Erworbener Plattfuß (Pes planus)

Hintergrund

Der Fuß besteht aus 26 Knochen (und 2 Sesambeinen) die, ähnlich wie ein Torbogen, durch Muskeln, Bänder und Sehnen gegeneinander aufgespannt sind. Dadurch bilden sich das Fußlängs- und -quergewölbe. Beim Plattfuß handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Fehlstellung. Im Folgenden soll nur auf den erworbenen Plattfuß eingegangen werden. Es kommt zu einem Abflachen des Fußlängsgewölbes (Wölbung des Fußes von der Ferse zu den Vorfußballen) und der Fuß kippt nach Innen (Rückfußvalgus). Zusätzlich kommt es meist zu einem Außendrehen des Vorfußes (Too many toes sign) (Abbildung 2). Aufgrund dieser Veränderungen liegt dann die gesamte Fußfläche auf dem Boden auf (Plattfuß).

Abbildung 1: Schematische Darstellung eines Plattfuß, von Hinten, der Seite und von Unten

Darstellung Plattfuss

Viele Ursachen können zur Entstehung eines Plattfußes führen. Allen ist gemein, dass es zu einer Schwächung der Strukturen kommt, die das Fußgewölbe stabilisieren. Die häufigste Ursache ist der Verschleiß der Sehne des Musculus tibialis posterior, der u.a. für das Heben des Fußinnenrands zuständig ist (Tibialis posterior Insuffizienz). Dieser Muskel ist der wichtigste Stabilisator des Fußlängsgewölbes. Weiter Gründe können Gelenkverschleiß (Arthrose), schwere Verletzungen des Kapsel-Band Apparates sowie die Charcot Arthropathie sein.

Beschwerden

Häufig haben Patienten mit einem Plattfuß keine Beschwerden. Allerdings kann es bei zunehmendem Abflachen zu Beschwerden kommen. Diese umfassen u.a. Schmerzen im Bereich des Sprunggelenks, dem Fußinnenrand, sowie Druckstellen an der Fußsohlenhaut.

Untersuchung

Die Diagnose des Plattfußes wird anhand der Fußform bei der klinischen Untersuchung gestellt. Die eigentliche Ursache zu identifizieren gestaltet sich aber häufig schwierig. Um das Ausmaß der Fehlstellung und die Ursache festzustellen, führen wir Röntgenuntersuchungen im Stehen und eine Magnetresonanztomographie (MRT) durch.

Behandlung

Konservative Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und dem Ausmaß der Fehlstellung. Wann immer möglich sollte eine konservative Behandlung eingeleitet werden, mit dem Ziel ein Fortschreiten der Fehlstellung zu verhindern und, falls vorhanden, Schmerzen zu verringern. Die konservative Behandlung umfasst zwei Hauptpfeiler. Zum einen die Versorgung mittels Einlagen, Orthesen oder orthopädischer Schuhe. Zum anderen die intensive physiotherapeutische Behandlung um die Muskulatur zu stärken die den Fuß stabilisiert.

Operative Therapie

Auch die Art der operativen Stabilisierung oder Korrektur des Fußlängsgewölbes richtet sich nach der Ursache und der Ausprägung der Fehlstellung. Kann durch Drücken am Fuß eine normale Fußform wieder erreicht werden, dann kann ein Fortschreiten der Fehlstellung durch das Versetzten einer Sehne unter Umständen in Kombination mit Verschiebungen am Fersenbein verhindert werden. In fortgeschrittenen Fällen, d.h. die Fußform kann durch Drücken nicht wiederhergestellt werden, sind meist größere Eingriffe an den Weichteilen und versteifende Operationen an einigen Fußgelenken notwendig. Wir führen diese Eingriffe in Teil- (Spinalanästhesie) und Vollnarkose durch. Meistens ist ein kurzer stationärer Aufenthalt notwendig.

Die Nachbehandlung richtet sich nach dem genauen operativen Eingriff. In den meistens Fällen ist eine Entlastung für mindestens 6 Wochen notwendig. Häufig kann in dieser Zeit eine sitzende Tätigkeit wieder aufgenommen werden. Mit einer vollständigen Belastbarkeit ist meistens nach 2-3 Monaten zu rechnen.