Startseite » Behandlungsschwerpunkte » Fuß- und Sprunggelenkchirurgie » Krankheitsbilder » Achillessehne » Verkürzung der Wadenmuskulatur (M. gastrocnemius-Verkürzung)

Verkürzung der Wadenmuskulatur (M. gastrocnemius-Verkürzung)

Hintergrund

Die Wadenmuskulatur besteht aus dem großen Musculus gastrocnemius, sowie dem kleineren Musculus soleus (Abbildung 1). Der M. gastrocnemius ist der stärkere Muskel, setzt oberhalb des Kniegelenks an und zieht über die Achillessehne bis an das Fersenbein. Die Wadenmuskulatur ermöglicht es den Fuß kraftvoll fußsohlenwärts zu bewegen. Eine Verkürzung der Wadenmuskulatur führt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit im Sprunggelenk. D.h. der Fuß kann nicht mehr vollständig nach oben gezogen werden (Dorsalextension). Dadurch kann es während des Gehens und Laufens zu einer relativen Überbelastung des Fußes und Sprunggelenkes kommen. Dies kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen.

Abbildung 1: Anatomische Darstellung der Wadenmuskulatur

Anatomische Darstellung Wadenmuskulatur

Beschwerden

Die Überbelastung des Fußes und Sprunggelenks kann zu Beschwerden und Schmerzen im Bereich der Achillessehne (Achillodynie), der Ferse (Fersensporn, Plantarfasziits), oder dem Vorfuß (Metatarsalgie) führen. Bei Risikopatienten (Diabetes, Polyneuropathie) können offene Stellen an der Fußsohle (Ulcus) entstehen.

Untersuchung

Die Diagnose der Verkürzung des M. gastrocnemius wird durch die körperliche Untersuchung gestellt. Dabei wird die Dorsalextension im oberen Sprunggelenk bei gebeugtem und gestrecktem Kniegelenk gemessen. Zeigt sich bei gestrecktem Kniegelenk eine eingeschränkte Dorsalextension und führt die Kniebeugung zu einer Verbesserung, liegt eine M. gastrocnemius Verkürzung vor (Abbildung 2). Führt die Kniebeugung nicht zu einer Verbesserung der Dorsalextension, liegt keine isolierte M. gastrocnemius Verkürzung vor. In diesem Fall müssen weitere Untersuchungen (Röntgen, MRT) angeschlossen werden.

Abbildung 2: Schematische Darstellung der klinischen Untersuchungstechnik bei Patienten mit verkürzter Wadenmuskulatur

Darstellung klinische Untersuchungstechnik Verkürzung der Wademuskulatur

Die Abbildung wurde übernommen aus BMC Musculoskelet Disord (2014) vol. 15 (1) pp. 246

Behandlung

Konservativ

Es sollte immer ein konservativer Therapieversuch unternommen werden. Dabei müssen Dehnübungen der Wadenmuskulatur durchgeführt werden. Diese werden mit Hilfe der Physiotherapie erlernt und anschließend täglich selbstständig durchgeführt. Ein erster Therapieerfolg ist nach ca. 8 Wochen Training zu erwarten.

Operativ

Sollte die konservative Therapie über mehrere Monate nicht zu einer Verbesserung der Dorsalextension führen, besteht die Möglichkeit zur Verlängerung des M. gastrocnemius. Wir führen die Verlängerung des Muskels minimalinvasiv durch. Dabei wird über einen ca. 3 cm langen Schnitt die starke Muskelhaut des Wadenmuskels (M. gastrocnemius) längs eingeschnitten. Dies wird mit einer Kamera (Arthroskop) kontrolliert. Sollte dies nicht zu einer ausreichenden Verbesserung der Dorsalextension führen, besteht die Möglichkeit im Rahmen desselben Eingriffes auch den zweiten Wadenmuskel (M. soleus), über oberflächliche Längsschnitte zu verlängern. Die Operation kann sowohl in Teilnarkose (Spinalanästhesie) als auch Vollnarkose durchgeführt werden. Da häufig die Einlage einer Drainage notwendig ist, empfehlen wir einen kurzen stationären Aufenthalt (1-2 Tage). Die Nachbehandlung erfolgt entsprechend einem standardisierten Verfahren. Ab dem ersten postoperativen Tag darf das Bein voll belastet werden. Nur zur Nacht oder bei längerem Liegen sollte für sechs Wochen eine Stiefelorthese (Vacuped) getragen werden. Essentiell für den Erfolg der Operation ist die intensive physiotherapeutische Nachbehandlung mittels täglicher Dehnübungen.