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Borrelien-assoziierte Morphea der Kindheit

Die zirkumskripte Sklerodermie, Morphea, ist eine umschriebene chronisch fibrosierende Hauterkrankung unklarer Genese. Klinisch lassen sich verschiedene Varianten unterscheiden. Dabei können singuläre oder multiple Herde bestehen. Ebenso können größere Hautareale flächig betroffen sein. Neben der typischen Fibrosierung kann es zu einer Atrophie der Haut und auch der darunter liegenden Gebwebsstrukturen kommen. Bei Kindern kann eine ausgeprägte Morphea auch mit Wachstumsretardierung der betroffenen Körperpartien einhergehen. Die Morphea kann zu deutlichen Funktionsbeeinträchtigungen und dauerhaften Behinderungen führen. Die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten, die vor allem die topische Anwendung von Glukokortikoiden und UV-Therapie umfassen, sind unzureichend. Pathogenetisch wird die Morphea als Autoimmunerkrankung angesehen. Bislang konnte jedoch noch kein spezifisches Autoantigen nachgewiesen werden. Seit über zwei Jahrzehnten wird eine mögliche Assoziation von Morphea und Borrelieninfektionen diskutiert. Infektionen mit Borrelia burgdorferi sensu latu – insbesondere Borrelia afzelii - können stadienabhängig verschiedene entzündliche oder atrophisierende Hauterkrankungen hervorrufen. Die bisherigen Daten zur Morhpea, die fast ausschließlich an erwachsenen Patienten erhoben wurden, sind jedoch sehr widersprüchlich. Ein regelhafter molekularbiologischer Nachweis von Borrelien-DNS in Morphea-Herden gelang bisher nicht. Anekdotisch wird über Therapierfolge durch eine hochdosierte mehrwöchige Penicillintherapie bei vor allem bei jungen Morphea-Patienten berichtet.

Mehrere Kinder mit einer ausgeprägten großflächigen Morphea aus unserer Ambulanz wiesen eindeutige serologische Befunde für eine aktive Borrelieninfektion auf. Diese aktuellen Fälle nahmen wir zum Anlass, die Borrelienserologien aller Morphea-Patienten unserer Klinik der letzten 8 Jahre zu analysieren. Dabei fiel ein deutlicher Zusammenhang von positiven Borrelienserologien und Morphea-Patienten in der Altersgruppe unter 20 Jahren auf (1). Bei 60%  der Kinder mit Morphea ließ sich serologisch eine Borrelieninfektion nachweisen. Mit zunehmendem Alter der untersuchten Morphea-Patienten nahm die Inzidenz von positiven Borrelienserologien ab (Prozentsatz)von 60% bei Patienten unter 20 Jahren bis auf unter 20 Prozent bei Patienten über 60 Jahren).  Zusätzlich ließen sich bei allen Morphea Patienten unter 20 Jahren mit positiver Borrelien-Serologie hochtitrige Antinukleäre Antikörper (ANA) im Serum nachweisen. Diese Daten unterstützen die Autoimmun-Hypothese der Erkrankung, darüber hinaus besteht bei Kindern eine deutliche Assoziation von positiven Borrelienserologien und einer schweren klinischen Verlaufsform. Damit ist für die Borrelien-induzierte Morphea des Kindesalters ein gleichartiger pathogenetischen Mechanismus denkbar wie für die Borrelien-induzierte Post-Lyme-Arthritis. Hier reagieren T-Zellen mit Spezifität für das outer surface protein A (OspA) der Borrelien, das über das HLA-Klasse II-Molekül DRB1*0401 präsentiert wird, gegen ein menschliches Peptid aus dem menschlichen lymphocyte function associated antigen-1 (hLFA-1). Diese durch molekulare Mimikry verursachte Autoimmunreaktion wird für das Antibiotika-resistente VortbestehenVortbestehenVortbestehenFortbestehen der Borrelien-induzierten Arthritis verantwortlich gemacht.

1. Prinz JC, Kutasi Z, Weisenseel P, Pótó L, Battyáni Z, Ruzicka T, 2009. "Borrelia-associated early-onset morphea": a particular type of scleroderma in childhood and adolescence with high titer antinuclear antibodies? Results of a cohort analysis and presentation of three cases. J Am Acad Dermatol 60:248-55.

 

Ziele

Primäres Ziel dieses Projektes ist die Untersuchung, ob eine Borrelieninfektion durch eine immunologische Kreuzreaktion eine Autoimmunantwort gegen Proteine der Haut auslösen kann, welche dann unabhängig von der Infektion fortbesteht. Hierzu sollen Proteinen der menschlichen Haut identifiziert werden, die im Rahmen molekularer Mimikry zu potentiellen Zielantigenen einer Borrelien-induzierten Autoimmunreaktion werden.Weiterhin soll untersucht werden, ob Kinder und Jugendliche zu einer derartigen Autoimmunantwort auf Borrelieninfektionen prädisponiert sind. Diese Untersuchungen sollen die Pathogenese der Morphea verständlicher machen und hätten dann auch entscheidenden Einfluss auf die Therapie.

 

Aktuelles Arbeitsprogramm

  1. Infektion und Immunisierung von Kaninchen mit Borrelien
  2. Analyse der Reaktivität der Borrelien-spezifischen Kaninchenseren mit Proteinen der menschlichen Haut mittels Western-Immunoblot nach Auftrennung in der 2D-Gelelektrophorese
  3. Ermittlung von Kandidatenproteinen einer möglichen Autoimmunantwort durch Vergleich der Western-Immunoblots von Seren infizierter Kaninchen und von Morphea-Patienten mit positiver/negativer Borrelien-Serologie

 

Geplante weitere Schritte:

  1. Identifikation der Reaktivitäten durch Peptidsequenzierung. Identifikation der Reaktivitäten durch PeptidsequenzierungIdentifikation der Reaktivitäten durch Peptidsequenzierung(Teil-)Identifikation der der reaktiven Proteine und rekombinante Synthese dieser Proteine
  2. Immunisierung von Kaninchen mit einzelnen rekombinanten Virulenzproteinen der Borrelien und Analyse der serologischen Reaktivitäten mit  menschlichen Hautproteinen im Western-Immunoblot.

 

Zusammensetzung der Arbeitsgruppe für das eingereichte Forschungsprojekt

Projektleiter

  • Dr. med. Peter Weisenseel, Wissenschaftlicher Assistent

Organisation und Durchführung der Laborarbeiten

Wissenschaftliche Kooperationen:

  • Univ.-Prof. Dr. med. Jörg C. Prinz, C3-Professor Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU
  • Dr. med. Volker Fingerle, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Borreliosen, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Oberschleissheim bei München
  • Fr. Dr. Cornelia Deeg, Veterinärmedizinische Fakultät der LMU München
 
 

Allgemeine Ambulanz

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