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Lebertransplantation

Sie finden auf dieser Seite Informationen rund um das Thema Lebertransplantation. Wir erklären warum die Leber so wichtig ist, was passiert wenn die Leber chronisch erkrankt ist, wann man eine Transplantation braucht, welche Arten von Transplantationen es gibt und welche Ergebnisse Sie erwarten dürfen.

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Prof. Dr. med. Markus Guba

(1. Oberarzt, Leiter des Bereichs Transplantation und Hepatobiliäre Chirurgie)

 

Was ist eine Lebertransplantation?

Eine Lebertransplantation ist ein großer chirurgischer Eingriff bei dem die erkrankte Leber eines Patienten entfernt wird und durch eine gesunde Leber eines Spenders ersetzt wird.

 

Warum ist die Leber so wichtig für den menschlichen Körper?

Die Leber ist eines der größten Organe im menschlichen Körper und übernimmt eine Vielzahl von Synthese und Entgiftungsleistungen. Sie ist unter dem rechten Rippenbogen lokalisiert und besteht im Wesentlichen aus einem größeren rechten und einem kleineren linken Lappen. Die Blutversorgung der Leber wird von zwei Quellen gespeist. Die Leberarterie bringt sauerstoffreiches Blut direkt vom Herz. Die Pfortader führt nährstoffhaltiges Blut vom Darm mit sich. In der Leber werden aus diesen Nahrungsbausteinen lebenswichtige Eiweiße z.B. Blutgerinnungsfaktoren, Albumin gebildet und überschüssige Glucose in Form von Glykogen sowie Eisen in Form von Ferritin gespeichert. Darüber hinaus nimmt die Leber auch eine Schlüsselrolle in der Entgiftung von Stoffwechsel und Medikamentenabbauprodukten ein und bildet eine erste Barriere gegen aus dem Darm eingeschwemmte Infektionserreger.

Die Leber produziert Galle. Galle ist ein gelblich-grünes Sekret, das neben vielen anderen Stoffen, Wasser und Gallensäuren beinhaltet. Gallensäuren entstehen beim Abbau von abgestorbenen roten Blutkörperchen. Die Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase gespeichert. Wenn Nahrung den Magen und den Zwölffingerdarm passiert, wird die Galle freigesetzt und hilft bei der Fettverdauung.

 

Weil die Leber so wichtig ist, ist es auch das einzige Organ das relativ einfach zerstörte Zellen ersetzen kann. Wenn jedoch ein zu großer Anteil der Leber zerstört ist oder durch chronische Schäden irreversibel umgebaut ist, funktioniert dieser Erholungsprozess nicht mehr.

 

Was ist ein chronischer Leberschaden und wer benötigt eine Lebertransplantation?

Die Leber kann durch verschiedenste Erkrankungen, angeborene Defekte (vor allem bei Kindern), Infektionen (Hepatitis B und C) oder Alkohol geschädigt werden. Im Endstadium einer Lebererkrankung entsteht meist eine Leberzirrhose und die Leber verliert zunehmend alle ihre Funktionen. In diesem Stadium der Lebererkrankung ist eine Erholung der Leber nur mehr in einem sehr eingeschränktem Maße möglich.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Lebertransplantation?

In Deutschland werden pro Jahr circa 1000 Lebern transplantiert. Für den weitaus größten Teil der Patienten steht aber keine Leber zur Verfügung und jedes Jahr sterben mindestens 20% der Patienten weil ihnen nicht rechtzeitig eine Spenderleber zugeteilt werden kann. Erst ab einer bestimmten Erkrankungsschwere wiegt der Vorteil der Lebertransplantation die transplantationsspezifischen Risiken vor allem das Risiko der Operation auf. Ab einem MELD-Score von circa 15 Punkten profitiert der Patient von einer Transplantation. Bei bestimmten anderen Indikationen wie beispielweise einem Leberkrebs auch schon früher. Durch den gegenwärtigen Organmangel in Deutschland  werden derzeit Spenderlebern in den meisten Blutgruppen erst ab einem MELD-Score von 30 und darüber zugeteilt. Für die meisten Patienten ist das zu spät, da sie durch die Lebererkrankung zu diesem Zeitpunkt bereits schwer gezeichnet sind. Das Operationsrisiko steigt bei diesen schwerkranken Patienten sprunghaft an. Der optimale Transplantationszeitpunkt wäre zwischen 15 und 29 MELD-Punkten. Ist eine Leberlebendspender verfügbar, kann die Transplantation für den Empfänger zum optimalen Zeitpunkt durchgeführt werden.

