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Leistungsspektrum

Leberchirurgie, Chirurgie der Gallenblase und der Gallenwege/ Hepatobiliäre Chirurgie

Sie finden auf dieser Seite Informationen rund um das Thema Leberchirurgie und Chirurgie der Gallenblase und der Gallewege. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Krankheitsbilder und innovative Techniken in der Leberchirurgie vor und möchten Ihnen ermöglichen über möglichst kurze Wege mit uns in Kontakt zu treten. Wir freuen uns Sie beraten und behandeln zu dürfen.

Prof. Dr. med. Markus Guba 
(1. Oberarzt, Leiter des Bereichs Transplantation und Hepatobiliäre Chirurgie)

Operationen an der Leber werden vor allem bei bösartigen (malignen) Lebertumoren durchgeführt. Die häufigsten bösartigen Tumore der Leber sind Lebermetastasen, gefolgt von den primären Leberzelltumoren (Hepatozelluläres Karzinom und Cholangiozelluläres Karzinom) und Tumoren der Gallenwege (Klatskin-Tumore, Gallenbalsentumore). Nur in seltenen Fällen kann eine Teilentfernung der Leber auch bei gutartigen Tumoren (Leberzelladenom, Leberzysten) notwendig werden.

Lebermetastasen

Einen besonderen Stellenwert hat die Metastasenchirurgie bei Metastasen des Dick- und Enddarms (kolorektales Karzinom). Wenn die Lebermetastasen auf die Leber beschränkt sind und durch eine Leberresektion komplett entfernt werden können ist selbst in diesem fortgeschrittenen Stadium der Tumorerkrankung noch eine Heilung möglich. Daher sollte ein Leberbefund immer mit einem ausgewiesenen Leberchirurgen hinsichtlich der Möglichkeit einer Resektion besprochen werden. Aber auch bei Metastasen anderen Ursprungs (z.B. neuroendokrine Tumore, Nierenzellkarzinom), werden durch ausgedehnte leberchirurgische Eingriffe, die häufig durch eine medikamentöse Chemotherapie ergänzt werden, exzellente Therapieerfolge erzielt.

Leberzellkarzinom (= Leberkrebs, Hepatozelluläres Karzinom)

Für den häufigsten bösartigen Lebertumor, das hepatozelluläre Carcinom (HCC), ist die chirurgische Entfernung die einzige Therapie mit Aussicht auf definitive Heilung. Das HCC entsteht häufig aus einer vorausgegangenen Leberzirrhose. In diesen Fällen ist die Leber oft so geschädigt, dass eine Leber-Teilentfernung unter Umständen nicht mehr möglich ist und eine Lebertransplantation in Betracht gezogen werden muss. Als Lebertransplantationszentrum bieten wir Ihnen die volle Behandlungsbreite dieser Tumorerkrankung bis hin zur Lebertransplantation.

Karzinom der intrahepatischen Gallenwege (= Cholangiozelluläres Karzinom)

Das cholangiozelluläre Karzinom verursacht als Raumforderung innerhalb der Leber oft lange keine Symptome. Auch für diese Tumore ist die radikale Entfernung einschließlich der zugehörigen Lymphknoten noch immer der einzige heilende Ansatz. Da die Leber in diesen Fällen meist nicht vorgeschädigt ist, sind auch ausgedehnte Leberteilentfernungen von bis zu 80 Prozent des Lebergewebes möglich.  Ob Patienten in diesem Zusammenhang von einer begleitenden (neoadjuvanten) Chemotherapie profitieren wird gegenwärtig unter Studienbedingungen (Ansprechpartner: Prof. Dr. M. Rentsch) untersucht.

Gallengangsgabeltumore / Klatskin Tumore

Ein weiterer Schwerpunkt unseres Zentrums liegt in der Behandlung des in der Gallengangsgabel der Leber sitzenden Klatskin-Tumors. Hier sind aufgrund möglicher Blutgefäßinfiltration und komplexer Gallengangsanatomie meist nur ausgedehnte Leberteilentfernungen (Trisektorektomie) sinnvoll, da lediglich diese Therapie Aussicht auf langfristigen Erfolg bietet. Unter bestimmten Vorraussetzungen ist auch bei dieser Tumorentität unter Studienbedingungen ein Lebertransplantation möglich. Wir bieten unseren Patienten die Möglichkeit auch diese Therapieoption im Rahmen eines multizentrischen Studienprotokolls (Ansprechpartner: Prof. Dr. M. Guba) zu verfolgen.

