Bösartige Tumore

Symptome

Unglücklicherweise sind die Symptome des Bauchspeicheldrüsenkrebses relativ uncharakteristisch. Am häufigsten beobachtet man eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit. Die Patienten klagen auch häufig über Schmerzen im Oberbauch, welche eventuell in den Rücken ziehen und meist im Laufe der Erkrankung an Stärke zunehmen. Bei Tumoren im Bauchspeicheldrüsenkopf kann es zu einer Störung des Gallenabflusses kommen. Dies führt zu einer Gelbsucht, die mit einer Gelbfärbung der Augen (Sklerenikterus), farblosem Stuhl, dunklem Urin und Hautjucken einhergehen kann. Außerdem beobachtet man häufig eine neu aufgetretene Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bei Patienten, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs leiden.

Operation

Die chirurgische Therapie, das heißt das Entfernen des Tumors, ist die einzige Behandlung, die eine Chance auf Heilung verspricht. Diese kann nur erfolgen, wenn eine Metastasierung der Krebszellen in andere Organe, wie z. B. der Leber oder der Lunge, ausgeschlossen werden kann. Außerdem sollte der Tumor nicht in die umgebenden Schlagadern (Arterien) eingewachsen sein, da ansonsten eine vollständige Entfernung des Tumors häufig nicht möglich ist. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass nur bei ca. 15 % bis 20 % aller Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs  eine komplette chirurgische Entfernung des Tumors durchgeführt werden kann.

Pankreaskopfresektion (sog. Whipple’sche Operation)

Ist der Tumor im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkopfes lokalisiert, müssen neben dem Tumor und dem angrenzenden  Teil der Bauchspeicheldrüse auch ein Teil des Gallenganges, des Zwölffingerdarm und die Gallenblase entfernt werden.  (sog. Magenausgang-erhaltende Whipple‘sche Operation). Je nach Lage und Größe des Tumors kann es notwendig werden, auch einen Teil des Magens zu entfernen. Man spricht hier von einer sogenannten „klassischen Whipple‘schen”-Operation.

Abbildung: Pankreaskopftumor

Abbildung: Magen-erhaltende Pankreaskopfresektion (ppWhipple)

Abbildung: Pankreaskopftumor

 Abbildung: Magen-erhaltende Pankreaskopfresektion (ppWhipple)

Pankreaslinksresektion

Tumore im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkörpers oder -schwanzes sind im Vergleich zu den Bauchspeicheldrüsenkopftumoren deutlich seltener und werden häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Die Pankreaslinksresektion, welche auch als distale Pankreatektomie bezeichnet wird, ist hier die Operation der Wahl. Sie umfasst die Entfernung des Bauchspeicheldrüsenkörpers und des -schwanzes zusammen mit den umgebenden Lymphknoten und der Milz. Die Wahl der Grenze des zu entfernenden Bauchspeicheldrüsengewebes richtet sich nach der Ausdehnung des Tumors und kann von einer Entfernung des Schwanzes bis zur fast kompletten Entfernung der Bauchspeicheldrüse, die bis in den Bauchspeicheldrüsenkopf reicht, ausgeweitet werden.

Bei der Resektion eines bösartigen Tumors des Bauchspeicheldrüsenkörpers oder -schwanzes ist eine Entfernung der Milz aufgrund der Mitnahme potentiell befallener Lymphknoten immer notwendig. Doch auch ohne die Milz können Sie gut leben, ohne dass Ihre Lebensqualität eingeschränkt ist. Ihr betreuender Arzt sollte lediglich an die regelmäßige Auffrischung bestimmter Impfungen (Meningokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenza) denken.

Abbildung: Pankreasschwanztumor

Abbildung: Pankreaslinksresektion

Abbildung: Pankreasschwanztumor

 Abbildung: Pankreaslinksresektion

Erweiterte Pankreasresektionen

Häufig sind beim Pankreaskarzinom größere Gefäße mit in den Tumor eingewachsen. Dies betrifft besonders die Pfortader. Die Entfernung eines Teils der Pfortader mit anschließender Rekonstruktion wird im Rahmen von Pankreasoperationen nur an wenigen Zentren durchgeführt. Aufgrund der großen Erfahrung führen wir an unserer Klinik die Pfortaderresektion im Falle der Tumorinfiltration regelmäßig und mit hohen Sicherheitsstandards durch. Aufgrund der hierdurch möglichen vollständigen Tumorentfernung gilt Prognose bei Patienten als vergleichbar gut wie nach Standard-Pankreasresektionen. Erweiterte Pankreasresektionen werden oftmals mit einer speziellen Vorbehandlung (siehe auch neoadjuvante Therapie) kombiniert.