Abbildung 1: 90-Tage Patientenüberleben in Abhängigkeit vom labMELD  

Abbildung 1: 90-Tage Patientenüberleben in Abhängigkeit vom labMELD mit (eigenes Patientengut) und ohne Transplantation. Patienten die aufgrund eines chronischen Leberversagens transplantiert werden profitieren von der Transplantation ab einem labMELD-Score von 15. Bis zu einem labMELDScore von 30 Punkten können 9 von 10 Patienten erfolgreich transplantiert werden. Können die Patienten erst ab einem labMELDScore von 30 und darüber hinaus transplantiert werden, werden die Ergebnisse, aufgrund der Schwere der Krankheit des Patienten, wieder schlechter.

 

Welche Arten der Lebertransplantation gibt es?

Es gibt prinzipiell 3 Arten der Lebertransplantation. In den meisten Fällen stammt die Spenderleber von einem kürzlich gestorbenen (hirntoten) Spender, der entweder zu Lebzeiten einer Spende zugestimmt hat oder dessen Verwandten einer Organspende zustimmen. Dies nennt man postmortale Spende.

Eine andere Möglichkeit ist die Leberlebendspende. Hier wird ein Teil der Leber bei einem lebenden Spender entnommen und dem Patienten transplantiert. Aufgrund der Regenerationsfähigkeit der Leber wächst die Leber beim Spender und Empfänger wieder bis auf Normalgröße nach. In unserem Zentrum bieten wir die Lebendspende sowohl für Kinder als auch für erwachsene Empfänger an.

>> Wenn Sie Interesse an einer Leberlebendspende haben können Sie unter der Rufnummer: 089 4400 73978 einen Termin für ein persönliches Informationsgespräch vereinbaren.

Die Leber  kann  bei einer postmortalen Spende auch geteilt werden (Lebersplit). In diesem Fall wird der größere rechte Leberteil einem Erwachsenen und der kleinere linke Leberanteil einem Kind transplantiert. Auch hier regeneriert sich die Leber nach der Transplantation.

 

Wie werden die Spenderorgane zugeteilt?

Der MELD-Score

Mit dem MELD-Score ermitteln Mediziner den aktuellen gesundheitlichen Zustand eines Patienten auf der Warteliste. Die Höhe des MELD-Scores gibt Auskunft über die Wahrscheinlichkeit ohne eine Lebertransplantation in 3 Monaten zu versterben. Somit ist der MELD-Score ein Maß für die Dringlichkeit einer Lebertransplantation. Spenderorgane werden vor allem aufgrund der Dringlichkeit und nicht wie bei anderen Organen (z.B. der Niere) nach Wartezeit zugeteilt.

 

Grundlage des MELD-Scores (Model End Stage Liver Disease) sind drei Blutwerte, die miteinander verrechnet werden und eine Aussage über den Gesundheitszustand des Patienten geben. Dabei handelt es sich um das Serum Kreatinin (Maß der Nierenfunktion), das Gesamt-Bilirubin (Maß der Leberfunktion) und den INR, der Auskunft über die Blutgerinnungszeit gibt. Eine Dialysebehandlung wegen einer zusätzlichen Nierenfunktionsstörung kann den MELD-Score nach oben setzen. 

