Gentherapie

Für viele angeborene Erkrankungen sind pharmakologische Therapien nicht oder nicht ausreichend wirksam. Außerdem sind sie in der Regel mit hohen Kosten und für die Betroffenen mit erheblichen Einschränkungen in ihrer Lebensqualität verbunden. Ein viel versprechender alternativer Therapieansatz für einige dieser Erkrankungen ist die Gentherapie. Mit dem Ziel, den Patienten eine sichere und wirksame Therapie zur Verfügung zu stellen, arbeiten wir am Modell der Hämophilie A und der Phenylketonurie an der Entwicklung eines nicht-viralen Gentransfers in die Leber.

Gentherapie – neue Chancen für Patienten mit angeborenen Erkrankungen

Eine Vielzahl angeborener, genetisch bedingter Erkrankungen ist heute behandelbar. Die verfügbaren Behandlungsmethoden sind jedoch oft mit beträchtlichen Einschränkungen für die Betroffenen und mit sehr hohen Kosten verbunden. Außerdem zeigen sie insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen keine oder keine ausreichende Wirksamkeit. Die einzige Möglichkeit, die Ursache der Krankheit dauerhaft und vollständig zu beseitigen, liegt in der Korrektur des Gendefektes selbst. Bei der Gentherapie wird den Zellen das gesunde Gen zur Verfügung gestellt, wodurch das betroffene Enzym wieder korrekt gebildet werden kann.

 


Auf der Suche nach sicheren Methoden zum Gentransfer

Durch Verwendung von Viren zur Einschleusung der therapeutischen Gene sind in klinischen Studien für verschiedene Erkrankungen bereits viel versprechende Ergebnisse erzielt worden. Es zeigte sich jedoch, dass die bisher zur Verfügung stehenden Formen der viralen Gentherapie teilweise mit hohen Risiken verbunden sind. So traten z.B. bei Patienten, die wegen der angeborenen Immunschwäche X-SCID gentherapeutisch behandelt worden waren, vermehrt Leukämien auf. Eine breite Anwendung der Gentherapie, insbesondere bei der Behandlung von Krankheiten, für die bereits sichere und wirksame Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen, wird erst dann vertretbar sein können, wenn durch weitere Forschung auf diesem Gebiet die Sicherheit gentherapeutischer Ansätze erheblich verbessert werden kann. Wir verfolgen daher den Ansatz des nicht-viralen Gentransfers.

 


Anwendung neuer Technologien zur gezielten Gentherapie in die Leber

Bei vielen angeborenen Krankheiten liegt der Ort der Krankheitsentstehung in der Leber. Anhand der Modellerkrankungen Phenylketonurie (angeborene Stoffwechselerkrankung) und Hämophilie A (angeborene Störung der Blutgerinnung) sollen in unserem Labor allgemeine Strategien zur gezielten Gentherapie in die Leber entwickelt werden. In einem interdisziplinären Ansatz werden vorhandene Methoden mit neuen Technologien verbunden, um eine verbesserte Aufnahme der therapeutischen Gene in die Leberzellen zu erreichen. Mit der gezielten Ansteuerung spezifischer Rezeptoren sollen die Gene an den gewünschten Ort gelangen, wobei Ultraschalltechniken und Magnetkräfte den Prozess zielgerichtet steuern können. Der experimentelle Weg dieses Projektes führt von der Methodenentwicklung in Zellkulturen über die Anwendung am Tiermodell zum längerfristigen Ziel, ein Verfahren zur dauerhaften Korrektur der Gendefekte beim Menschen vorzubereiten. Das Projekt wird durch das BMBF, die Firma Bayer Vital (Bayer Healthcare) und durch die Prinz Lennart von Hohenzollern-Stiftung gefördert.

 


Übertragung auf weitere angeborene Erkrankungen

Die an den beiden Modellen Phenylketonurie und Hämophilie A gewonnenen Erkenntnisse sollen als Grundlage zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden für andere, zum Teil bisher nicht zufrieden stellend behandelbare angeborene Erkrankungen dienen. Hierzu gehören z.B. genetisch bedingte Störungen des Harnstoffzyklus.