Muttermilchbank

Wenn Frauen ein zu früh geborenes Kind zur Welt bringen, kann die eigene Muttermilch in den ersten Lebenstagen oft nicht ausreichend gewonnen werden. Gründe hierfür können u. a. mütterliche Vorerkrankungen, schwierige operative Entbindungen und Präeklampsie oder einfach die schwere Belastungssituation der Mutter sein.

Muttermilch ist aber gerade für Frühgeborene ab der ersten Lebensstunde  ein sehr wertvolles Nahrungsmittel, da es neben Nährstoffen Substanzen enthält, welche die kindliche Immun-Abwehr stärken und so das Kind vor schweren Infektionen im Blut aber auch lokal im Darms schützen.

Deshalb ist Frauenmilch, die von Müttern der Neugeborenen-Intensivstation als sogenannte „Spendermilch“  gewonnen wird, die beste Alternative, um die Zeit bis ausreichend Milch der eigenen Mutter verfügbar ist, zu überbrücken  (1). Die Reifung der Darmwand kann durch die sehr frühe Gabe von Frauenmilch bei sehr kleinen Frühgeborenen beschleunigt werden. Hierdurch können Infektionen und die sogenannte nekrotisierende Enterocolitiden (NEC) verhindert werden, die Nahrung wird zudem besser und schneller vertragen (2,3). Eine Studie zeigte sogar eine verringerte Häufigkeit für das Auftreten einer höhergradigen Netzhautveränderung im Auge Frühgeborener, der sogenannten ROP (= Retinopathia prematurorum)(4).

Seit März 2012 gibt es an der Neonatologie der Kinderklinik am Campus Großhadern die erste westdeutsche Frauenmilch-Spenderbank, die mit der Unterstützung von FrühStart in Leben e.V. eingerichtet wurde. Am Perinatalzentrum erhalten nach Einwilligung der Eltern aktuell praktisch alle Kinder, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren werden bzw. mit einem Geburtsgewicht unter 1000 g zur Welt kommen, bereits am ersten Lebenstag Muttermilch. Auch Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden und bei der Geburt kleiner und leichter sind als andere Kinder der gleichen Schwangerschaftswoche, erhalten Spendermilch. Die Frühgeborenen erhalten durchschnittlich über fünf Tage Spendermilch, die durchschnittliche Menge liegt bei ca. 300ml.

 

Muttermilchbank Muttermilchbank

 

Die Planung der Abläufe bei Spende, Testung, Lagerung und Ausgabe von Spendermilch erfolgte in wesentlichen Anteilen in Anlehnung an das Vorgehen bei einer Blutspende. Nur gesunde Mütter mit einer ausreichenden Milchbildung können nach schriftlicher Einwilligung Spenderinnen werden. Sie werden gesondert auf Hepatitis B / C, HIV, CMV und andere Erkrankungen zum Zeitpunkt der Spende getestet. Die Spendermilch wird unter sachkundiger Aufsicht und höchsten hygienischen Standards auf Station gewonnen und etikettiert, nach Probenentnahme für mikrobiologische Untersuchungen dann schockgefroren und tiefgekühlt separat in der Milchküche der Station gelagert. Seit Einführung der Frauenmilch-Spenderbank an der Neonatologie Großhadern konnten so über  100 Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1000g mit Spendermilch versorgt werden und nur bei einem dieser Kinder trat im Verlauf eine schwere Darmentzündung auf.

 

Literatur

  • 1. Joint statement: meeting infant and young child feedings. WHO/UNICEF. J nurs Midwife 1980;25-31
  • 2. Human milk versus formula feeding among preterm infants: shortterm outcomes. Maayan-Metzger A, Avivi S, Schushan-Eisen I, Kuint J. Am J Perinatol. 2012 Feb; 29(2):121-6. Epub 2011 Nov 17
  • 3. Donor human milk versus formula for preventing necrotizing enterocolitis in preterm infants: systematic review. W. McGuire, M.Y. Anthony. Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed, 88 (2003), pp. F11–F14
  • 4. Association of human milk feedings with a reduction in retinopathyof prematurity among very low birthweight infants. Hylander MA, Strobino DM, Pezzullo JC, Dhanireddy R. J Perinatol. 2001 Sep; 21(6):356-62.
  Verantwortlich für den Inhalt: PD Dr. med. Anne Hilgendorff; Prof. Dr. med. Andreas Flemmer