frauen und AIDS. Die Sprechstunde findet einmal die Woche am Mittwochnachmittag von 13 - 16 Uhr nur nach Terminvereinbarung statt. Die Betreuung der Patientinnen erfolgt durch fünf Ärzte bzw. Ärztinnen. Eine psychologische Begleitung und ggf. eine Krisenintervention ist durch eine in diesem Bereich sehr erfahrene Psychologin jederzeit möglich.

Sprechstunde: Sprechstunde für HIV-infizierte Patientinnen

 

 
 

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