Eine komplette Entfernung der Bauchspeicheldrüse (=totale Pankreatektomie) ist auf wenige ausgewählte Indikationen beschränkt, wie z.B. bei ausgedehnten oder an mehreren Stellen des Pankreas wachsenden Tumoren. Nachfolgend kommt es zu einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), welcher engmaschig kontrolliert und eingestellt werden muss. In diesem Falle helfen Ihnen an unserer Klinik Endokrinologen und Ernährungsberater beim Erlernen der postoperativen Zuckereinstellung.

Andere Operationsformen

Bei seltenen, gutartigen Tumoren im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkörpers kann heutzutage auch eine Organ-erhaltende Operation durchgeführt werden. Hierzu gehören die Pankreassegmentresektion oder die Enukleation (Herausschälen des Tumors). Bei seltenen Tumoren der Papille (also des Ausführungsganges des Gallen- und Pankreassekretes) oder bei gutartigen Tumoren (Adenomen) der Zwölffingerdarm-Schleimhaut kann die alleinige Entfernung der Papille (Papillenresektion) oder des Duodenums unter Schonung des Pankreaskopfes (Pankreaskopf-erhaltende Duodenumresektion) durchgeführt werden.

Palliative Operationsverfahren

Bei fortgeschrittenen, nicht mehr operablen Tumoren des Pankreaskopfes kann eine tumorbedingte Gelbsucht (sog. Verschlußikterus) entstehen. Dabei kommt es durch das Wachstum des Tumors zu einem Verschluß des Hauptgallenganges oder dessen Mündungsstelle im Darm (papilla vateri), zum Aufstau der Galle in die Leber und somit zur Ausbildung einer Gelbsucht. Die Operation der Wahl zur Behandlung dieser Gelbsucht ist die Neuanlage einer Verbindung zwischen dem Hauptgallengang und einer Dünndarmschlinge. Durch diese biliodigestive Anastomose wird der Gallefluß wiederhergestellt, und es kommt zu einer Besserung der Gelbsucht-Symptome.
Kommt es in Folge eines fortgeschrittenen Pankreastumors zu einer Enge im Bereich des Magenausganges, kann dies zu einer Behinderung der Nahrungspassage führen. Im Falle dieser sog. Magenausgangsstenose wird mit Hilfe einer Umgehung (innerer Bypass) eine Wiederherstellung der Nahrungspassage hergestellt. Dies wird durch eine Verbindung der Magenhinterwand mit einer Dünndarmschlinge (hintere Gastroenterostomie) bzw. einer Verbindung der Magenvorderwand mit einer Dünndarmschlinge ermöglicht (vordere Gastroenterostomie).

Kombinationstherapie (adjuvante und neoadjuvante Therapie)

Auch bei Chirurgie mit kurativer Intention können Krebszellen im Körper verbleiben, wenn einzelne Krebszellen schon in das umgebende Gewebe oder andere Organe eingewandert bzw. metastasiert sind. Diese einzelnen Krebszellen sind zum Zeitpunkt der Operation nicht nachweisbar. In diesem Fall wird häufig eine zusätzliche Therapie, wie z. B. eine Chemotherapie empfohlen, um noch möglicherweise vorhandene Krebszellen abzutöten. Diese Form der Therapie wird „adjuvante“ Therapie genannt.
Um einen lokal fortgeschrittenen Tumor in einen besseren, operablen Zustand zu überführen, kommt in manchen Fällen auch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie oder eine Kombinations-Chemotherapie zum Einsatz, welche einige Wochen vor der geplanten Operation erfolgt. Diese Form der Therapie wird „neoadjuvante“ Therapie genannt.
In bestimmten Fällen, in denen der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte, wird eine Behandlung wie eine Chemotherapie oder Strahlentherapie empfohlen, um das Tumorwachstum zu kontrollieren, bzw. um die Symptome, die durch den verbliebenen Tumor entstehen, zu reduzieren. Diese Form der Therapie bei metastasierten (disseminierten) Tumoren wird „palliative“ Therapie genannt. Sie kommt auch zum Einsatz, wenn eine Operation nicht möglich ist.

 

Abbildung: Entscheidungsbaum in der Therapie von PankreaskarzinomenAbbildung: Entscheidungsbaum in der Therapie von Pankreaskarzinomen