Zystische Tumore der Bauchspeicheldrüse

Mit dem Einsatz moderner Bildgebungsverfahren werden zystische Tumoren der Bauchspeicheldrüse mit zunehmender Häufigkeit als Zufallsbefund entdeckt. Zystische Pankreastumoren spielen deshalb seit einigen Jahren eine bedeutende Rolle in der Therapie von Bauchspeicheldrüsentumoren. Aufgrund oftmaliger Beschwerdefreiheit wissen die betroffenen Patienten bis zur Diagnosestellung nichts von ihrer Erkrankung. Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Leber- oder Nierenzysten, welche in aller Regel harmlos sind, können Zysten der Bauchspeicheldrüse durchaus weitreichende Folgen haben.

Wachstumsformen

Zystische Tumoren der Bauchspeicheldrüse sind vielfältig und beinhalten je nach ihrer Entstehung, Erscheinung und Größe ein unterschiedliches Risiko, sich bösartig zu entwickeln. Das Spektrum der Zysten des Pankreas reicht von entzündlichen Pseudozysten, im Rahmen der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung, über gutartige, seröse Tumore bis hin zu bösartigen, schleimbildenden (sog. muzinösen) Karzinomen. Etwa 60 % aller Zysten in der Bauchspeicheldrüse sind mit dem Risiko behaftet, im Verlauf zu einer Krebserkrankung zu führen. Die häufigsten dieser Tumoren stellen zystisch-muzinöse Neoplasien (etwa 90 %) dar. Unter dieser Art von Tumoren wird unterschieden zwischen intrapapillär muzinösen Neoplasien (IPMNs) und muzinös-zystischen Neoplasien (MCNs). Während IPMNs vorwiegend bei Frauen und Männern im Alter zwischen 60 und 70 Jahren auftreten, erkranken fast ausschließlich jüngere Frauen an MCNs. Auch im Hinblick auf die Lokalisation der Tumoren gibt es wesentliche Unterschiede. Während IPMNs an jeder Stelle der Bauchspeicheldrüse auftreten, entstehen MCNs fast immer im Schwanzbereich. In einigen Fällen kann, insbesondere bei IPMNs, die gesamte Bauchspeicheldrüse vom Tumor durchsetzt sein.

Abbildung: CT bzw. MRT Bilder von zystischen Tumoren der Bauchspeicheldrüse (sogenannte IPMNs)
08a-CT bzw. MRT Bilder von zystischen Tumoren der Bauchspeicheldrüse (sogenannte IPMNs) Abbildung: CT bzw. MRT Bilder von zystischen Tumoren der Bauchspeicheldrüse (sogenannte IPMNs)

Die Pfeile kennzeichnen die zystischen Tumoren

Therapie

Die Therapie zystischer Bauchspeicheldrüsentumoren richtet sich nach deren Erscheinungsbild. Bestimmte zystische Tumoren des Pankreas mit kleinem Durchmesser brauchen, aufgrund der aktuellen Erkenntnislage, nicht entfernt zu werden, sondern können durch engmaschige Kontrolluntersuchungen überwacht werden. Dies bezieht sich vor allem auf sogenannte kleinere Seitengang-IPMNs. Bei einem Großteil der Tumoren dagegen ist eine chirurgische Entfernung aufgrund des Entartungspotentials unbedingt ratsam. Die am häufigsten vorgenommenen Operationen sind die sogenannte Magenausgang-erhaltende Whipple’sche Operation und die Pankreaslinksresektion. In wenigen Fällen kann es notwendig sein, die komplette Bauchspeicheldrüse zu entfernen. Wir versuchen jedoch immer so viel gesundes Pankreasgewebe wie möglich zu erhalten. Die schonendste Operationsform ist das alleinige Ausschälen (Enukleation) des Tumors. Bei bösartigen zystischen Pankreastumoren wird abhängig vom Tumorstadium eine begleitende Chemotherapie nach der Operation durchgeführt. Patienten mit zystischen Tumoren der Bauchspeicheldrüse haben in der Regel eine sehr gute Prognose, insbesondere wenn der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt und entsprechend behandelt wird.

Minimalinvasive Operations-Techniken

Insbesondere kleinere oder zystische Tumore im Pankreasschwanz lassen sich heutzutage schonend mittels „Schlüssellochchirurgie“ behandeln. Die Pankreasschwanzresektion kann hier nach Bedarf mit oder ohne Milzresektion durch eine kameragestützte Operationsmethode erfolgen. Der Vorteil der minimalinvasiven Operationstechnik sind die kleineren Narben und eine im Allgemeinen raschere Erholung nach der Operation.