Aktualisierung der Werte

Die Transplantationszentren müssen die Laborwerte je nach MELD-Wert in unterschiedlichen Intervallen aktualisieren. Bei einem MELD-Wert bis zehn ist eine jährliche Aktualisierung Pflicht, bei einem MELD-Wert bis 18  alle drei Monate, bei einem MELD-Wert bis 24 eine monatliche. Ein MELD-Wert ab 25 gilt als besonders kritisch, dann müssen die Transplantationszentren die Meldungen wöchentlich aktualisieren.

 

>> Informationen zu Ihrem aktuellen MELD Score erhalten Sie in unserem Transplantationszentrum unter der Rufnummer: 089 4400 73978. Hier können auch Ihre aktuellen Laborwerte zur Aktualisierung Ihres MELDScores eingesendet werden (Fax 089 4400 78775).

 

Melden die Transplantationszentren die Daten nicht rechtzeitig, werden die Patienten auf den letzten tieferen Wert zurückgestuft, verpassen sie zwei Meldungen, wird der Patient sogar auf einen MELD von sechs zurückgestuft. Verschlechtern sich die Werte, sollte dies auch außerhalb des Turnus gemeldet werden.

 

Ausnahmeregelungen

Bei manchen Erkrankungen kann trotz niedriger MELD-Werte eine Transplantation dringend notwendig sein. Dies gilt etwa für Menschen mit einem hepatozellulärem Karzinom, einem Leberzellkarzinom, primär biliäre Zirrhose oder andere seltene Gründe für ein chronisches Leberversagen. Sie erhalten bei Aufnahme auf die Warteliste einen vordefinierten MELD-Score, der im Abstand von 3 Monaten automatisch, entsprechend des Risikos zu versterben, nach oben gesetzt wird.

 

Was passiert nach der Lebertransplantation?

Seit den Anfängen der Lebertransplantation in den 60er Jahren haben sich die Erfolgsraten kontinuierlich gesteigert. Mittlerweile wurden am Klinikum Großhadern über 1000 Lebern transplantiert. Ein Jahr nach der Transplantation leben circa 85 von 100 Patienten, nach 5 und mehr Jahren 65 von 100 Patienten.

Sobald die Leber transplantiert ist erkennt der Körper die neue Leber als körperfremd und beginnt mit einer Abstoßungsreaktion. Unbehandelt würde dieser Prozess in einer Zerstörung des transplantierten Organs enden. Um dies zu verhindern werden immunsuppressive Medikamente eingesetzt. Ein transplantierter Patient muss diese Medikamente ein Leben lang einnehmen, um die Abstoßung der neuen Leber zu verhindern. Durch diese Behandlung besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Stoffwechselerkrankungen, Nierenschäden und Tumorerkrankungen. Entsprechende Vorsichtsmaßnahmen, eine gesunde Ernährung und regelmäßige sportliche Bewegung hilft nach der Transplantation in ein nahezu normales Leben wieder zurück zu finden.

 

Unsere Zahlen und Ergebnisse sind transparent

2013 wurden 50 Lebertransplantationen am Klinikum Großhadern (Klinikum der Universität München, LMU) und 10 Lebertransplantationen unter unserer Mitwirkung an der Universitätsklinik Erlangen durchgeführt. In Kooperation betreuen wir seit 2014 auch die Patienten des Klinikums Rechts der Isar (TU München) rund um ihre Lebertransplantation. Unsere Lebertransplantationsprogramm zeichnet sich seit Jahren durch eine niedrige Sterblichkeit im Krankenhaus und ein überdurchschnittliches Patientenüberleben, im deutschlandweiten Vergleich, aus (sh. Abbildung 2).

Abbildung 2:  1-Jahresüberleben nach Lebertransplantation am Klinikum Großhadern (roter Punkt) im Vergleich mit allen anderen Zentren in Deutschland
Abbildung 2:  1-Jahresüberleben nach Lebertransplantation am Klinikum Großhadern (roter Punkt) im Vergleich mit allen anderen Zentren in Deutschland (AQUA Qualitätsbericht 2012)