Schädel-Hirn-Trauma

Als "Schädel-Hirn-Trauma" (SHT) bezeichnet man jede Verletzung des Schädels mit Hirnbeteiligung. Man rechnet mit circa 200.000 Fällen/Jahr in Deutschland, von denen ca. 10.000 versterben und 4.500 pflegebedürftig werden.

  • Ein SHT 1. Grades (Gehirnerschütterung) ist eine leichte Hirnverletzung ohne Bewusstlosigkeit oder mit Bewusstlosigkeit bis maximal einer Stunde. Manchmal können sich die Patienten nicht mehr daran erinnern, was kurz vor oder nach dem Unfall passiert ist. Sie leiden häufig unter Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindel.
  • Ein SHT 2. Grades (Gehirnprellung) ist durch eine Bewusstlosigkeit charakterisiert, die länger als eine Stunde andauert. Bei einer Gehirnprellung können epileptische Anfälle und Lähmungen bis zum Koma auftreten.
  • Ein SHT 3. Grades (Gehirnquetschung) ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Die Notfallversorgung von Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma wird durch eine enge Kooperation mit der Neurochirurgischen Klinik der Universität München am Campus Großhadern (Direktor: Prof. Dr. med. J.-C Tonn) sichergestellt.

Für die operative Notfallversorgung von Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma steht am Campus Innenstadt rund um die Uhr ein Team von speziell ausgebildeten unfallchirurgischen Oberärzten zur Verfügung. Diese Oberärzte wurden in einer 6-monatigen, ganztägigen Rotation in der Neurochirurgischen Klinik der Universität München am Campus Großhadern für die initiale operative Versorgung von schweren Schädelhirnverletzungen ausgebildet. Dies umfasst die Anlage einer Hirndrucksonde im CT, die Ausräumung von akuten raumfordernden Hirnblutungen (akutes epi- und/oder subdurales Hämatom) sowie die Durchführung einer Entlastungsoperation (dekompressive Kraniektomie). Es kann jederzeit ein Neurochirurg zur Operation hinzugezogen werden.

Die Bilder der Computertomographien aus unserem Schockraum werden direkt via Hochgeschwindigkeits-Glasfaserverbindung am Campus Grosshadern angesehen und mitbeurteilt. Alle Indikationen zur OP werden in direkter konsiliarischer Absprache mit den Fachkollegen der Neurochirurgie gestellt.

Patienten mit isoliertem Schädel-Hirn-Trauma, die nicht mit höchster Dringlichkeit operativ versorgt werden müssen, werden nach Möglichkeit in die Neurochirurgische Klinik verlegt.


Was geschieht, wenn Sie mit einer Schädelverletzung eingeliefert werden?

Der diensthabende Arzt wird Sie neurologisch untersuchen. Dafür wird er die Größe und die Aktivität Ihrer Pupille kontrollieren und Sie immer wieder nach Ihrem Namen, nach dem aktuellen Datum und nach dem Ort fragen, wo Sie sich befinden. Damit testet er, ob Sie „orientiert“ sind.

Wenn Sie mit einer Halskrause eingeliefert werden, darf diese solange nicht entfernt werden, bis Ihre Halswirbelsäule untersucht ist.

Es muss zudem eine Blutprobe von Ihnen analysiert werden. Verschiedene Werte geben uns Informationen über Ihren Zustand, unter anderem das von uns erforschte Protein S100B, das einen empfindlichen Nachweis auf Hirnverletzungen ermöglicht.

Es ist sehr wichtig, dass Sie das Personal umgehend informieren, falls Sie Marcumar oder andere blutverdünnende Medikamente einnehmen. Sollten Sie in den letzten Tagen Aspirin eingenommen haben, ist die Aktivität Ihrer Blutplättchen ebenfalls beeinträchtigt und ihr Blutungsrisiko somit erhöht. In diesem Fall werden wir Ihnen empfehlen, bei uns für wenige Tage stationär unter Beobachtung zu bleiben.

Der Arzt, der Sie untersucht, wird anhand des Untersuchungsergebnisses, Ihrer Risikofaktoren und der Blutanalyse einschätzen, ob er eine Computertomographie (CT) Ihres Schädels zum Ausschluss einer Blutung benötigt.

Sollten Sie eine Hirnblutung haben, werden Sie umgehend in die Klinik aufgenommen und behandelt, da die Hirnblutung eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt. Sollte die Computertomographie keinen Hinweis auf Hirnverletzungen zeigen, werden wir Sie für 3 Stunden bis zur Entlassung beobachten.


Sie sind nach Hause entlassen worden und haben weiterhin Kopfschmerzen?

Leichte Kopfschmerzen oder leichte Übelkeit sind nach einer Gehirnerschütterung normal. Die Schmerzen sollten jedoch im Verlauf besser werden und generell erträglich sein. Sollten Sie jedoch sehr starke oder zunehmende Schmerzen verspüren, Seh- oder Hörstörungen, Krampfanfälle oder andere Zeichen entwickeln, kontaktieren Sie umgehend unsere Notfallaufnahme unter (089) 5160-2611 oder rufen Sie die Rettungsleitstelle der Feuerwehr unter 112 an.

Schädel-Hirn-Verletzungen können auch eine Störung des Hormonhaushalts (Hypophyseninsuffizienz) zur Folge haben. Dies kann sich durch vermehrte Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Veränderungen der Körperbehaarung, Störungen des Geschlechtstriebs und Ausbleiben der Regelblutung bemerkbar machen. Um eine solche Hormonstörung auszuschließen, empfehlen wir Ihnen, dass Sie sich drei bis sechs Monate nach dem Unfall in der Hormonambulanz der Medizinischen Klinik, Ziemssenstr. 1, Tel. (089) 5160-2330 vorstellen.

PDF-Icon Patienten-Merkblatt Schädel-Hirn-Trauma

PDF-Icon Algorithmus "Management bei Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma" (für Ärzte/Studenten)


Platzwunden

Häufig haben Patienten, die auf den Kopf fallen, Wunden im Stirn- oder Hinterkopfbereich. Diese Wunden werden in unserer Notaufnahme gereinigt und genäht.

Behalten Sie zunächst den sterilen Verband auf der Wunde und lassen Sie nach 2-3 Tagen Ihren Hausarzt einen Blick auf die Wunde werfen. Die Fäden müssen nach 10 bis 12 Tagen entfernt werden. Dies kann vom Hausarzt vorgenommen werden. Ansonsten stellen Sie sich in unserer Ambulanz zwischen 9 und 11 Uhr vor (Verbandswechselstunden).

Es ist sehr wichtig, dass bei Ihnen ein sicherer Schutz gegen Tetanus besteht (die Impfung sollte in den letzten 10 Jahren aufgefrischt worden sein).