Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis)

Unter chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung versteht man eine über lange Zeit andauernde oder wiederholt auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Hierbei kommt es zu einer dauerhaften Schädigung des Organs. Die Folge ist ein Verlust ihrer Funktionsfähigkeit. Das bedeutet zum einen, dass  die Bauchspeicheldrüse die lebenswichtigen Verdauungsenzyme nicht mehr produzieren kann. Fehlen diese Verdauungsenzyme kommt es zu Blähungen, Völlegefühl und Durchfällen, und die Betroffenen verlieren an Körpergewicht. Zum anderen bedeutet das, dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin bereitstellen kann. Das wiederum beeinträchtigt den Zuckerstoffwechsel erheblich, so dass die Betroffenen an der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus erkranken. Aus verschiedenen Gründen kommt es im Laufe der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zu immer stärkeren Oberbauchschmerzen. Wahrscheinlich entstehen die Schmerzen durch Veränderungen des Nervengewebes in der Bauchspeicheldrüse und durch Verstopfung der Bauchspeicheldrüsengänge.

Ursachen

Langjähriger übermäßiger Alkoholkonsum ist bei etwa 80 Prozent der Patienten für die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis) verantwortlich. Bei unterschiedlichen „Toleranzgrenzen“ für Alkohol gibt es Betroffene, bei welchen bereits geringe Mengen an Alkohol genügen um die Erkrankung auszulösen. Aber nicht in jedem Fall muss es sich bei den Ursachen um einen chronisch erhöhten Alkoholkonsum handeln. Auch das Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor für die chronische Pankreatitis.
Genetische Defekte (Mutationen) können ebenfalls zu einer chronischen Pankreatitis führen oder ihr Entstehen zumindest begünstigen. Diese Defekte sind angeboren und können sich innerhalb einer Familie weitervererben. Verschiedene Mutationen ließen sich in den letzten Jahren mit der molekularbiologischen Forschung identifizieren. Inzwischen lassen sie sich zum Teil bereits vor Ausbruch der Krankheit durch einen Bluttest nachweisen.
Auslöser können aber auch, wenngleich seltener, Fehlbildungen der Bauchspeicheldrüse (z. B. Pankreas divisum), bestimmte Medikamente oder Stoffwechselstörungen sein. Außerdem bildet sich bei starkem Übergewicht (Adipositas) und erhöhten Blutfettwerten (Hyperlipidämie) ein cholesterinreicher Gallengries („Sludge“). Dieser Gallengries stellt die Vorstufe eines Gallensteins dar, der wiederum die gemeinsame Endstrecke des Gallengangs und des Bauchspeicheldrüsengangs, im Verlauf von wiederkehrenden Gallekoliken, narbig verändern kann. Bei manchen Betroffenen lässt sich indes kein auslösendes Moment rekonstruieren. Wir sprechen dann von einer idiopathischen chronischen Pankreatitis.

Symptome

Im Verlauf einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung treten wiederholt Schmerzen im Oberbauch auf, welche Stunden bis Tage anhalten können. Wie ein Gürtel legen sie sich um die gesamte Körpermitte und strahlen so bis in den Rücken aus. Selbst mit stärksten Schmerzmitteln wie Morphium oder Opiaten lassen sich die Schmerzen oftmals nur kaum lindern oder gar beseitigen. Begleitet werden sie von Verdauungsstörungen, Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Gewichtsverlust.

Therapie

Die Therapie einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung richtet sich in erster Linie nach den Beschwerden der Betroffenen und der zugrundeliegenden Ursache. Oft ist der erste Schritt in der Behandlung einer chronischen Pankreatitis auf Alkohol zu verzichten. Raucher sollten zudem ihren Nikotinkonsum reduzieren oder möglichst ganz einstellen. Zudem wird man ver¬suchen, durch Einnahme von Pankreasenzymprä¬paraten eine ausreichende Verdauung der Nah¬rung wiederherzustellen um damit die Symptome wie Blähungen und Durchfall zu lindern. Außerdem kann es nötig sein, fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K zuzuführen. Sollte die Bauchspeicheldrüse darüber hinaus nicht mehr genügend Insulin produzieren können, kommt es zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Dann helfen – je nach Ausprägung – zunächst eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung. Normalisiert sich damit der Blutzuckerspiegel nicht, müssen die Betroffenen Insulin spritzen.

Führen diese medikamentösen Maßnahmen nicht zur Schmerzlinderung, erhalten die Betroffenen unterschiedliche starke Schmerzmittel. In der Frühphase der chronischen Pankreatitis kommen endoskopische Verfahren für die Schmerzbehandlung zur Anwendung, sollten aber in enger Kooperation mit einem erfahrenen Chirurgen abgestimmt werden. Am Klinikum Großhadern arbeiten wir engmaschig mit unseren Kollegen der Gastroenterologie zusammen. Eine langjährige endoskopische Behandlung sollte jedoch vermieden werden. Operative Verfahren bieten oftmals eine rasche und dauerhafte Therapie der Beschwerden. In unserer Klinik stehen verschiedene Operationen zur Verfügung, die wir individuell auf jeden Patienten abstimmen.

