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Organspende und Transplantation – im Brennpunkt zwischen Medizin, Ethik und Recht

Veranstaltung mit den "Jungen Helden" 21.01.2008

Projekt: Organspende und Transplantation im Brennpunkt zwischen Medizin, Ethik und Recht

Gruppenbild   Konferenz
  links: VIVA-Moderator Claas Heufer-Umlauf, Dominik Pförringer und Schauspieler Jürgen Vogel von den Jungen Helden und Helmut Arbogast präsentieren ihren Organspenderausweis     rechts: Pressekonferenz anlässlich der gemeinsamen Schüleraktion mit den "Jungen Helden". (v.l.n.r.) Helmut Arbogast, Staatssekretärin (heute: Ministerin für Gesundheit und Pflege) Melanie Huml, Geschäftsführender Arzt der DSO, Detlef Bösebeck, Jürgen Vogel, Claudia Kotter, Dominik Pförringer, Claas Heufer-Umlauf. 

 

Im November 2001 wurde in Zusammenarbeit zwischen der Abteilung für Transplantationschirurgie, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Klinikum der Universität München – Großhadern, dem Bayerischen Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, dem Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus und der Deutschen Stiftung Organtransplantation beschlossen, im Rahmen des vom Bayerischen Sozialministerium organisierten Projektes „Lernort Staatsregierung“, bei dem Oberstufenklassen während eines gesamten Unterrichtstages in öffentlichen Einrichtungen Weiterbildung erfahren, eine solche Fortbildungsveranstaltung regelmäßig auch in Transplantationszentren durchzuführen. Seither  wird während der Schulzeit in monatlicher Abfolge für Mittel- und Oberstufenklassen (vorzugsweise 9.-11. Jahrgangsstufe) und in unregelmäßiger Frequenz auch für den Lehrkörper Bayerischer Gymnasien und Realschulen diese Fortbildung durchgeführt.

Die Erörterung der rechtlichen Grundlagen (Referent des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege) stehen hierbei am jeweiligen Anfang der Veranstaltung, gefolgt von der Information über die Arbeit der Deutschen Stiftung Organtransplantation verbunden mit einer Sensibilisierung der Teilnehmer für die Problematik der Organspende, des Organmangels und einer gerechten Organverteilung (Referent der DSO). Die Arbeit der Transplantationszentren unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung der modernen Transplantationsmedizin (Referent OA Dr. med. Arbogast) wird in einem dritten Referat entwickelt. Die Teilnehmer erhalten dann die Gelegenheit, transplantierte Patienten kennen zu lernen und mit ihnen deren Krankheitsverlauf, Leidensweg und Lebensqualitätsgewinn durch die Transplantation zu diskutieren. Den Abschluß der Veranstaltung bildet ein Informationsfilm der Stiftung Eurotransplant, Leiden, der sehr anschaulich die organisatorischen Abläufe bei Organtransplantationen verdeutlicht.

Bislang konnten allein im Klinikum der Universität München – Großhadern in nunmehr 100 einzelnen Veranstaltungen über 6.000 Schüler und über 500 Lehrkräfte in die Thematik der Transplantation eingeführt und auf diese Weise als gesellschaftliche Multiplikatoren des Transplantationsgedankens gewonnen werden.

Dieses Schulprojekt stellt einen möglichen und motivierenden Weg dar, durch Information ohne Indoktrination und durch Sensibilisierung und Diskussion der transplantationsspezifischen ethischen Problematik mit der zumeist sehr aufgeschlossenen jungen Bevölkerung, die Transplantationsbereitschaft in unserer Gesellschaft zu steigern; gerade angesichts derzeit kritischster und teilweise auch sehr einseitig negativer Berichterstattung investigativer Journalisten sieht sich diese Veranstaltung als aufrüttelnder Gegenpol für die lebensrettende „Sache Transplantationsmedizin“. Dies geschieht insbesondere auch durch das Erreichen der Lehrkräfte, die in besonderem Maße als Multiplikatoren des Transplantationsgedankens zu werten sind.