Gallenblasenkarzinom

Die einzige kurative Therapie von Gallenblasenkarzinomen besteht in der vollständigen Entfernung des Tumors. In frühen Stadien genügt es lediglich die Gallenblase zu entfernen. In fortgeschrittenen Stadien ist es zusätzlich nötig den Gallengang und die angrenzenden Leberareale zu entfernen. Gelingt es nicht, den Gallenblasenkrebs operativ komplett zu beseitigen, sind die Heilungschancen gering.

Gutartige Lebertumore

Gutartige Lebertumore wie Hämangiome, fokal noduläre Hyperplasien (FNH), dysontogenetische Leberzysten stellen in den meisten Fällen keine Operationsindikation dar. Es gibt jedoch Ausnahmen, die im Einzelfall besprochen werden müssen. Beispielsweise sollten Leberadenome ab einer Größe von 5 cm oder bei einem genetischen Risikoprofil aufgrund des Entartungsrisikos entfernt werden.

Echinokokkosen

Echinokokkosen sind Erkrankungen die durch den Hundebandwurm (Echinokokkus cysticus) oder dem Fuchsbandwurm (Echinokokkus multilocularis) ausgelöst werden. Die Bandwürmer führen zu zystischen Tumoren in der Leber. Die Zysten des Fuchsbandwurm breiten sich in der Leber wie ein bösartiger Tumor aus und müssen chirurgisch entfernt werden. Begleitend erfolgt eine medikamentöse antiparasitäre Therapie über 24 Monate.

Gallensteine/Entzündungen der Gallenblase

Die lapraskopische Entfernung der Gallenblase ist heute der Standard bei einem symptomatischen Gallensteinleiden oder einer Entzündung der Gallenblase.  Nur selten ist ein offenes Vorgehen über einen Bauchschnitt notwendig. In komplizierten Fällen sind jedoch auch hier die chirurgische Erfahrung und therapeutischen Möglichkeiten (z.B. ERCP, interventionelle Radiologie) eines Leberkompetenzzentrums gefragt.

Innovationen

Um das Risiko einer Leberunterfunktion nach ausgedehnten Leberresektionen zu verringern messen und simulieren wir intraoperativ die Leberfunktion mit dem LIMON® Verfahren.
Bei medikamentös nicht therapierbaren Bauchwasseransammlungen (Aszites) wie sie bei Leberzirrhose und Pfortaderhochdruck häufig vorkommen bieten wir die minimal-invasive Implantation des Alphapump Systems® an. Das Alfapump System ist ein batteriebetriebenes Pumpsystem, das direkt unter die Haut implantiert wird und welches speziell für den Umgang mit Aszites entwickelt wurde. Hierbei wird der Aszites kontinuierlich und kontrolliert aus der freien Bauchhöhle entfernt und in die Blase abgeführt. Von dort kann er den Körper auf natürlichem Wege verlassen. (Ansprechpartner: Dr. M. Thomas)
Bei kleineren und anatomisch günstig gelegenen Raumforderungen der Leber nehmen wir mittlerweile zunehmend die laparoskopische oder Roboter (DaVinci®)-gestützte Leberteilresektion vor, die das Operationstrauma für den Patienten deutlich mindert.
Darüber hinaus bieten wir auch Resektionsverfahren für ausgedehnte Tumorbefunde an, deren Technik aus der Lebertransplantationschirurgie übernommen wurde; wie z.B. die zweitzeitige in-situ split Technik bei grenzwertiger Restlebergröße oder die ante-situ Resektion bei der Notwendigkeit einer aufwendiger Rekonstruktionen der unteren Hohlvene (V. cava) und des Zusammenflusses (Venenstern) der Lebervenen.

Für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept

In den wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Fallkonferenzen (Tumor boards) entwerfen wir in Zusammenarbeit mit unseren gastroenterologischen, onkologischen und strahlentherapeutischen Kollegen für jeden Patienten ein maßgeschneidertes Therapiekonzept. So können beispielsweise zunächst nicht entfernbare (irresektable) Tumore durch Chemotherapie verkleinert (downstaging) und operabel gemacht werden. Durch flankierende (adjuvante) Strahlen oder Chemotherapie kann der Behandlungserfolg gesteigert werden. Zusätzlich können Tumoren durch Radiochirurgische Verfahren, transarterielle Verfahren wie die transarterielle Chemoembolisation (TACE) oder selektive interne Radiotherapie (SIRT) oder anderer ablative Verfahren wie die Radiofrequenzablation (RFA) oder Elektroporation angegangen werden.