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Historischer Rückblick

Hervorgegangen aus dem 1813 entstandenen Städtischen Allgemeinen Krankenhaus links der Isar an der späteren Ziemssenstraße öffnete die Chirurgische Universitätsklinik 1891 an der Nußbaumstraße ihre Tore für die Patienten Münchens und des breiteren Umlandes sowie für die Studenten der Universität.

Die Klinik beeinflusste über die Jahrzehnte nahezu alle Gebiete und Teilgebiete der Chirurgie in der deutschen und internationalen Chirurgie.


Bild Nußbaum

1859 wurde die zweite chirurgische Abteilung am Städtischen Allgemeinen Krankenhaus links der Isar durch Johann Nepomuk von Nußbaum besetzt. Nußbaum, am 2. September 1829 in München geboren, erhielt nach Studien in Würzburg, vor allem bei Virchow, und in Berlin bei Langenbeck, 1859 einen Ruf nach Zürich, der Veranlassung bot, ihn in München zu halten. Ernst von Bergmann schreibt über Nußbaum, den er 1865 in München besuchte:

"Ein kühner und genialer Operateur, ein klinischer Lehrer von hinreißender Beredsamkeit, ein Meister in der Kunst, auch einen spröden Stoff fesselnd darzustellen, dabei human und von bestrickender Liebenswürdigkeit."

Nußbaums Leitfaden der antiseptischen Wundbehandlung wurde in fünf Sprachen übersetzt. In zahlreichen weiteren Schriften hat er sich mit der Antiseptik auseinandergesetzt. Er schreibt u. a.:

 

"Die Aufenthaltszeit ist natürlich jetzt (nach Einführung der antiseptischen Wundbehandlung) bei Operationswunden und bei Verletzungen, welche aseptisch in unsere Hände kommen, eine ganz außerordentlich kurze gegen früher, allein die Durchschnittsaufenthaltszeit hat zum Staunen Vieler trotz dieser günstigen Heilweise nicht abgenommen. Dieses Rätsel läßt sich aber einfach dadurch, daß Schwerverletzte, komplizierte Frakturen, stark eiternde Knochenhautentzündungen, große Muskelzerreißungen usw., welche sonst alle wenige Tage nach ihrer Aufnahme pyämisch starben, jetzt durch eine langdauernde sorgfältige Pflege am Leben erhalten werden. Mancher komplizierte Unterschenkelbruch, der früher am 8 -14. Tag gestorben wäre, liegt jetzt 60 - 80 Tage auf der Abteilung, verläßt aber dann das Spital lebend, geheilt und arbeitsfähig."

Nepomuk von Nußbaum starb am 31. Oktober 1890. Er hinterließ fast 100 Originalarbeiten, alle originell in Gedanken und Ausdrucksform, viele für ihre Zeit bahnbrechend. Die Chirurgie in München erlangte durch ihn nationale und internationale Geltung.

 

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Chirurgische Klinik an der Nußbaumstraße

Im Archiv des Krankenhauses links der Isar finden wir unter dem Datum vom 10. Mai 1860 zu Zeiten des Direktorates Nußbaums in einem Brief an den Stadtmagistrat erstmals die Frage erörtert, ob nicht die ganze chirurgische Abteilung aus dem Krankenhaus entfernt und ein neues Gebäude errichtet werden sollte.

Historischer Plan Chirurgische Klinik

Als Bauplatz wurde der Grund des Seitzschen Anwesens zwischen Krankenhausstraße und Findlingstraße (spätere Nußbaumstraße und Pettenkoferstraße ) vorgeschlagen. Am 29. Oktober 1889 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau eines chirurgischen Institutes (Königlich Chirurgische Klinik). Schon am 25. April 1891 konnte der Bau seiner Bestimmung übergeben werden.

 

Nachfolger von Nußbaum wurde Professor Ottomar von Angerer (1850-1918), der von 1890-1918 die Leitung der chirurgischen Klinik innehatte. Die neuerrichtete Chirurgische Klinik erreichte schließlich eine Bettenzahl von 400, verfügte über zeitgemäße Sterilisationseinrichtungen, Operationssäle und andere technische Anlagen, u.a. wurden alle Klinikgebäude mit elektrischem Strom versorgt.

1896 wurde die Nachricht von der Entdeckung der Röntgenstrahlen bekannt. Von Angerer beauftragte seinen Assistenten Rudolf Grashey (1876-1950) mit der Erprobung des neuen Verfahrens, und bereits im April 1896 konnte unter Angerers Präsidium im Ärztlichen Verein über die Ergebnisse der ersten Röntgenuntersuchungen in München berichtet werden.