 

Tabelle mit Teilnehmerzahlen 

Das Projekt wurde bereits im November 2001 von dem Regierungsdirektor Dr. jur. Hans Neft vom Bayerischen Sozialministerium (heute ist die Transplantation im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege verankert) und dem damaligen stellvertretenden Leiter der Abteilung für Transplantationschirurgie und heutigem Vorstandsmitglied der Deutschen Transplantationsgesellschaft, OA Dr. med. Helmut Arbogast aus der Taufe gehoben und fand sofort die Unterstützung des Geschäftsführenden Arztes der DSO, Herrn Dr. med. Detlef Bösebeck, und seines Nachfolgers, Dr. med. Thomas Breidenbach. Mit der Unterstützung Landeszentrale für politische Bildungsarbeit im Bayerischen Kultusministerium (RD Andreas Kolitsch) gelang es rasch, zusätzlich zur Schülerfortbildung auch eine Lehrerfortbildung für Gymnasial- und Realschullehrer zu organisieren. Mittlerweile hat dieses Projekt auch in anderen Transplantationszentren Bayerns Fuß gefasst und ist auch dort zu einer festen Institution geworden.

 

Die erste Veranstaltung dieser Art fand dann auch bereits im November 2001 im Klinikum Großhadern statt und fand ein äußerst erfreuliches Echo – sowohl bei den Teilnehmern, einer Abiturklasse eines Münchner Gymnasiums, als auch bei den Referenten. Die rege Diskussionsbereitschaft aber auch die Offenheit der Heranwachsenden für die ethischen Probleme der Transplantationsmedizin überraschte uns Organisatoren. Insbesondere die Möglichkeit, mit einer jungen nierentransplantierten Patientin, die die lebendgespendete Niere ihres Großvaters erhalten hatte, deren Leidensweg, Krankheitsverlauf und Lebensqualitätsgewinn zu diskutieren, fand große Zustimmung. Nach zwei weiteren Veranstaltungen war schnell beschlossen, diese Veranstaltung in regelmäßiger Folge – man einigte sich auf eine monatliche Abfolge – stattfinden zu lassen. Fortan war das Projekt „Schulen in die Transplantationszentren“ zu einer festen Institution geworden.

Den Organisatoren wurde jedoch sehr bald bewusst, dass mit diesem Projekt nur punktuell ein kleiner Teil der jungen Bevölkerung für die Problematik der Organspende, des Organmangels und der Transplantationsethik erreicht werden kann. Unter Einbeziehung der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Gestalt des Studiendirektors Andreas Kolitsch gelang es, auch die damalige Ministerin, Frau Monika Hohlmeier, für das Projekt zu begeistern und den Lehrkörper der Bayerischen Gymnasien und Realschulen in die Fortbildungsreihe einzubeziehen. Dieser Schritt erschien im Hinblick auf die enorme Multiplikator-Funktion dieser Berufsgruppe als einzig logische Konsequenz aus obiger Betrachtung. Auch Christine Haderthauer (damalige Sozialministerin) und Markus Söder (damaliger Gesundheitsminister), wie auch die heutige Gesundheitsministerin, Melanie Huml, konnten für das Projekt begeistert werden. Unter Beteiligung von Manfred Buchberger vom Bayerischen Rundfunk wurde die Veranstaltung auch bereits live im Radio (BR 2) gesendet.

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Hans Neft (Gesundheitsministerium), Helmut Arbogast (Klinikum der Universität), Susanne Schmidt (DSO-Koordinatorin), Thomas Fischer (Transplantationspatient), Christine Haderthauer (Sozialministerin)
Mitte: Schülerin Radio-Live-Moderation, Manfred Buchberger BR2

 

Im Jahr 2005 wurde daher diese Veranstaltung mit dem „Preis zur Förderung der Organspende“ der Deutschen Transplantationsgesellschaft ausgezeichnet. Vorstellungen des Projekts bei Internationalen Kongressen in Montreal und Sydney folgten 2011 und 2013. Dies stellt einen zusätzlichen Motivationsschub für alle Beteiligten dar, bei kontinuierlich anhaltendem Interesse der Schulen, diese erfolgreiche Fortbildung bis heute fortzuführen.

Wir freuen uns, Sie zu unserer 100. Veranstaltung am 12.03.2014 (09:00 bis 13:30 Uhr) im Hörsaal 6 des Klinikums Großhadern begrüßen zu dürfen

 

 

OA Dr. med. Helmut Arbogast

Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Transplantations-,Gefäß- und Thoraxchirurgie

Mitglied des Vorstands der Deutschen Transplantationsgesellschaft