Operative Therapie

Jeder zweite Patient mit einer chronischen Pankreatitis wird im Verlauf seiner Erkrankung operiert. Dafür gibt es in der Regel drei Gründe:

  1. Bleiben die Schmerzen trotz stärkster Schmerzmittel wie Morphium oder Opiate bestehen, trägt eine Operation zur Steigerung der Lebensqualität bei. Anfängliche endoskopische Therapieversuche sollten sich nicht über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erstrecken.
  2. Zu einer Operation raten wir auch, wenn die chronisch-entzündlichen Veränderungen der Bauchspeicheldrüse die umliegenden Organe beeinträchtigen. Dazu zählen unter anderem eine Einengung oder ein Verschluss des Zwölffingerdarms, des Gallengangs, des Pankreasganges und der Gefäße, die hinter der Bauchspeicheldrüse liegen. Auch bei Verkalkungen in der Bauchspeicheldrüse oder bei narbigen Engstellen im Galle- oder Pankreasgang stellt eine Operation die bessere Alternative zur endoskopischen Therapie dar.
  3. Wir empfehlen eine Operation überdies, wenn unklar ist, ob sich hinter den Veränderungen ein bösartiger Tumor verbirgt. Denn wenn ein bösartiger Tumor in einem sehr frühen Stadium entdeckt wird, besteht die Möglichkeit, ihn chirurgisch komplett zu entfernen mit dem Ziel, den Betroffenen zu heilen.

Operationszeitpunkt

Der beste Operationszeitpunkt muss durch einen erfahrenen Bauchspeicheldrüsenchirurgen festgelegt werden. Wird ein chronischer Entzündungsherd operativ entfernt, lässt sich die Funktionsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse erhalten oder im Idealfall auch verbessern. Sprechen Sie dazu mit unseren erfahrenen Chirurgen und lassen Sie sich erklären, ob und wann bei Ihnen ein operativer Eingriff notwendig ist. Welches Operationsverfahren wir bei Ihnen einsetzen, hängt dabei wesentlich von den Veränderungen an Ihrer Bauchspeicheldrüse ab.

In unserer Pankreas-Sprechstunde beraten wir Sie umfassend über die verschiedenen Operationsmethoden und berücksichtigen dabei auch Ihre Vorgeschichte sowie die aktuellen Befunde (Laborwerte, Computertomografie- bzw. Magnetresonanzbefunde). Vereinbaren Sie bitte vorher einen Termin unter der Telefonnummer 089 4400 73505.

Link Pankreas-Sprechstunde

Drainierende Operationsverfahren

Bei einer drainierenden Operation eröffnen wir den Bauchspeicheldrüsenhauptgang  oder die durch eine Abflussbehinderung gebildete Pseudozyste und verbinden diese mit dem Dünndarm. Anschließend kann das Sekret der Bauchspeicheldrüse wieder direkt in den Darm abfließen. Die chirurgische Drainage empfiehlt sich besonders als Therapie von Pseudozysten.

Abbildung: Entlastungs-Operation einer Pankreaspseudozyste

Abbildung: Entlastungs-Operation einer Pankreaspseudozyste

Resezierende Operationsverfahren

Meist ist die Bauchspeicheldrüse durch die chronische Pankreatitis stark verändert, so dass nur eine Entfernung (Resektion) der geschädigten Teile die Beschwerden der Betroffenen langfristig verbessert.

Duodenum erhaltende Operation

In der Regel ist die Entzündung im Pankreaskopf besonders intensiv. Bei der Entfernung des entzündlich veränderten Gewebes versuchen wir so gewebeschonend wie möglich vorzugehen. Das heißt: Nur das am stärksten geschädigte Gewebe wird entnommen, gesundes dagegen bleibt erhalten. Mithilfe einer Dünndarmschlinge wird die Verbindung zur verbliebenen Bauchspeicheldrüse wiederhergestellt.

Abbildung: Duodenum-erhaltende Pankreaskopfresektion

Abbildung: Duodenum-erhaltende Pankreaskopfresektion

Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass es die umliegenden Organe wie den Zwölffingerdarm (Duodenum), die Gallenwege und den Magen schont. Diese Operationsmethode war bislang neben der radikalen Pankreaskopfresektion (Whipple‘sche Operation) die Standard-Operation bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Dieses Vorgehen wurde weiter modifiziert und verfeinert. Hierdurch belastet der Eingriff die Patienten noch weniger.

Whipple’sche Operation

Diese Operationsmethode wird gewählt wenn wir annehmen müssen, dass sich ein bösartiger Tumor in der Bauchspeicheldrüse befindet. Dabei wird der Pankreaskopf zusammen mit dem Zwölffingerdarm und dem unteren Teil des Gallengangs entfernt. Den Magen können wir meist erhalten. Mit einer Dünndarmschlinge lässt sich anschließend eine neue Verbindung zur Bauchspeicheldrüse, dem Gallengang und dem Magen legen.

Abbildung: Magen-erhaltende Pankreaskopfresektion (ppWhipple)

Abbildung: Magen-erhaltende Pankreaskopfresektion (ppWhipple) 

Pankreaslinksresektion

Liegt der Entzündungsherd mehrheitlich im Bauchspeicheldrüsenschwanz, entfernen wir diesen möglichst unter Schonung der Milz. Manchmal lässt sich jedoch aufgrund der entzündungsbedingten Verklebungen eine Entfernung der Milz nicht vermeiden. Doch auch ohne die Milz können Sie gut leben, ohne dass Ihre Lebensqualität eingeschränkt ist. Ihr betreuender Arzt sollte lediglich an die regelmäßige Auffrischung bestimmter Impfungen (Meningokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenza) denken.

Abbildung: Pankreaslinksresektion

Abbildung: Pankreaslinksresektion