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Bild Sauerbruch

Als Nachfolger von Angerer wurde 1918 Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) aus Zürich berufen, wo er bereits mit 35 Jahren den Lehrstuhl für Chirurgie eingenommen hatte. Bereits 1904 hatte er seinen Versuch über die pneumatische Kammer veröffentlicht und damit den Weg zur modernen Thoraxchirurgie bereitet.

 

In den von Hunger und wirtschaftlichem Elend geprägten Nachkriegsjahren verfaßte Sauerbruch den zweiten Band der "Chirurgie der Brustorgane", in welchem die Chirurgie des Herzens und der großen Gefäße sowie der Mediastinalorgane abgehandelt ist.

Als Sauerbruch die Münchener Klinik 1928 verließ, hatte sie einen internationalen Ruf allerersten Ranges. Unter seiner Leitung wurde die Klinik um den Westflügel erweitert, der 1922 in Betrieb genommen wurde. Auf diese Weise wurde die Klinik um zwei große Operationssäle erweitert einschließlich der berühmten Unterdruckkammer. Außerdem wurde eine experimentell-chirurgische Abteilung mit Tierlaboratorien eingerichtet sowie eine orthopädische Werkstatt (DERSA = Deutsche Ersatzglieder Werkstätte Sauerbruch).

 

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Bild Lexer

Erich Lexer (1867-1937) übernahm im Frühjahr 1928 die Leitung der Klinik. Dem Lehrstuhl in München gingen solche in Königsberg, Jena und Freiburg bereits voraus. Mit Lexer übernahm eine der bedeutendsten Persönlichkeiten auf dem Gebiete der plastischen Chirurgie die Klinik.

 

Seine Monographien "Die freien Transplantationen", "Wiederherstellungschirurgie", deren erweiterte zweibändige Fassung "Die gesamte Wiederherstellungschirurgie" haben heute noch wissenschaftliche und literarische Geltung. So wurde unter Erich Lexer die Klinik zu einem internationalen Schwerpunkt auf dem Gebiete der rekonstruktiven Chirurgie. Unter seiner Leitung wurde die Klinik auf 500 Betten erweitert. Täglich wurden 200 ambulante Patienten betreut.

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Im Herbst 1936 folgte Georg Magnus (1883-1942) auf den von Erich Lexer freigemachten Lehrstuhl. Magnus ist bekannt geworden als Unfallchirurg und hier speziell durch seine Behandlung der Wirbelsäulenverletzung.

 

Mit Emil Karl Frey (1888-1977), Ordinarius für Chirurgie in Düsseldorf seit 1930, übernahm am 01.03.1943 ein Schüler Sauerbruchs die Klinik. Trotz der bereits sich abzeichnenden Kriegszerstörungen, im September 1943 erlitt die Klinik die ersten Bombenschäden, entstanden aus der Feder von E. K. Frey und seinen Schülern wichtige Beiträge zur Chirurgie des Herzens, zu den Operationen an Lunge und Brustwand und zu den bösartigen Lungengeschwülsten.

 

Die chirurgische Forschung wurde durch E. K. Frey auf biochemischem Gebiet ungemein bereichert. Durch seine zusammen mit Kraut und Werle gemachte Entdeckung des körpereigenen Wirkstoffes Kallikrein wurde eine weltweite Proteasenforschung eingeleitet, die heute einen wesentlichen Bestandteil chirurgischer Schock- und Gerinnungsforschung ausmacht.

E. K. Frey hatte im operativ-klinischen Bereich der deutschen Thoraxchirurgie zu Weltgeltung verholfen und die biochemische Forschung in der Chirurgie initiiert. Maßgeblich hat er auch mitgewirkt an der Spezialisierung gewisser chirurgischer Fächer wie Neurochirurgie, Anaesthesie und Urologie, die später unter seinem Nachfolger zu Ordinariaten erhoben wurden.

 

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Bild Zenker

Mit der Übernahme des chirurgischen Lehrstuhls durch Rudolf Zenker (1903-1983) 1958 wurde die Chirurgische Klinik baulich und funktionell neu gegliedert. An der Schillerstraße entstand ein Neubau für Herz- und Thoraxchirurgie.

 

Im Laufe der Jahre wurden die Spezialgebiete Herz und Thoraxchirurgie, die Urologie, die Anaesthesie und die chirurgische Forschung zu Lehrstühlen erhoben.

Im Bemühen, durch eine Förderung der Spezialgebiete die Chirurgie den modernen Erfordernissen anzupassen, entstanden auch Teilgebiete, wie Gefäßchirurgie, Plastische Chirurgie, Handchirurgie und nicht zuletzt die Transplantationschirurgie. Durch die überzeugende Persönlichkeit Rudolf Zenkers wurde die Entwicklung der Chirurgie in Deutschland zu Spezial- und Teilgebieten nachhaltig beeinflusst, wobei in erster Linie der Entwicklung der deutschen Herzchirurgie das Interesse von Rudolf Zenker galt.