Startseite » Behandlungsschwerpunkte » Fuß- und Sprunggelenkchirurgie » Krankheitsbilder » Achillessehne » Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)

Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)

Hintergrund

Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers und ermöglicht die kraftvolle Beugung des Fußes in Richtung Fußsohle (Plantarflexion). Besonders betroffen von einem Achillessehnenriss sind Männer zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr. Mit zunehmendem Aktivitätsniveau steigt die Häufigkeit der Verletzung allerdings auch jenseits des 50. Lebensjahres an. Einem Achillessehnenriss (siehe Abbildung 1) gehen selten Beschwerden voraus. Trotzdem ist die Sehne zum Zeitpunkt des Risses in der Regel bereits vorgeschädigt. Ursachen dafür können altersbedingte Degeneration, wiederholte kleinere Verletzungen, Medikamente (Antibiotika/Kortison) oder Vorerkrankungen sein. Der Achillessehnenriss ereignet sich meist durch ein insuffizientes Trauma, wie zum Beispiel beim Squash- oder Tennisspielen, und tritt in über 75% der Fälle beim Sport z.B. durch schnelles Antreten oder Abstoppen auf.

Abbildung 1: Darstellung eines frischen Achillessehnenrisses

Bild Achillessehnenriss

Darstellung einer normalen Achillessehne (A) und frischer Achillessehnenriss (B)

Beschwerden

Der Patient hört dabei oft ein peitschenknallähnliches Geräusch, das mit stechenden Schmerzen im Bereich der Sehne einhergeht. Die Beugung des Fußes in Richtung Fußsohle (Plantarflexion) ist dann nicht oder nur noch eingeschränkt möglich.

Klinische Untersuchung

An der Stelle des Risses findet sich eine tastbare Delle mit umgebendem Bluterguss (Hämatom). Durch den Riss der Achillessehne ist die Beugung des Fußes in Richtung der Fußsohle stark eingeschränkt oder nicht mehr möglich.

Bildgebung

Die Diagnose kann in den meisten Fällen durch den geschilderten Unfallmechanismus und die klinische Untersuchung gestellt werden. Die Sicherung der Diagnose erfolgt mittels Ultraschalluntersuchung. Eine MRT-Untersuchung ist nur in Ausnahmefällen notwendig.

Behandlung

Konservativ

Grundsätzlich kann der Achillessehnenriss konservativ oder operativ behandelt werden. Eine konservative Therapie ist nur bei guter Annäherung der Sehnenenden im Ultraschall möglich und vor allem für Patienten geeignet bei denen eine Operation nicht in Frage kommt. Hierbei erfolgt meist die Ruhigstellung im Spitzfuß für 6-8 Wochen.

Minimalinvasive Naht

Die operative Behandlung verringert das Risiko eines erneuten Risses deutlich. Aufgrund der Entwicklung von minimalinvasiven Verfahren konnten die operationsbedingten Risiken wie Wundheilungsstörungen und Infektionen erheblich gesenkt werden. Deswegen führen wir, wann immer möglich, eine perkutane Naht durch. Bei der von uns verwendeten perkutanen Naht wird der Riss über einen ca. 2 cm langen Schnitt am Innenrand der Sehne vernäht (Abbildung 2). Diese Technik hat den zusätzlichen Vorteil, dass eine Nervenverletzung, die bei manchen anderen minimalinvasiven Verfahren beschrieben wird, praktisch nicht möglich ist. Weiterer Vorteil unserer minimalinvasiven Naht ist, dass sie auch unter lokaler Betäubung durchgeführt werden kann.

Abbildung 2: Intraoperative Darstellung einer minimalinvasiven Achillessehnennaht. Die schraffierte stelle markiert die Rupturzone. A) In einem ersten Schritt erfolgt das Setzten des ca. 2cm langen Hautschnitts. (B) Anschließend wird das Zielinstrumentarium eingebracht und ein Faden durch die Ösen des Zielinstrumentariums und die Achillessehne gestochen. (C) Insgesamt werden 2-3 Fäden vorgelegt und durch den Hautschnitt ausgeleitet. Anschließend werden diese durch den anderen Sehnenstumpf gestochen und angezogen. Dadurch werden die beiden Enden der Achillessehne adaptiert. Das Verknoten der Fäden sowie der Hautverschluss beenden die Operation.

Bild minimalinvasive Naht zur Behandlung des Achillessehenrisses

Offene Naht

Eine offene Naht erfolgt nur dann, wenn aufgrund der Lokalisation des Risses eine perkutane Naht nicht möglich ist. Dann müssen die Sehnenenden über einen ca. 10 cm langen Hautschnitt dargestellt und genäht werden.  Bei veralteten oder erneuten Achillessehnenrissen (Rerupturen) werden spezielle offene Operationstechniken zur Wiederherstellung der Sehne angewendet.

Frühfunktionelle Nachbehandlung

Ein entscheidender Bestandteil der Behandlung ist unsere intensive frühfunktionelle Nachbehandlung mit dem Ziel die volle Funktion schnell und sicher wiederherzustellen. Bisher werden Patienten meist sehr zurückhaltend, teilweise sogar mit langer Ruhigstellung im Gips nachbehandelt. Wir haben uns wissenschaftlich intensiv mit der Nachbehandlung beschäftigt und - basierend auf den Ergebnissen zahlreicher hochwertiger Studien – ein frühfunktionelles progressives Icon PDF Nachbehandlungsschema entwickelt. Die Nachbehandlung aller operativ versorgten Achillessehnenrupturen erfolgt in unserer Klinik daher mit sofortiger Vollbelastung in einer speziellen Orthese in Spitzfußstellung. Nach zwei Wochen wird die Bewegung in der Orthese im oberen Sprunggelenk nach fußwärts freigegeben und nach kniewärts bei 0° limitiert. Nach 6 Wochen kann die Orthese entfernt werden. Bis zur Wiederherstellung der Sportfähigkeit vergehen in der Regel ca. 6 Monate.