6. Unerwünschte Transfusionsreaktionen

Bei jedem Verdacht einer unerwünschten Arzneimittelwirkung („Transfusionsreaktion“) muss die Transfusion sofort abgebrochen werden. Folgende Sofortmaßnahmen sind einzuleiten bzw. durchzuführen:

 

  • Bluttransfusion sofort stoppen, venösen Zugang belassen.
  • Vitalfunktion des Patienten sichern und  bei Bedarf einen Transfusionsmedizinisch erfahrenen Arzt der ATMZH hinzuziehen.
  • Kontinuierliche Überwachung von Vitalfunktionen bis zur Besserung des Patienten beibehalten.
  • Symptomatische Therapie nach Klinik einleiten.
  • Unerwünschte Reaktionen/Nebenwirkungen/Ereignisse schriftlich erfassen und an die ATMZH melden und versenden mit

-       Blutprobe, nach der Transfusion entnommen (9 ml Nativ- und 9 ml EDTA-Blut, sowie 4,5 ml Citrat-Blut) und

-       steril verschlossener Blutkonserven-Rest(Beutel) mit Transfusionsbesteck und

-       rosa Blutkonservenbegleitschein und

-       Vordruck zur Meldung einer Transfusionsreaktion - ausgefüllt vom transfundierenden Arzt.

 

Bei nicht abgeklärten Transfusionsreaktionen darf nur im vitalen Notfall nach nochmaliger ABO-Blutgruppen Kontrolle (Bedside Test; Labor) und Ausschluss einer akuten intravasalen Hämolyse (Urinfarbe rot; Plasma hämolytisch; wird in der ATMZH durch Zentrifugation der Citratprobe kontrolliert) und Rücksprache mit Dienstarzt – ATMZH weitertransfundiert

werden.

 

Hämolytische Transfusionsreaktionen vom Soforttyp basieren ausschließlich auf ABO-inkompatible Erythrozyten-Transfusionen, die auf Verwechslungen der Blutkonserven und/oder des zu transfundierenden Patienten zurückzuführen sind. Dies geschieht meist durch Organisationsfehler, denen durch besondere Sorgfalt bei der Patientenprobenentnahme, Labortestungen und Transfusion entgegengewirkt werden kann.

 

Eine hämolytische Reaktion vom verzögerten Typ kann bis zu 14 Tagen nach einer Transfusion auftreten und ist meist die Folge eines aktuellen Booster-Effekts durch präformierte Antikörper des Patienten nach vorangegangener Sensibilisierung (z.B.: durch Schwangerschaften; Transplantationen, Aborte, frühere Transfusionen). Bei Verdacht ist deshalb eine Wiederholung des Antikörpersuchtests mit frischer Blutprobenentnahme angezeigt.

 

Symptome einer Transfusionsreaktion können einzeln und kombiniert auftreten wie:

  • Kreuz- und Lendenschmerzen,
  • thorakales Engegefühl mit Atemnot
  • Unruhe
  • Hitzeempfindung
  • Fieber
  • Frösteln
  • Blässe
  • Urtikaria; urtikarielle Exantheme
  • Kalter Schweiß
  • Übelkeit; Erbrechen
  • Bronchospasmus
  • Angst
  • Hypotonie
  • Lungenödem
  • Dyspnoe
  • Starke Blutungen im Wundgebiet
  • Schocksymptome; anaphylaktischer Schock.

 

Allerdings sei darauf hingewiesen, dass während einer Narkose Allgemeinsymptome fehlen können und Hypotonie sowie starke Blutungen im Wundgebiet die einzigen Symptome sein können.

 

Therapie

 

Sofortmaßnahmen bei anaphylaktischen Schock

Die Voraussetzungen zur sofortigen Einleitung von notfalltherapeutischen Maßnahmen sind sicherzustellen und richten sich nach dem üblichen Stufenplan bei der Schockbehandlung. Zusätzlich können eine forcierte Diuresebehandlung und die Gabe von Corticosteroiden sinnvoll sein.

Urtikaria; leichter Schüttelfrost

Zur prophylaktischen Behandlung eignet sich die Gabe von z. B. Antihistaminika.

 

Dokumentation und Unterrichtungspflicht bei unerwünschten Ereignissen/ Nebenwirkungen nach/bei Transfusionen

 

Nach dem Arzneimittelgesetz und dem TFG §16 ist der transfundierende Arzt verpflichtet, alle Nebenwirkungen zu erfassen und schriftlich an das Blutdepot zu melden (siehe dazu die Formulare im Anhang). Die ATMZH leitet die Mitteilung von schwerwiegenden Transfusionszwischenfällen unverzüglich an den Herstellungsbetrieb (BSD, Pharmazeutisches Unternehmen) und die zuständigen Landes- und Bundesbehörden (Paul-Ehrlich-Institut) weiter. Die ATMZH sorgt dafür, dass alle im Zusammenhang mit der Transfusion stehende Dokumente (zentrale Dokumentation und zentrale Archivierung) gesichert werden.

Besteht der Verdacht einer Fehltransfusion, ist die Meldung eines unerwünschten Ereignisses durch den transfundierenden Arzt  ebenfalls zwingend, damit die ATMZH den Transfusionsverantwortlichen, den zuständigen Transfusionsbeauftragten und den behandelnden Arzt unterrichtet, und diese nach den Vorgaben des QM-Systems geeignete Maßnahmen einleiten können.